Serie (9): Leben in der Schongauer Altstadt

Der helle Erker hinterm Kachelofen

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Am großen Tisch im Erker der Wohnküche: Gabi Settele und ihr Partner Hans Kirchner.

Schongau – Die Schongauer Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer ist ohne Zweifel ein Kleinod. Doch wie lebt es sich hinter den Fassaden der teils Jahrhunderte alten Häuser? In unserer Serie wollen wir genau das ergründen. Diesmal war unser Mitarbeiter Johannes Jaisr bei Gabi Settele zu Besuch.

Wenn Gabi Settele in ihren Salon geht, dann kommt sie immer durch die Hintertür. Denn vom Wohnhaus an der Liedlstraße sind es dorthin durch den dicht bewachsenen Garten, in dem auch Frösche quaken, nur wenige Schritte. Sie weiß es zu schätzen, dass sie so nah am Arbeitsplatz ihr Zuhause hat. Und das Büro für den Salon befindet sich auch in der Wohnung im ersten Stock.

Es ist bald 25 Jahre her, dass Ernst und Gabi Settele das neu errichtete Haus an der Liedlstraße bezogen haben. 1992 wurde es fertig. Ernst Settele starb im Jahr 2006. Er lebte nur 14 Jahre in dem modernen Altstadthaus, das dort errichtet wurde, wo früher ein Stadel stand.

Bretter des alten Stadels sind erhalten; sie finden sich auch in der behaglichen Wohnküche mit dem Marmorboden am Kachelofen mit den Holzapplikationen. Dahinter ist eine Eckbank im hellen Erker, der drei Fenster hat. Dort steht ein großer quadratischer Tisch. Auf der gemauerten Eckbank, die beheizbar ist, lassen sich Gabi Settele und ihr Partner Hans Kirchner aus Peiting häufig nieder. Es ist der Platz im Haus, wo sie sich am häufigsten aufhalten, wo sie sich so richtig wohlfühlen. Dazu trägt auch der gemauerte Kachelofen bei. Der steht an der Wand zwischen Erker der Tür zum Garten, durch die man auf die Terrasse, in den Garten und eben nach knapp 20 Meter Weg auch in den Salon an der Münzstraße gelangt. An der Wand ist Platz für ein Kanapee mit blauem Bezug – für das kurze Ausruhen zwischendurch. Dahinter bleibt in der geräumigen Wohnküche noch Platz für einen kleinen Fernseher.

Die Kochzeile befindet sich geschwungen mitten im Raum. Eine schmale Tür führt zur Speis. Raus in den Flur und ins Treppenhaus geht’s durch eine Glastür. Erdgeschossig, gleichsam ins Haus integriert, ist die Garage.

Das Wohnzimmer befindet sich im ersten Stock. Auf der gleichen Etage sind das helle Büro samt Ausgang zum Balkon, ein Bad und eine Ankleide. Das Schlafzimmer ist im zweiten Stockwerk. Zur anderen Seite geht’s in einen weiteren Raum mit einer Nasszelle. Dieser wird zum Beispiel von Tochter Bernadette (40) genutzt, wenn sie aus der Schweiz zu Besuch heim nach Schongau kommt. Trotz einer Breite von sieben Metern bietet das ganze Haus auf drei Ebenen viel Platz. Es ist auf der ganzen Fläche unterkellert und an die Fernwärme angeschlossen.

„Die Ruhe hier ist sagenhaft“, schwärmt Hans Kirchner. Ihm sei das besonders angenehm aufgefallen. Das sei hier an einer Seitenstraße in der Altstadt vom Lärm her kein Vergleich mit der Bahnhofstraße in Peiting, wo er schon lange wohnt und ein Malergeschäft geführt hat.

Häufig sitzen Gabi Settele (67) und ihr Lebensgefährte, der aus Echerschwang stammt, in Peiting zu Hause ist und zehn Jahre älter ist als sie, zu zweit am großen Küchentisch im Erker. Doch Hans Kirchner hat zwei Söhne (sie heißen Christian und Thomas) sowie vier Enkel. Und wenn die alle zu Besuch kommen, dann macht sich der große Tisch im Erker allemal bezahlt.

Gabi Settele ist eine geborene Ulzhöfer; sie ist in der Altstadt weiter im Süden, nämlich im Haus an der Lechtorstraße 1 vor der Heilig-Geist-Kirche aufgewachsen. In der Wohnküche hängt ein Bild an der Wand, das diesen malerischen Winkel zeigt.

Ihre Mutter Lilly hatte einen Salon an der Altenstadter Straße.1986 übernahm die Tochter das Geschäft, das in das eigene Haus an der Münzstraße verlegt wurde, wo zuvor eine Stickerei und eine Zoohandlung drinnen waren. Zusammen mit ihrem Mann, der Tochter und der Schwiegermutter wohnte die Familie eine Zeitlang über dem Salon im Obergeschoss und im Dachgeschoss. 1992 wurde das Haus an der Liedlstraße bezogen.

In der Altstadt ist sie aufgewachsen, in der Altstadt fühlt sie sich wohl. Gabi Settele sieht es als richtig an, dass der Marienplatz heuer zur Fußgängerzone wurde. Einen Verbesserungsvorschlag hat sie zum Parkkonzept, das bald umgesetzt werden soll. Der Begrenzung auf eine Stunde Parkdauer an bestimmten Straßen kann sie wenig abgewinnen. Wenn ein Besucher der Altstadt länger bleiben möchte oder mehr zu erledigen habe, dann solle er das bei mehr Parkgebühr auch tun können, ohne dass er sich mit dem Auto erst einen neuen Parkplatz suchen müsse.

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