Schongauer Stadtrat fasst Grundsatzbeschluss

Neues Stadtviertel: Wohnraum für 400 Menschen

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So könnte das neue Wohngebiet am Hohen Graben im Norden Schongaus aussehen. Zu erkennen sind die fünf einzelnen Quartiere, die nacheinander verwirklicht werden sollen.

Schongau – Mindestens 166 Wohneinheiten, Platz für rund 400 Bewohner: Die Planungen für ein komplett neues Stadtviertel im Norden Schongaus gehen weiter. Der Stadtrat hat jetzt den dafür nötigen Grundsatzbeschluss gefasst. Die Zustimmung fiel mit 10:6-Stimmen allerdings knapp aus. Vor allem die ALS kritisierte das Vorhaben als „massiven Eingriff in die Natur“.

Die Pläne für ein Wohngebiet am „Hohen Graben“ direkt neben dem Krankenhaus sind nicht neu. Schon 1984 habe der Stadtrat die Aufstellung eines entsprechenden Rahmenplans beschlossen, blickte Stadtbaumeister Ulrich Knecht zurück. Dass die Stadt jetzt in die konkrete Umsetzung des vor über 30 Jahren formulierten Ziels einsteigt, liegt laut Knecht am fehlenden Baugrund in der Lechstadt. Es gebe kaum mehr Flächen im Stadtbereich, an denen nachverdichtet werden könne, sagte der Stadtbaumeister. Auch Neubaugebiete wie das Genttner Areal und die Lechvorstadt seien nahezu komplett voll. „Wir sind ausgelutscht.“

Abhilfe soll deshalb das neue Stadtviertel am Hohen Graben schaffen. Es würde die bestehende Lücke in der Bebauung zwischen Krankenhaus und der Straße „Am Eichenfeld“ schließen. Dass es sich dabei um ein besonderes Gebiet handelt, machte Landschaftsarchitekt Georg Dinger vom Büro Eger&Partner klar. So sei die Hangkante ein Naturdenkmal, die ebenso wie der „einmalige Blick“ über Schongau auf die Alpen unbedingt erhalten werden müsse. Für die Bebauung bedeutet das, sie muss einen gewissen Abstand zur Hangkante einhalten, der öffentliche Fußweg, der eben dort entlang läuft, bleibt bestehen. Um auch den Blick vom nördlich gelegenen Aussichtspunkt nicht zu stören, dürfen die Gebäude laut Dinger zudem nicht höher werden als jene am Krankenhaus.

Mit Kindergarten

Anschließend war es an Stadtplaner Frank Reimann, die Details des neuen Wohngebiets zu erläutern. Vorgesehen ist, das auf der 15,8 Hektar großen Fläche nacheinander fünf Wohnquartiere entstehen sollen. Diese bieten Platz für 21 Einzelhäuser, 76 Doppelhäuser und 69 Reihenhäuser. Auch Geschosswohnungsbau ist laut dem Planer möglich. Das Stadtviertel soll über die Franz-Josef-Strauß-Straße erschlossen werden. Eine Durchfahrt zum Krankenhaus ist nicht vorgesehen. An der Hangkante sollen Reihenhäuser entstehen, damit möglichst viele Leute in den Genuss der Aussicht auf die Lechstadt kommen. Insgesamt könnten rund 400 Menschen ein Zuhause in dem neuen Stadtviertel finden. Angesichts einem prognostizierten Bevölkerungswachstum zwischen 2,5 und 7,5 Prozent in den nächsten Jahren würde man damit auf die zu erwartende Nachfrage reagieren. Geplant ist auch, einen Kindergarten auf dem Gelände zu errichten.

Bevor allerdings die Bagger rollen können, wird noch einige Zeit vergehen. So muss sich die Stadt noch mit den Grundstückseigentümer einigen, die dem Vorhaben laut Knecht jedoch „sehr aufgeschlossen“ gegenüberstehen. Das dürfte auch daran liegen, dass man ihnen bereits entgegengekommen ist. In der ursprünglichen Planung war vorgesehen gewesen, die nötigen Ausgleichsflächen komplett auf dem Gelände unterzubringen, was allerdings zur Folge gehabt hätte, dass nur noch 6,6 Hektar als Bauland übrig geblieben wären. Jetzt sind es zehn Hektar, womit man bei der üblichen Quote von 65 Prozent liegt. Durch das Zugeständnis, das den Eigentümern einen höheren Erlös für ihre Flächen verspricht, hätten diese im Gegenzug signalisiert, sich an den Kosten für die Erdverkabelung oder Verlegung der 110 KV-Leitung zu beteiligen, die aktuell mitten durch das geplante neue Stadtviertel führt, berichtete Knecht. Die Kosten dafür belaufen sich zwischen einer und 1,7 Million Euro.

Kein Problem ist laut dem Stadtbaumeister die Nähe zur Franz-Josef-Strauß-Straße und dem Betonwerk Lang. Ein kleiner Wall reiche hier als Lärmschutz, um das Baugebiet näher heranrücken zu können. „Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Konzept“, lobte Knecht.

Lob von der CSU, Kritik von der ALS

Das sah auch Michael Eberle so. Gerade für Familien fehle es an Wohnraum, betonte der CSU-Fraktionschef. Besonders gefiel ihm der eingeplante Kindergarten. Im Norden plädierte Eberle für mehrgeschossige Wohnanlagen. Kritik gab‘s für die geplante Erschließungsstraße, die mitten durchs Wohngebiet führt. Der CSU-Fraktionschef schlug vor, diese an den nördlichen Rand zu verlegen und die Quartiere von dort über Stichstraßen zu erschließen. So wäre auch die schon länger angedachte Zufahrt zum Krankenhaus aus Altenstadt leicht zu realisieren.

Alles andere als begeistert, ja regelrecht bestürzt, reagierte man dagegen bei der ALS auf die Pläne eines neuen Stadtviertels am Hohen Graben. Nina Konstantin kritisierte den massiven Eingriff in die Natur, der dafür nötig sei und forderte, die Bürger bei so einem wichtigen Schritt zu beteiligen. Es fehle zudem an belastbaren Zahlen, was mögliche Bauwerber angehe, wohingegen der Bedarf an sozialem Wohnraum, den es jetzt schon gebe, überhaupt nicht berücksichtigt sei. Auch die Frage, ob die vorhandene Infrastruktur (Schulen, Stadtbus, etc.) überhaupt ausreiche, sei nicht geklärt, bemängelte die Fraktionsvorsitzende. Wer bauen wolle, könne das ja auch in den benachbarten Gemeinden des Mittelzentrums tun. Hier gebe es genug Flächen. Ein Vorschlag, der bei der CSU auf Unverständnis traf. „Jedes Dorf schafft über Einheimischen-Modelle Wohnraum, aber wir sollen den Leuten sagen, dass sie in Peiting bauen sollen“, ärgerte sich Eberle.

Doch auch Bettina Buresch (ALS) sprach von einer „städtebaulichen Fehlplanung“, die am Bedarf vorbeigehe. Sie verwies auf die Einwohnerzahlen der vergangenen Jahre, wonach die Bevölkerung kaum gewachsen sei – trotz der entstandenen Neubaugebiete. „Es ist hier eher ein Hin- und Herziehen.“ Sie warnte außerdem vor dem Entstehen einer Satellitenstadt, in der die Bewohner auf ihr Auto angewiesen seien. „Von dort ist nichts fußläufig zu erreichen.“ Als warnende Beispiel nannte Buresch die Lechvorstadt, die bis heute nicht richtig an den Nahverkehr angeschlossen sei.

„Trabantenstadt wie in Amerika“

Eine „Trabantenstadt wie in Amerika“ werde das neue Wohngebiet befürchtete auch Martin Schwarz. Der SPD-Stadtrat zeigte sich zudem erschüttert darüber, dass nun auch der letzte Hang zugebaut werde. Er plädierte als Kompromiss dafür, zunächst nur die Randquartiere 1 und 5 zu entwickeln und für die mittleren den tatsächlichen Bedarf abzuwarten.

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) gab zu, dass noch einige „Probleme und Konflikte“ abzuarbeiten seien. Dass es keinen Bedarf für ein derartiges Stadtviertel gebe, sei jedoch falsch. „Ich kenne viele Leute aus München, die gern nach Schongau ziehen würden, denn hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Die Nachfrage sei da, bestätigte auch Stephan Hild (UWV). Und dieser Druck werde zunehmen, prophezeite er, schließlich würden noch Jahre vergehen, bis dort gebaut werde.

Bei der Abstimmung über den Grundsatzbeschluss hatten die Befürworter die Mehrheit auf ihrer Seite – wenn auch knapp mit 10:6-Stimmen.

Christoph Peters

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