Serie (6): Leben in der Schongauer Altstadt

Beim früheren Sargschreiner an der Bauerngasse

+
In der offenen Küche, dem zentralen Raum im Erdgeschoss des Altstadthauses: Daniela und Helmut Riedl, die an der Bauerngasse wohnen.

Schongau – Die Schongauer Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer ist ohne Zweifel ein Kleinod. Doch wie lebt es sich hinter den Fassaden der teils Jahrhunderte alten Häuser? In unserer Serie wollen wir genau das ergründen. Diesmal hat unser Mitarbeiter Johannes Jais Daniela und Helmut Riedl einen Besuch abgestattet.

Die offene Küche mit langgezogenem Tisch und zwei Bänken, der später angebaute Wintergarten und die Wiese bis zur Stadtmauer, wo sich im Anbau die Werkstatt eines Sargschreiners befand (jetzt Hobbyraum mit Gästezimmer): Das sind die Plätze, wo Daniela und Helmut Riedl sich am häufigsten und am liebsten aufhalten in ihrem Domizil an der Bauerngasse 17.

Gut 25 Jahre wohnen sie mittlerweile dort. Das Haus in der nördlichen Stadtmauer hatten sie 1988 gekauft. Es musste aufwändig saniert werden, ehe die Familie Anfang 1991 einziehen konnte.

Den Atem der Baugeschichte nimmt der Besucher auf, wenn er an der Bauerngasse in das sieben Meter breite Haus eintritt, das wohl bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht. Bis zur Küche führt ein breiter Hausgang; in früheren Zeiten war das eine schmale Einfahrt zur Tenne. Linker Hand ist ein Technikraum; auch dieses Haus ist an die Fernwärme angeschlossen. Der zentrale Raum im ganzen Haus ist aber die geräumige Küche mit Fenster und Tür zum Wintergarten im Nordwesten, den die Riedls später angebaut haben. Die Terrasse und der Garten mit der ehemaligen Schreinerwerkstatt sind im Niveau höher als das Haus an der Bauerngasse.

Zum Wohnzimmer geht es hinauf in den ersten Stock; es ist direkt über der Küche und hat exakt die gleichen Maße. Auch befinden sich zwei kleine Kinderzimmer im ersten Stock. Daniela Riedl (56) und ihr Mann Helmut (58) haben zwei Buben. Moritz ist 23 Jahre und studiert Medizin in Regensburg. Clemens (20) lernt im Betrieb der Eltern am Jugendheimweg Zahntechniker.

Der besondere Kamin

Eine Besonderheit weist der zweite Stock in dem Haus an der Bauerngasse auf. Es ist der geschwungene Kamin im Schlafzimmer. Genutzt wird er nicht mehr. Unterm Dach ist ebenso ein Bad wie im mittleren Stockwerk. Bei einem Grundriss von 14 mal sieben Meter hat das Haus auf drei Ebenen eine Wohnfläche von gut 200 Quadratmetern. „Das ist mehr als man von außen sieht“, findet Helmut Riedl.

Entscheidend für die Wohnqualität sei, dass man mitten in der Stadt sei und „so einen Garten“ habe. Dies würden Gäste immer wieder staunend anmerken. Diese Oase mit wildem Wein, Apfel- und Holderbaum, zwei Brunnentrögen und einer Marmorsäule lasse sie zur Ruhe kommen, erzählen die Hausbesitzer.

Die Zahntechnikermeisterin aus Schongau und der studierte Soziologe, der aus Birkland stammt, haben von 1978 bis 1989 in München gewohnt. Dreimal sind sie dort umgezogen. Auf das marode Gebäude in der Lechstadt waren sie Ende der achtziger Jahre aufmerksam geworden. Sie haben es vom früheren Stadtrat Carl Pongratz gekauft, der es wiederum von der letzten Eigentümerin Tilly Führmann geerbt hatte. Bereits seit dem letzten Quartal im 19. Jahrhundert waren Schreinermeister mit dem Namen Fuhrmann (so steht’s im Buch „Schongauer Häusergeschichte“) beziehungsweise Führmann in mehreren Generationen die Besitzer des Anwesens an der Bauerngasse.

Helmut und Daniela Riedl erinnern sich noch gut, wie sie den Keller mit der Hand ausgeschaufelt haben. „Das war Knochenarbeit“, blickt der Hausherr zurück. Teilweise sei die ganze Familie eingespannt gewesen. An so einem Altbau müsse man etliche Abstriche machen. Doch sei die Sanierung mit Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen gefördert worden.

Nähe zur Arbeit

Anfang der neunziger Jahre hatten die Riedls das Dentallabor noch in diesem Haus. Knapp zehn Jahre war es dann im Nachbargebäude an der Bauerngasse 19 eingerichtet; für Daniela Riedl war das damals praktisch, als die Kinder noch klein waren und sie nur wenige Schritte von der Wohnung bis zum Arbeitsplatz hatte. Seit elf Jahren befindet sich das Dentallabor 400 Meter entfernt nahe beim Ärztehaus am Jugendheimweg. Inzwischen sind es in dem, von beiden gemeinsam geführten Betrieb 15 Beschäftigte.

Die Riedls schätzen es, mitten in der Stadt zu wohnen und so einen ruhig gelegenen Garten zu haben, der auf der einen Seite durch die Stadtmauer und auf der anderen Seite durch das Haus von der Straße abgeschirmt ist. Aber das Ehepaar sagt auch klar, dass man schon ein Faible für alte Substanz haben müsse. Der Wunsch wäre es, dass die Stadt selber bei Menschen jeder Generation aktiv für das Wohnquartier Altstadt wirbt. Auch politische Entscheidungen – zum Beispiel zum Parken – sollten auf die Interessen der Bewohner abgestimmt sein.

Meistgelesene Artikel

Im Januar ist der Kreistag am Zug

Weilheim – Der Kreisausschuss hat am Montag die vorliegenden Beschlüsse für den Berufsschulneubau abgesegnet und der Kostenschätzung – mit jeweils …
Im Januar ist der Kreistag am Zug

Spatenstich fürs Haus für Kinder

Schongau – Während am Schongauer Schulzentrum schon seit längerem die Bagger rollen, ist nun auch auf der anderen Seite der Marktoberdorfer Straße …
Spatenstich fürs Haus für Kinder

Marodes Dach schränkt Nutzung ein

Weilheim – Eine Überprüfung der Dachkonstruktion deckte erhebliche Mängel auf: Der aus Holzfachwerkträgern bestehende Dachstuhl des …
Marodes Dach schränkt Nutzung ein

Kommentare