Stadtwerke-Neubau im "Deutenhausener Feld"

Arbeiten sind im Plan

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Die Baustelle ist riesig: Rechts entsteht der Büro- und Verwaltungstrakt, hinten die Lagerhalle, links schließen sich die Werkstätten an.

Weilheim – Wer aus Richtung Osten nach Weilheim fährt, kommt am Neubau der Stadtwerke vorbei. Das Großprojekt wächst. Im Juli soll es bezugsfertig sein.

„In den beiden vorderen Gebäuden ist der Estrich drin, und die Trockenbauarbeiten für Elektrik, Heizung, Lüftung und Sanitär sind voll im Gange“, äußerte sich Peter Müller, Vorstand der Stadtwerke, im Gespräch mit dem Kreisboten zum Baufortschritt. In wenigen Monaten werden also auf dem knapp zwei Hektar großen Areal an der Stadtwerkestraße 1 im „Deutenhausener Feld“ 65 Mitarbeiter der Stadtwerke einziehen und alle über das Stadtgebiet verteilten Teilbereiche zusammengeführt sein. „Die Arbeitsabläufe werden dann einfacher, die Mitarbeiter können sich besser abstimmen“, sieht Müller darin viele Vorteile. Die ans Grundstück angrenzende, nachträglich erworbene Kiesgrube auf der Ostseite dient als Vorratsfläche und kann später für Erweiterungen genutzt werden.

Vier Gebäude 

Der Neubau der Kommunalunternehmens Stadtwerke umfasst vier Gebäude. Im zweistöckigen Büro- und Verwaltungstrakt (961 m²) ist auch Platz für Konferenz- und Aufenthaltsraum, Umkleiden, EDV und Betriebsleiterwohnung. „Vorerst“, führt der Stadtwerkechef aus, „wird hier der Gasversorger Energie Südbayern als Untermieter einziehen.“ Alles, was die Stadtwerke einzulagern haben, vom Kanaldeckel bis zum Verkehrszeichen, wird im Lager (1865 m²) untergebracht. Zum Abdecken von Spitzenlasten wird eine Holzhackschnitzelheizung eingebaut, die zu einem Blockheizkraftwerk erweiterbar ist. „Die Grundlast“, so Müller, „wird mit einer Wärmepumpe abgedeckt.“

Schlosserei, Schreinerei, Malerei, Gärtnerei, Kfz-Werkstatt: Die Stadtwerke beschäftigen verschiedene Handwerker und erledigen 90 Prozent der Wartungsarbeiten selbst. Dementsprechend groß ist mit 1627 m² die Werkstatt dimensioniert. Sie beherbergt auch den Streusalzvorrat, der trocken gelagert werden muss. Ihren 60 Fahrzeuge zählenden Fuhrpark mit Lkw, Baggern und Anhängern stellen die Stadtwerke bald in der neuen Garage (1671 m²) unter. Die hofeigene Tankstelle hat den Vorteil, dass „die Fahrzeuge abends betankt werden und in der Früh sofort losfahren können“, sagt Müller.

Auf allen vier Gebäuden sind Photovoltaikanlagen mit jeweils 100 kW Leistung vorgesehen. Die Solaranlagen auf den zwei vorderen Gebäuden laufen bereits.

36 Gewerke

Um den Anforderungen des öffentlichen Vergabeverfahrens (VOB) gerecht zu werden, mussten die großen Gewerke europaweit ausgeschrieben werden. Dass der Großteil der Firmen von auswärts kommt, macht die Abstimmung zwischen den 36 Gewerken aufwändiger. Die Bauleitung hat das Planungsbüro Dost aus Wiedergeltingen bei Kaufering.

Finanzierung 

Die Gesamtkosten wurden mit 12,5 Mio. Euro veranschlagt. „Wir liegen knapp fünf Prozent drüber“, rechnet Müller und kommt auf 13 Mio. Euro. Zunächst müssen die Stadtwerke komplett in Vorleistung gehen. Nach dem Verkauf des alten Bauhofgeländes steuert die Stadt 2,5 Mio. Euro bei. Zuschüsse gibt es nicht. Vier Mio. Euro stehen als Eigenkapital zur Verfügung, 6,4 Mio. Euro werden – zu derzeit niedrigen Zinssätzen – fremdfinanziert.

Der mit Altlasten kontaminierte derzeitige Standort an der Krumpperstraße muss bis spätestens 31. Dezember 2016 auf Kosten der Stadtwerke saniert sein, weiß Müller und schätzt die Aufwendungen dafür auf 1,2 Mio. Euro: „Die tatsächlichen Kosten wissen wir erst, wenn wir an der Sanierung dran sind.“ Die spätere Verwendung des 3 500 m² großen Areals ist noch offen.

Büro in der Stadt 

Nach dem Auszug aus der Krumpperstraße, kündigt Müller an, werden die Stadtwerke in der Admiral-Hipper-Straße ein Bürgerbüro einrichten. Auf dem neuen Betriebsgelände ist im Sommer ein Tag der offenen Tür geplant.

„Früher oder später kracht es beim Abbiegen“ 

Äußerst kritisch sieht Müller der verkehrlichen Erschließung entgegen. Bei zirka 65 000 Abbiegevorgängen im Jahr und 200 bis 300 Ein- und Ausfahrten am Tag befürchtet er, „dass es auf der Abbiegespur krachen wird“. Seine Vorschläge, das Weilheimer Ortsschild 200 Meter nach Osten zu versetzen oder die Geschwindigkeit auf der Staatsstraße 2064 zu begrenzen, stießen im Landratsamt auf Ablehnung mit der Begründung, dass hier keine geschlossene Bebauung ist. Ein weiteres Argument vom Schilderabbau kann Müller nicht nachvollziehen: „Da wird das Kind mit dem Bad ausgeschüttet“, kritisiert er die „unflexible Haltung“ des Landratsamtes.

Auch auf politischer Seite fand sein Appell kein Gehör.

Josef Guggemos, Leiter der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt, sieht derzeit keinen Handlungsbedarf und verweist auf die „situationsangepasste Geschwindigkeit“ der Verkehrsteilnehmer. Ausfahrt und Linksabbiegespur seien „in alle Richtungen sehr übersichtlich“. Die Stadtwerke hätten die örtlichen Verhältnisse bei der Standortwahl gekannt. „Da wurden im Vorfeld Fakten geschaffen“, sagt Guggemos und: „Wir werden die Sache im Auge behalten.“

Maria Hofstetter

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