Serie (3): Leben in der Schongauer Altstadt

Im Innenhof ein Laubengang

+
Der Innenhof auf der Westseite: Birgit Schreg genießt dort die Abendsonne. Im ersten Stock der Laubengang.

Schongau – Die Schongauer Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer ist ohne Zweifel ein Kleinod. Doch wie lebt es sich hinter den Fassaden der teils Jahrhunderte alten Häuser? In unserer Serie wollen wir genau das ergründen. Diesmal war unser Mitarbeiter Johannes Jais bei Birgit Schreg zu Besuch.

Er wird nur selten genutzt, ist eher ein Blickfang als ein nutzbringender Wohnraum, aber dennoch trägt er unverzichtbar zum Charme dieses Gebäudes bei: Im Innenhof des Altstadthauses von Birgit Schreg, die am Lindenplatz wohnt, befindet sich im ersten Stock ein Laubengang. Ihn kennen – weil von der Straßenseite abgewandt - nur wenige Menschen. Für viele Leute ist hingegen der Erker auf der anderen Seite ein Blickfang; er macht das Haus mit der hellblauen Fassade in der südlichen Altstadt so unverwechselbar.

Wer zum Laubengang oder zum Erker möchte, muss erst mal die Treppe hoch. Auch sie hat eine Besonderheit zu bieten. Nämlich in der Farbe. Die Stufen sind ochsenblutrot. Der Erker ist aus dem Jahr 1900. Viel älter ist das Haus selbst. Es stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, nämlich aus dem Jahr 1535. Dendrochronologische Untersuchungen an alten Balken belegen das.

Ein Einzeldenkmal

Die gesamte Schongauer Altstadt steht unter Ensembleschutz. Das Haus von Birgit Schreg am Lindenplatz ist darüber hinaus ein Einzeldenkmal. Sie wohnt dort seit 1999. Zur Sanierung, wofür die neuen Eigentümer Mittel der Städtebauförderung und des Landesdenkmalamtes bekamen, gehörten archäologische Grabungen.

Eine Erbengemeinschaft hatte das marode Haus am Lindenplatz verkauft, erinnert sich Birgit Schreg. Zuvor hatte dort eine Frau Settele gewohnt. Im Buch „Schongauer Häusergeschichte“ von Dr. Hubert Vogel sind für das 19. Jahrhundert u.a. die zwei Nagelschmiede Beer und Förtsch als Eigentümer vermerkt. Daher stieß man bei archäologischen Untersuchungen Ende des 20. Jahrhunderts auf eine Esse.

Birgit Schreg, eine geborene Egger, ist in Kinsau zusammen mit zwei Schwestern aufgewachsen und in Schongau zur Schule gegangen. Zwei Jahre hat sie mit ihrem Mann Andreas Schreg in Peiting gewohnt, danach in Schongau an der Dr. Josef-Schiesl-Straße in Schongau. Sohn Maximilian kam 1991 zur Welt, Tochter Theresa ist zwei Jahre jünger.

Eigentlich wollte die gebürtige Kinsauerin wieder aufs Land. Doch bei einem Besuch der Familie Weinberger am Frauentor (siehe dazu Folge 1 in unserer Serie) hatten sie und ihr Mann sich richtig in das Flair eines Stadthauses verliebt. Das Ehepaar hatte erfahren, dass am Lindenplatz 5 ein altes Haus mit dem Erker verkauft wird.

Andreas und Birgit Schreg hielten es für wichtig, alte Substanz zu erhalten. Dazu gehörten bei diesem Gebäude auch der Gewölbekeller, alte Türen und oben die alten Kastenfenster. Die Handwerker waren täglich auf der Baustelle, der Umbau war aufwändig und „nicht immer kalkulierbar“, erinnert sich Birgit Schreg.

Im Erdgeschoss sind Küche und Wohnbereich – beide sind mit Fenstern Richtung Westen bzw. Süden zum ruhigen Innenhof, zu dem auch ein kleiner Garten gehört. Dort lässt es sich gut aushalten, vor allem die Abendsonne genießen. Es ist der Lieblingsplatz. Vom Lärm der Stadt ist dort nichts zu hören.

Von außen sieht man dem Haus die Größe nicht an: Es hat immerhin 165 Quadratmeter Wohnfläche. Der Erker zum Lindenplatz gehört zum Zimmer des Sohnes, der gern nach Hause kommt, wenn es das Studium zulässt. Der familiäre Spitzname für den Raum mit dem Erker ist „der Kerker“. Oben befindet sich ein zweistöckiger Dachboden.

Inzwischen wohnt Birgit Schreg seit 17 Jahren in diesem Altstadthaus. Ihr Ehemann verstarb 2007. Seit einigen Jahren ist sie mit ihrem Lebensgefährten Cengiz Ünsal zusammen, der mit 17 Jahren ins Oberland kam und als Werkzeugmacher selbstständig arbeitet. Er wohnt ebenfalls in dem Altstadthaus.

Kurze Wege

Birgit Schreg erinnert sich, dass ihre Kinder den kurzen Weg zu den Schulen „sehr genossen haben“, Die Sparkassenangestellte weiß auch selbst den kurzen Weg zur Arbeitsstelle zu schätzen. In wenigen Minuten ist sie auch auf dem Tennisplatz, wenn sie sich sportlich betätigen will. Auch kann sie in der näheren Umgebung joggen. Häufige Einkäufe erledigt Birgit Schreg in der Altstadt; sie fügt aber hinzu, dass sie auch Märkte außerhalb der Stadtmauer ansteuert.

Ihr Wunsch ist es, dass Familien die Altstadt beleben. Der Bereich innerhalb der Stadtmauern solle als Wohnquartier aufgewertet werden, findet sie. Und: Wenngleich der Lindenplatz vor ihrer Haustür wegen der vielen geparkten Autos seinen Charme verloren habe, so habe der nahe Marienplatz mit Einführen der Fußgängerzone an Aufenthaltsqualität deutlich gewonnen. Das sei für Bewohner in der Stadt von Vorteil.

Meistgelesene Artikel

Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Schongau – Mit dem Zug von Schongau nach München ohne umzusteigen: Bislang ist das für Fahrgäste der Pfaffenwinkelbahn nur ein Wunschtraum. Ginge es …
Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Weder Erlaubnis noch Sicherung

Wielenbach - Wie wichtig die Kontrolle des gewerblichen Güterverkehrs durch Spezialisten ist, zeigte sich gestern wieder an einem Parkplatz neben der …
Weder Erlaubnis noch Sicherung

Auf frischer Tat ertappt

Schongau/Peiting – Waren da die gleichen Täter am Werk? Am Sonntagabend ist es der Polizei gelungen, einen Einbrecher in Schongau zu verhaften. Seine …
Auf frischer Tat ertappt

Kommentare