Stabiler Mischwald

Das Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung ist eine wichtige Information für die Untere Jagdbehörde, welche die Abschussplanung des Schalenwildes für die folgenden Jahre festlegt. Das Amt für Landwirtschaft und Forsten (ALF) Weilheim wird 2009 wieder ein neues „Vegetationsgutachten“ erstellen. KREISBOTEN-Redakteurin Maria Hofstetter befragte dazu den Leitenden Forstdirektor Markus Schmorell, dessen Amtsbereich sich über die Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Starnberg erstreckt und rund 100000 ha Waldfläche umfasst. 30 Prozent davon sind Staatswald, 60 Prozent Privat- und zehn Prozent Kommunalwald.

Herr Schmorell, wozu ist das Forstliche Gutachten nötig? Markus Schmorell: „Das Bayerische Jagdgesetz bestimmt, dass so gejagt werden soll, dass sich standortgemäße Baumarten ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen können. Bei der Abschussplanung ist vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldvegetation, zu berücksichtigen. Das Forstliche Gutachten erfasst und bewertet die Situation der Waldverjüngung und des Verbisses durch das Schalenwild. Es ist somit Grundlage einer objektiven Bewertung der Situation. Es wird seit 1986 von der Forstverwaltung in einem dreijährigen Turnus für die Hegegemeinschaften erstellt.“ Eine Hegegemeinschaft ist..? Markus Schmorell: „... ein regionaler Zusammenschluss von Jagd- revieren. Im Amtsbereich haben wir 21 Hegegemeinschaften mit 377 Jagdrevieren.“ Wie läuft das Aufnahmeverfahren ab? Markus Schmorell: „Im Zuge des Forstlichen Gutachtens führt das ALF eine Stichprobeninventur durch, bei der nach einem statistisch abgesicherten Verfahren die Anzahl vom Schalenwild verbissener Pflanzen aufgenommen wird. Wir erheben dabei den Leittriebverbiss und Verbiss im oberen Drittel der Pflanzen verschiedener Höhenstufen. Die Daten werden von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising-Weihenstephan ausgewertet und können mit den Daten früherer Jahre verglichen werden. Auf der Basis dieser Ergebnisse wird das Gutachten erstellt. Wir berichten darin hegegemeinschaftsweise über den aktu- ellen Zustand der Waldvegetation, bewerten die Belastung des Verbisses durch das Schalenwild und geben Empfehlungen, ob der Abschuss gesenkt werden kann oder erhöht werden sollte. Die Untere Jagdbehörde am Landratsamt kann dann den Rehwildabschussplan für die nächsten drei Jahre festlegen.“ Welcher Zeitplan ist einzuhalten? Markus Schmorell: „Ende Februar hatten wir eine Auftaktveranstaltung mit der Vorstellung des Verfahrens. Von März bis Mai, noch möglichst vor dem Blattaustrieb, nehmen unsere zehn Revierleiter, meist in zwei- Mann-Trupps unterwegs, bei allen Baumarten den Verbiss des vergangenen Jahres auf. Bei den Außenaufnahmen im Wald können Jagdgenossen und -pächter dabei sein, das Verfahren begleiten und sich ein eigenes Bild vom Zustand der Waldverjüngung machen. Interessierte können sich noch unter Tel. 08861/9307-0 anmelden. Im August wird das ALF die Ergebnisse der Jägerschaft und den Jagdgenossenschaften mitteilen und in einer Veranstaltung vorstellen. Die Betroffenen haben einen Monat lang Zeit hierzu Stellung zu nehmen. Ende September muss das Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung beim Landratsamt vorliegen.“ Worin unterscheidet sich das zu erstellende Gutachten von den bisherigen? Markus Schmorell: „Im Landkreis Weilheim-Schongau werden diesmal testweise zusätzlich Daten zu seltenen Mischbaumarten erhoben. Zum Beispiel Kiefer, Eiche und Tanne können auf größerer Fläche untersucht werden. Außerdem werden jagdrevierweise Aussagen zur Verbissbelastung gemacht und eine Abschussempfehlung gegeben.“ Sehen Sie im Amtsbereich die Verjüngung mit Mischbaumarten, wie Tanne und Buche, durch zu hohe Wildbestände gefährdet? Markus Schmorell: „In manchen Bereichen: ja. Genaueres wird erst die Erhebung ergeben. Auch die Edellaubhölzer, wie Esche und Ahorn, werden vom Wild besonders gern verbissen. Wir brauchen einen gesunden, stabilen Mischwald. Die bisher unterrepräsentierten Baumarten müssen verstärkt wachsen können. Unsere Hauptbaumart Fichte wird mit den Folgen des Klimawandels, mit Wetterextremen, vermehrter Trockenheit und häufigeren Stürmen, immer mehr zu kämpfen haben. Deshalb fördern wir intensiv den Waldumbau mit der Einbringung von Buche, Tanne und anderen Mischbaumarten in die Verjüngung. Die Jäger müssen helfen, dass diese Mischbaumarten eine Zukunft haben.“ Stichwort „Interessenskonflikt zwischen Wald und Wild“. Müssen Waldbesitzer, Jagdpächter und Jagdgenossenschaften Ihrer Meinung nach noch stärker kooperieren, um dem Waldbau in Zeiten des Klimawandels gerecht zu werden? Markus Schmorell: „Das Bewusstsein, dass angepasste Wildbestände Grundvoraussetzung für einen naturnahen Waldbau sind und dass in der Jagd ein Schlüssel für die Zukunft unserer Wälder liegt, kann bei manchen sicher noch gestärkt werden.“

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