Vom Schuhmacher zum Mesner – Roland Schwalb ist fest verwurzelt in Weilheim

Kurze Rast in luftiger Höhe. Roland Schwalb hat die „Schlüsselhoheit“ über die Stadtpfarrkirche. Bevor er seinen Dienst als Stadtpfarrmesner antrat, arbeitete er 23 Jahre als Orthopädieschuhmacher. Foto: Hofstetter

... 155, 156, 157 – die letzte Treppenstufe zur Plattform des Kirchturms von Mariae Himmelfahrt ist geschafft. „Das ist einer meiner Lieblingsplätze“, sagt Mesner Roland Schwalb und atmet tief durch.

Schwalb kennt jede der knarzenden, ausgetretenen Holzstufen, warnt vor niedrigen Balken: „Obacht“. Oben angekommen freut er sich mit der Kirchturmbesteigerin, deren Blicke erst über die Dächer der Altstadt und dann hinaus ins Grüne schweifen. Es ist Mittag, ein laues Lüftchen streicht sanft um den Kirchturm. Der Rundblick aus 30 Meter Höhe ist phantastisch: Die Zugspitze, der Hohenpeißenberg, Andechs, der Ammersee, die Hardtlandschaft. Unten auf dem Marienplatz wuselnde Menschen, kleiner als Legofiguren. Was macht eigentlich ein Mesner? Roland Schwalb ist bekannt in der Stadt. Bei Alt und Jung. Als hauptamtlicher Stadtpfarrmesner wird er täglich mit Freud und Leid konfrontiert: „Du weißt nie, was dich am Tag erwartet.“ Bevor Schwalb im Dezember 1994 entschied, von der Schuhmacherwerkstatt ins Mesneramt zu wechseln und berufliches Neuland zu betreten, war er schon im Pfarrgemeinderat aktiv und hatte für die Kollekte Geld gesammelt. Geregelte Arbeitszeit? Der 56-Jährige schüttelt den Kopf. „Man muss strukturiert arbeiten, organisatorisches Geschick mitbringen und auf Änderungen gefasst sein.“ Morgens um 7.15 Uhr sperrt Schwalb die Stadtpfarrkirche auf und bereitet die Morgenmesse vor. Er legt Gewänder, Kelche, Liedzettel bereit, richtet Wasser und Wein her. „Es muss alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Manchmal ist das für Schwalb eine logistische Herausforderung. Zum Beispiel, wenn er für die Messe in einer „auswärtigen“ Kapelle alle Utensilien erst ins Auto verstauen und hinfahren muss. Für die Pflege der Kirchen- und Ministrantenwäsche, die Reinigung der Gotteshäuser und den Blumenschmuck ist er als Mesner auch zuständig und wird dabei von Ehefrau Annelies unterstützt. Bei Urlaub und Krankheit springt Schwalb für seinen Mesnerkollegen ein. „Man lebt mit dem Kirchenjahr und erlebt die Hochfeste intensiv.“ Das gefällt dem gebürtigen Münchner, der bei seinen Großeltern in Weilheim aufgewachsen ist. Schwalb genießt das Vertrauen vieler Menschen. Oft begegnet man ihm in der Stadt, beim Plausch mit Bürgern. Allerlei Sorgen und Nöte werden an ihn herangetragen. Bei sozialen Brennpunkten weiß er, „wohin ich die Leute schicken muss. Man kennt sich in Weilheim“. Seit 2000 mischt der Stadtpfarrmesner in der Kommunalpolitik mit, denn „man darf nicht nur schimpfen sondern muss sich auch engagieren“. Die BfW haben ihm das Friedhofsreferat übertragen, im Verwaltungsrat der Stadtwerke hat der 56-Jährige auch ein Wörtchen mitzureden. Sein Kreistagsmandat übt der Vater zweier erwachsener Kinder seit 2008 bei den Bürgern für den Landkreis aus. Manchmal, erzählt der Mesner und lächelt verschmitzt, wird er gefragt, wie er angesprochen werden will: „Roland, das langt,“ sagt er dann, „die Titel sind alle vergänglich.“

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