Solide Basis für Stiftungen– Sparkasse bietet 25 Gemeinden Treuhandmodell für Bürgerstiftungen an

Während die Kommunen ihre sozialen Leistungen aufgrund klammer Kassen zurückfahren müssen, verfügt die „Erbengeneration“ über ein beträchtliches Geldvermögen. Mancher sucht deshalb schon zu Lebzeiten nach einer sinnvollen Verwendung seines Vermögens. Auch Bürgermeister Markus Loth weiß von Bürgern, die ihren Nachlass in eine Stiftung einbringen möchten.

Die Motive, Barvermögen oder Immobilien in eine Stiftung zu investieren, sind „bunt wie die Welt selbst“, sagt Josef Koch, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkassen Weilheim: Keine nahen Verwandten als Erben, der Wunsch nach öffentlicher Anerkennung, Verantwortungsbewusstein gegenüber der Gesellschaft oder einfach der Dank für eine glückliche Kindheit. Bei einem Pressegespräch und anschließend in der Hauptausschusssitzung im Weilheimer Rathaus informierten die Sparkassendirektoren Koch und Konrad März über die Gründung einer Bürgerstiftung unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse. Die Bürger bei der Finanzierung von Gemeinwohlaufgaben mit ins Boot zu holen, ist das Ziel einer Bürgerstiftung. Auch Kommunen befassen sich immer häufiger damit. Als Stifter können sie die Erträge von Zuwendungen aus der Bürgerschaft für ihre freiwilligen Leistungen verwenden und den Haushalt entlasten. Die Stiftungszwecke sind vielfältig und reichen von Bildung, Kultur, Sport bis zum Umweltschutz. Gründung und Verwaltung einer Stiftung sind jedoch mit Kosten und Arbeit verbunden. Die Sparkasse bietet den 25 Gemeinden in ihrem Verbreitungsgebiet ein Treuhand-Modell an, das die Kommunen vom Verwaltungsaufwand befreit und die Gründung erleichtert, erklärte Koch. Die DT Deutsche Stiftungstreuhand AG mit Sitz in Fürth übernimmt die Verwaltung und rechtliche Vertretung. 65 Sparkassen werden nach diesem Konzept bereits erfolgreich betreut, berichtete der Stiftungsbeauftragte März. Eine Stiftung muss über ein gewisses Startkapital verfügen. Nach den Berechnungen der Sparkasse könnte bei einem Grundstockvermögen von 70 000 Euro (60 000 Euro von der Kommune innerhalb von vier Jahren plus 10 000 Euro Zuschuss von der Sparkasse) ein „einigermaßen vernünftiger Ertrag“ von 800 Euro im Jahr erwirtschaftet werden. „Das wäre nur der Worst-Case, wenn keine weiteren Zustiftungen von Bürgern eingehen“, was Koch aber für unwahrscheinlich hält. Drei Grundbedingungen sind für den Sparkassenchef wesentlich: „Die Kommune muss mit vollem Herzen dabei sein, an ihre Zustifter glauben und Geduld mitbringen, weil die Sache erst reifen muss.“ Dann, warb Koch, „kann die Bürgerstiftung in zehn bis 15 Jahren eine fruchtbare Sache für die Stadt sein“. Laut Stadtkämmerer Christoph Scharf haben in einer Infoveranstaltung der Sparkasse am 4. Juli die Rathauschefs von Weilheim, Penzberg, Huglfing und Seehausen spontan zugesagt, in ihren Gremien die Gründung einer Bürgerstiftung zu beraten. Der Penzberger Finanzausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für eine Bürgerstiftung gestellt. Auch im Weilheimer Hauptausschuss stieß das Angebot der Sparkasse, eine Treuhandstiftung zu errichten sowie Kosten und Beratung potenzieller Stifter zu übernehmen, auf ein positives Echo. CSU-Sprecher Klaus Gast wies auf das segensreiche Wirken der bereits bestehenden Stiftungen in Weilheim hin (Georg Petel-, Winfried und Centa Böhm-Stiftung). Das Zusammenführen der Gemeinden unter dem Dach der Treuhand- stiftung, wie von der Sparkasse vorgeschlagen, hält Gast für „eine gute Sache“. BfW-Rätin Petra Hofer wollte sichergestellt wissen, dass der jeweils aus dem Bürgermeister und vier Stadträten zusammengesetzte Stiftungsrat darüber entscheiden kann, „wo die Mittel hingehen“. Die Sparkasse (Kuratorium) hat lediglich Kontrollfunktion, erklärte Koch. Dass das Spenden zu Lebzeiten Steuervorteile bringt, konnte Direktor März auf Anfrage von BfW-Stadtrat Andreas Schalk bestätigen. Ingo Remesch (SPD), der Bürgermeister Markus Loth als Sitzungsleiter vertrat, überbrachte dessen Vorschlag, für die Stadt eine Bürgerstiftung zu errichten und diese mit 100 000 Euro Grundstockvermögen (4 x 25 000 Euro ab 2013) auszustatten. Die Ausschussmitglieder schlossen sich dieser Empfehlung einstimmig an. Endgültig entschieden wird am morgigen Donnerstag in der Stadtratssitzung. Erste Ausschüttung im 5. Jahr Grundsätzlich gilt: Eine Stiftung ist auf Dauer angelegt und kann nicht mehr aufgelöst werden. Der Stiftungszweck wird urkundlich festgehalten und aus den Erträgen des Grundstockvermögens erfüllt. Zuführungen zu Bürgerstiftungen sind ab 200 Euro möglich, geringere Beträge werden mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital ab dem fünften Jahr ausgeschüttet. Ab 25 000 Euro kann eine individuelle Namensstiftung gegründet werden, deren Erträge entweder in die Bürgerstiftung fließen oder direkt für bestimmte Zwecke verwendet werden.

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