Stadt kontert Kritik

Die Fußgängerzone am Marienplatz bleibt

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Fluch oder Segen? In Schongau ist man, was die Fußgängerzone angeht, geteilter Meinung.

Schongau – Ginge es nach René Repper, wäre die gerade erst eingeführte Fußgängerzone am Schongauer Marienplatz eher heute als morgen wieder Geschichte. Einen entsprechenden Antrag hatte der Geschäftsmann vor den Sommerferien bei der Stadt eingereicht – zusammen mit den Ergebnissen seiner Befragung, wonach neben Repper auch andere Geschäftsleute einen Umsatzrückgang wegen der Fußgängerzone beklagen. Im Stadtrat gab es dazu jetzt eine klare Antwort.

Schon vor der Sommerpause hatte Bürgermeister Falk Sluyterman keinen Hehl daraus gemacht, was er von der Forderung, die gerade erst wenige Wochen alte Fußgängerzone wieder zur Disposition zu stellen halte: nichts. Tatsächlich war sich der Rathauschef noch nicht einmal schlüssig gewesen, ob er Reppers Eilantrag, den Marienplatz sofort wieder für den Verkehr freizugeben, überhaupt auf die Tagesordnung des Stadtrates setzen sollte. Das tat Sluyterman dann doch, wohl um nicht noch mehr Öl ins Feuer der Debatte zu gießen. An seiner Meinung änderte das allerdings nichts. Natürlich nehme man die Belange und Ängste ernst, betonte der Bürgermeister, aber dies könne nicht dazu führen, die Fußgängerzone nach so kurzer Zeit rückgängig zu machen.

Dass deren Einführung von manchen Gewerbetreibenden als so negativ empfunden wurde, wie es in Reppers Umfrage zum Ausdruck kam, dafür hatte Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt einige Erklärungen parat. So seien auf einmal rund sieben Prozent der Parkplätze in der Altstadt weggefallen, dazu sei die Sperrung des Bürgermeister-Schaegger-Platzes während der Henkerstochter gekommen. Begleitende Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation hätten zunächst gefehlt. „Das hat zu negativem Feedback durch die Kunden geführt, die plötzlich nicht mehr da parken konnten, wo sie es gewohnt waren“, stellte Voigt fest.

Schwer nachzuvollziehen waren für die Wirtschaftsförderin die in der Umfrage angeführten Umsatzeinbußen. So seien von den betroffenen Geschäftsleuten weder genaue Zahlen noch die Entwicklung in einem vergleichbaren Zeitraum genannt worden. Angesichts von nur fünf Wochen, die zwischen der Eröffnung der Fußgängerzone und der Befragung lagen, könnte der Rückgang auch andere Ursachen gehabt haben. Voigt gab außerdem zu bedenken, dass nicht alle Unternehmen an der Befragung teilgenommen, andere wiederum – etwa aus dem Bereich Mode – steigende Umsätze verzeichnet hätten. „Aber natürlich müssen wir das ernst nehmen, weiteren Leerstand können wir uns nicht erlauben.“

In der Folge listete die Wirtschaftsförderin auf, was von Seiten der Stadt bereits getan wurde oder noch wird, um die Situation zu verbessern. So seien weitere Parkplätze vor der Alten Post geschaffen worden, Ende Oktober werde das neue Parkraumkonzept eingeführt. Auch bei den Parkplätzen am Buchenweg gehe es voran. Ein Imagefilm zur Altstadt sei derzeit in Arbeit, genau wie das Einzelhandelskonzept. Die neue Homepage der Stadt soll Mitte nächsten Jahres online gehen. „Sie sehen, wir tun alles, damit das von Herrn Repper befürchtete Szenario nicht eintritt“, sagte Sluyterman, der darauf hinwies, dass die Altstadt seit Einführung der Fußgängerzone tagsüber deutlich belebter sei. „Wir dürfen nicht immer alles kaputt reden.“

Zumal nicht nur die Stadt gefordert sei, wenn es um eine attraktive Altstadt gehe, sondern auch die Geschäftsinhaber, wie das Stadtoberhaupt zu bedenken gab. Als Beispiel nannte Sluyterman die Forderung nach einheitlichen Öffnungszeiten, die nahezu täglich an ihn herangetragen werde. Und auch, dass viele Gastronomietriebe ausgerechnet im Sommer schließen würden, wenn Touristen und auch die eigenen Bürger in der Stadt Zeit verbringen, sei nicht glücklich, ergänzte Voigt. Denn von der Gastronomie würde schließlich auch der Einzelhandel profitieren. Dass auch dieser mehr tun müsse, um Kunden anzulocken, unterstrich Friedrich Zeller (SPD). „Nicht jedes Schaufenster lockt.“

Repper will klagen

Abgestimmt über Reppers Eilantrag wurde nicht, denn dieser sei nach rechtlicher Prüfung kein Antrag im eigentlichen Sinn, sondern als eine Art Petition zu werten, hatte Sluyterman zu Beginn der Sitzung erklärt. Das letzte Wort in der Sache ist aber dennoch nicht gesprochen. Repper will Klage am Verwaltungsgericht einreichen. Er wirft der Stadt vor, dass sie die Anwohner vor dem massiven Eingriff in die Verkehrssituation hätte befragen müssen. Die Zusage der Rechtsschutzversicherung habe er bereits, erklärt der Geschäftsmann im Gespräch mit dem Kreisboten. Zwar habe der Umsatz sich ein wenig erholt, aber auch 40 Prozent weniger Geschäft als vorher sei zu viel, um auf Dauer zu überleben. Sluyterman sieht dem Rechtsstreit gelassen entgegen. „Natürlich ist Herrn Repper dieser Weg vorbehalten. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Klage keinen Erfolg haben wird.“

Christoph Peters

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