Serie (8): Leben in der Schongauer Altstadt

Zuhause in der früheren Schmiede

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Die Familie auf der gemütlichen Couch im großen Wohnzimmer: Vilma und  Richard Beinhofer mit den Kindern Helena (links),  Adrian und Lucia.

Schongau – Die Schongauer Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer ist ohne Zweifel ein Kleinod. Doch wie lebt es sich hinter den Fassaden der teils Jahrhunderte alten Häuser? In unserer Serie wollen wir genau das ergründen. Diesmal hat unser Mitarbeiter Johannes Jais die Familie Beinhofer am Lindenplatz besucht.

Wo vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Schmiedemeister Langenwalder , Ott, Rauch und Barnsteiner das Eisen zum Glühen brachten und auf den Ambos klopften, wo danach eine Fahrschule, ein Fotogeschäft und auch ein Tante-Emma-Laden ansässig waren, da ist heute die fünfköpfige Familie Beinhofer zu Hause.

Das Haus am Lindenplatz 10 hatte die Mutter von Richard Beinhofer in den neunziger Jahren geerbt. Es wurde kernsaniert. Dabei entstanden vier Mietwohnungen auf drei Ebenen. Im ersten Stock waren es zwei Parteien, unten und oben je eine.

Vom Bäder-Luxus

Innen und außen wurde im vergangenen Jahr erneut modernisiert. Seit September 2014 sind Richard Beinhofer (43) und seine Frau Vilma (39) mit den Kindern Helena (10), Adrian (9) und Lucia (6) am Lindenplatz 10 daheim. Aus ehemals vier Wohnungen in dem 18 Meter langen und sieben Meter breiten Haus wurde eine ganz große. Acht Zimmer sind es auf drei Geschossen mit einer Fläche von zirka 220 Quadratmetern. Dazu gehören vier Bäder, die aus jeder früheren Wohnung beibehalten wurden. Keines wurde zurückgebaut. Das sei ein „schöner Luxus“, kommentiert Richard Beinhofer, der sich halt so ergeben habe.

Im Erdgeschoss ist zum Lindenplatz hin die Wohnküche mit eigener Kochzeile in der Mitte. Ohne Tür geht es – zur Linken ist das das Gäste-WC – hinüber in den verwinkelten Wohnbereich. Auf der Ostseite steht hinter der großen Couch ein Klavier, an der Südseite um die Ecke ist ein großer Fernseher. Im ersten Stockwerk haben die Kinder ihre eigenen Zimmer. Dazu gehört ein Balkon zum Innenhof. Im Dachgeschoss befindet sich das Schlafzimmer der Eltern und ein Büro.

Richard Beinhofer stammt aus Apfeldorf. Er arbeitet für eine Firma in der Automobilbranche im Vertrieb. Dabei ist er an zwei bis drei Tagen pro Woche unterwegs; ansonsten arbeitet er von zu Hause aus; daher auch das Home-Office. Vilma ist in Litauen aufgewachsen. Als Restaurantfachfrau kam sie nach Deutschland, wo sie in München die Sprachschule besuchte und als Au pair-Mädchen tätig war. Kennengelernt hatten sich die beiden in Augsburg. Seit zehn Jahren sind sie verheiratet.

Zuletzt wohnte die junge Familie drei Jahre in Moorenweis; das liegt im Landkreis Fürstenfeldbruck. 2014 fiel dann – die Pläne wurden schon einige Zeit geschmiedet – die Entscheidung, nach Schongau in dieses Haus zu ziehen. Es war eine Entscheidung für eine Investition in einen Altbau in einer kleinen, aber lieb gewonnenen Stadt.

Seit heuer führt Vilma das Geschäft „Heim & Hobby“, das von der Christophstraße an die Münzstraße umgezogen ist. Übernommen hatte sie es, weil sie nach der Familienpause wieder arbeiten wollte und weil sie immer schon ein Faible für Bastelarbeiten hat. Eine große Stütze im Geschäft ist die langjährige Verkäuferin Elke Ressl, was Vilma Beinhofer auch mit Rücksicht auf die Kinder sehr zu schätzen weiß. Buchhaltung, Bestellungen und Werbung übernimmt der Mann, der übrigens als Apfeldorfer schon in Schongau in den Kindergarten ging; seine Mutter hatte in der Lechstadt ihren Arbeitsplatz.

Von den Vorzügen

Das Haus am Lindenplatz war über Generationen hinweg bis ins 20. Jahrhundert eine Schmiedewerkstatt.

Nun erzählen Vilma und Richard Beinhofer gern über die Vorzüge, dass sie in der Altstadt zu Hause sind. Über das Domizil am Lindenplatz, das gemessen am gesamten Stadtgebiet zentral liegt, aber in der Altstadt doch leicht abgeschieden und damit ruhig sei. Über den kurzen Weg für die drei Kinder zur Grundschule und zum Gymnasium. Oder über die wenigen Schritte zur Musikschule, wohin es nur 100 Meter sind. Helena lernt Klavier und Querflöte, Adrian Saxophon und Gitarre. Die jüngste hat bislang die Blockflöte als Instrument für den Einstieg. Der Vater ist seit knapp zwei Jahren übrigens Dirigent bei der Trachtenkapelle Apfeldorf.

„Wir genießen es, dass wir mittendrin sind“, bekunden Vilma und Richard Beinhofer. Vieles sei unkompliziert zu machen. Sei es, gemeinsam essen zu gehen. Oder schnell was einzukaufen. Oder den Kindern den Wunsch nach einer Kugel Eis zu erfüllen.

Besorgungen erledigt die Familie überwiegend in der Stadt. Manchmal bringt Richard Beinhofer auch etwas von auswärts mit, wenn er auf dem Heimweg von einer Dienstreise wieder Schongau ansteuert. Die Beinhofers haben keine Garage. Falls es in der Umgebung aber eine freie Garage geben sollte, wäre die Familie dafür sehr dankbar.

Gut findet das Ehepaar die neue Fußgängerzone. Durch die geht Vilma täglich auf dem Weg von der Wohnung zum Geschäft und wieder zurück. Dorthin sind es nur 400 Meter. Die meisten Kunden im Geschäft Heim & Hobby kämen freilich von auswärts, ergänzt Vilma Beinhofer, die sich in Schongau „sofort daheim“ gefühlt hat.

Zu wenige Familien in der Altstadt

Was die Beinhofers ein wenig schade finden: dass es in der Altstadt „gefühlt“ nur wenig Familien mit Kindern gibt. Sie selbst sind mit ihrer Entscheidung, als junge Familie in die Altstadt zu ziehen, vorangegangen, wobei die Geschichte des Hauses dies begünstigt hatte. Doch es gibt auch andere Familien innerhalb Schongaus Mauern. Und wer weiß, ob nicht andere junge Leute Pläne schmieden vom Leben und Wohnen mit Nachwuchs in der Altstadt. Es muss als Domizil ja nicht gleich eine ehemalige Schmiede sein.

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