Serie (4): Leben in der Schongauer Altstadt

Nah dran am Rathaus

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Bei schönem Wetter sitzen sie gern auf der Dachterrasse: Tobias Kalbitzer und  Anja Riefler.

Schongau – Die Schongauer Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer ist ohne Zweifel ein Kleinod. Doch wie lebt es sich hinter den Fassaden der teils Jahrhunderte alten Häuser? In unserer Serie wollen wir genau das ergründen. Diesmal war unser Mitarbeiter Johannes Jais bei Schongaus 2. Bürgermeister Tobias Kalbitzer zu Besuch.

Es ist zweieinhalb Jahre her, da war Tobias Kalbitzer ganz nah dran, ins Schongauer Rathaus einzuziehen. Gerade mal 32 Stimmen machten bei der Stichwahl für das Bürgermeisteramt den Unterschied aus. Nah dran ist der 29-jährige Stadtrat seit diesem Jahr wieder. Am Rathaus, am politischen Geschehen, am gesellschaftlichen Leben in der Lechstadt. Denn zusammen mit seiner Freundin Anja Riefler (24) ist er seit Dezember 2015 an der Münzstraße zu Hause. Zwei Minuten zu Fuß – er hat von allen 24 Stadträten unbestritten den kürzesten Weg ins Rathaus – er ist sogar noch schneller dort als Paul Huber, der als Vize-Bürgermeister sein langjähriger Vorgänger war.

Drei Zimmer, Küche, Bad, Speis, dazu eine kleine Dachterrasse – was die Wohnung im zweiten Stock zu bieten hat, lässt sich unter der Rubrik Standard einordnen. Im Dezember sind Anja Riefler, die vorher an der Augsburger Straße ein Apartment hatte, und Tobias Kalbitzer, der 2015 für mehrere Monate mit einigen Kumpels zu einer WG in Altenstadt gehörte, zusammengezogen. Gemütlich haben die Beiden über Wochen den Markt sondiert. Und sich dann dafür entschieden, die Wohnung in der Münzstraße zu mieten.

Ruhe auf der Dachterrasse

Sowohl für Anja als auch für Tobias – beide sind von Beruf Heilerziehungspfleger – war von vornherein klar: „Wenn wir zusammen ziehen, dann in die Altstadt“. Gern halten sie sich an schönen Tagen auf der Dachterrasse auf, die von der Münzstraße aus nicht einzusehen ist und wo vom Lärm der Altstadt kaum etwas mitzukriegen ist. Blumen und eine Vase mit Tomatenpflanzen – die hat Anja von ihren Eltern aus Kaufbeuren bekommen – verbreiten eine leichte Gartenatmosphäre. Wenn es heiß wird, sind die Sonnenschirme aufgespannt. Und wenn es dunkel wird, erfreut sich das junge Paar an den vielfarbigen Lampen der Lichterkette, die über die Dachterrasse gespannt ist.

Nüchtern und zweckmäßig eingerichtet ist die Küche. In ihr steht auch ein großer Esstisch. Eine kräftige Farbe hat hingegen die Wand im geräumigen Wohnzimmer. Das Rot ist ein starker Kontrast zu der eher dezenten Sofalandschaft. Das Gebäude selbst ist ein Altbau; doch ist darin bei Weitem nicht wie in typischen Altstadthäusern die Historie auf Schritt und Tritt zu spüren. Die Räume sind großzügig, findet Tobias Kalbitzer. Zu den Annehmlichkeiten zählt er auch die hohen Decken.

Auch der Vater von Tobias Kalbitzer ist in der Altstadt zu Hause. Sogar in der gleichen Straße. Aber auf der anderen Straßenseite und ein Stockwerk höher. Sie können sich über die Münzstraße hinweg zuwinken, der Vater kann gleichsam auf den Sohn im zweiten Stockwerk herabschauen. Aber wenn sie sich unterhalten wollen, dann treffen sie sich öfters im nahen Café Express als in den eigenen Wohnungen.

Anja und Tobias wollten dahin, „wo was los ist“. Sie möchten die „Nähe zum gesellschaftlichen Leben“, womit Cafés, Kneipen oder Feste unter freiem Himmel wie z.B. die Schmankerltage gemeint sind. Mit zwei anderen jungen Paaren, die sich gut kennen und ebenfalls in der Altstadt zu Hause sind, verabreden sich die Beiden gern zum „Balkon-Hopping“, wie die jungen Leute das spontane Zusammentreffen bei schönem Wetter nennen.

Heilerziehungspfleger

Tobias schätzt nicht nur den kurzen Weg ins Rathaus, sondern erst recht den zur Arbeit. Er ist Heilerziehungspfleger im ambulant-betreuten Wohnen bei der Herzogsägmühle; die Dienststelle ist nur wenige hundert Meter entfernt. Anja arbeitet im selben Beruf, aber im Diakoniedorf selbst. Dazu gehören auch Schichtdienst und der Einsatz an Wochenenden. Beide kennen sich seit dem Jahr 2010 und sind vor drei Jahren in der Ausbildung „zammkomma“.

Der Wechsel nach Schongau sei ihr anfangs schwer gefallen, bekennt Anja. Ihre Heimat Kaufbeuren und die Stadt am Lech seien nicht vergleichbar. Die Unterschiede zwischen der Allgäuer Stadt und Schongau seien doch groß, obwohl nur 30 Kilometer dazwischen liegen. Schongau sei traditioneller, das größere Kaufbeuren eher eine Einkaufsstadt. Schmunzelnd erzählt die 24-Jährige, dass es ihre 21-jährige Schwester im August ebenso wie sie von der Wertach an den Lech verschlagen hat. Sie hatte genauso Heilerziehungspflegerin gelernt und ist nun zu ihrem Partner nach Peiting gezogen.

Anja, die im Ballettstudio wieder mit dem Tanzen angefangen hat, vermisst ein zugkräftiges Modegeschäft in der Altstadt. Dennoch ist sie der Meinung, dass es einige gute Fachgeschäfte gebe. Zum typischen Shoppen fehle freilich ein Magnet.

Positiver denken

Tobias, der zur Fußballabteilung Schongau zurückgekehrt ist und das Tor hütet – zuvor war er als Feldspieler in Peiting und in Kinsau „fremd gegangen“ – wünscht sich ein „positiveres Denken“. Die Altstadt von Schongau sei ein Schmuckkästchen. „Es wird zu schnell und zu viel drüber geschimpft“. Die Worte bezieht er auch auf die Kritiker der Fußgängerzone. Außerdem sei in der Stadt und nicht nur vor den Toren meistens ein Stellplatz fürs Auto zu bekommen. Parken sei nahe an den Geschäften möglich. Sagt einer, der ganz nah dran ist. Am Geschehen in Schongau und am Rathaus.

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