Bürger leben im Landkreis sicher, aber Cyber-Kriminalität bereitet Sorgen

Die Gefahr lauert im Netz

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„Die Sicherheitslage im Landkreis ist ausgezeichnet.“ Polizeipräsident Robert Heimberger (li.) lobte die gute Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort, als er an Landrat Dr. Friedrich Zeller den Sicherheitsbericht überreichte.

Weilheim/Landkreis – Die gute Nachricht vorweg: Wer im Landkreis wohnt, lebt auf einer „Insel“ und braucht sich um seine persönliche Sicherheit keine großen Sorgen machen. Polizeipräsident Robert Heimberger sprach bei seinem jüngsten Besuch in Weilheim aber auch zwei Problemfelder an

2012 waren 28 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre. Einen signifikanten Anstieg verzeichnet die Polizei im Bereich der Internetkriminalität. Ein allzu leichtfertiger und sorgloser Umgang mit persönlichen Daten kann dem Internetnutzer schnell zum Verhängnis werden. Denn die Straftäter im Netz gehen mit immer perfideren Methoden ans Werk. So berichtete der Polizeipräsident von einem Fall, in dem die Täter im Netz ein Einkaufsportal eingerichtet und dieses um ein ebenfalls fingiertes Bewertungsportal ergänzt hatten, um damit bei Ahnungslosen den Eindruck der Seriosität zu erwecken. Wer sich auf diese Weise Waren bestellte, war zwar sein Geld los, bekam aber nie eine Gegenleistung.

Heimberger appelliert an die Bürger: „Gehen Sie sensibler mit Ihren Daten um“ und sieht in den Angriffen auf PC und Netzwerke verschiedenster Art das „Kriminalitätsfeld der Zukunft“. Mit 75 Fällen (2011: 81, 87 % aufgeklärt) sind die Fallzahlen zwar rückläufig, doch spiegeln sie nicht die tatsächliche Situation wider: Die Täter sitzen häufig im Ausland, und Straftaten mit ungeklärtem Tatort sind in der Statistik nicht erfasst.

den Straftaten im Internet zu schützen, soll auch bei der Polizeiinspektion Weilheim ein Spezialist angesiedelt werden. Gesucht werde schon länger, doch habe sich noch niemand für die Stelle gefunden, berichtete der Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Weilheim. 

Junge Straftäter


Sie machen sich des Diebstahls schuldig, richten mit Sachbeschädigungen oft großen materiellen Schaden an und scheuen auch nicht vor körperlicher Gewalt zurück: 3058 Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr aufgeklärt und dazu 2245 Tatverdächtige ermittelt. Unter ihnen war über 28 Prozent Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. „Besonders die 14- bis 21-Jährigen (8,5 Prozent der Wohnbevölkerung) sind mit 24 Prozent überproportional vertreten“, stellte Heimberger fest.

Sicher leben im Landkreis


Beim jährlichen Sicherheitsgespräch in Weilheim hatte Heimberger auf die „ausgezeichnete Lage im Landkreis mit hoher Aufklärungsquote“ verwiesen und folgenden Vergleich angestellt: Während in der Region Weilheim-Schongau auf 100000 Einwohner rechnerisch 3676 Straftaten kommen, ist in Hamburg die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, fast viermal so groß. Zwei von drei Straftaten wurden im Landkreis aufgeklärt. Stark rückgängig waren die Sexualdelikte (39, 80 Prozent aufgeklärt). Eine Vergewaltigung gab es nicht.

Verkehrsunfallbilanz

 

Auf den Straßen und öffentlichen Verkehrsflächen im Landkreis wurde die Polizei zu 3716 Verkehrsunfällen (+6,5 Prozent) gerufen. Für sieben Personen kam jede Hilfe zu spät (2011: 13), gegenüber dem Vorjahr gab es mit 809 Verletzten 40 mehr. Auf dem Schulweg kam es zu zwölf Unfällen (2011: 9), glücklicher Weise wird keines der verletzten Kinder Spätfolgen davontragen. Hauptunfallursachen waren Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot, zu schnelles Fahren, zu geringer Sicherheitsabstand, Vorfahrtsmissachtung, Überholmanöver und Fahren unter Alkoholeinfluss. Letzteres hat neben der überhöhten Geschwindigkeit besonders gravierende Auswirkungen zur Folge, warnte Heimberger. Bei 732 Radarkontrollen im Landkreis waren von 216209 registrierten Fahrzeugen 7419 deutlich zu schnell unterwegs. Den Ausreißer lieferte ein Weilheimer, den die Beamten mit 3,42 Promille aus dem Verkehr zogen.

Zahlen und Fakten 2012 


– 4825 Straftaten (340 mehr als im Vorjahr), davon 3058 (63 %) aufgeklärt 

– 139 Fälle (+13) Gewaltkriminalität (Raub, schwere Körperverletzung, Totschlag), 87 % aufgeklärt 

– 1154 Fälle (+91) Straßenkriminalität (Handtaschenraub, Beschädigung, Diebstahl an Kfz, Körperverletzung), 24 % aufgeklärt 

–1456 Diebstähle (-4), ihr Anteil an der Gesamtkriminalität lag über 30 %, davon 41 % aufgeklärt 

– 687 Vermögens- und Fälschungsdelikte (+72), 84 % aufgeklärt 

– 267 Rauschgiftdelikte (+82), 98 % aufgeklärt, 1 Drogentoter in Penzberg 

– 11 Rechtsextreme Straftaten (wie 2011), 64 Prozent aufgeklärt (2011: 42 %)


Von Maria Hofstetter

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