Weilheimer Festspiele zeigen großartige Premiere von "Die Frauen von Troja – Der Untergang"

Die Tragödie des Krieges

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Die verzweifelten Frauen von Troja, in der Mitte Hekabe. Die Inszenierung wird noch am 23., 28., 29. und 30. Oktober im Stadttheater gezeigt. Tickets hat der Kreisbote in Weilheim.

Weilheim – „Es gibt keine Sieger, wenn die Menschen sterben. Das ist Krieg.“ Dies ist die bittere Erkenntnis am Ende von „Die Frauen von Troja – Der Untergang“, das letzten Samstag im Stadttheater Premiere feierte.

Die antike Tragödie über den Untergang von Troja und die Opfer des Krieges zog das Publikum in den Bann. Unweigerlich drängten sich aktuelle Bilder aus den Nachrichten von zerstörten Städten im Nahen Osten auf. Und damals wie auch heute sind die Opfer des Krieges zumeist Frauen und Kinder.

In Troja ist es Hekabe, herausragend gespielt von Yvonne Brosch, die gestürzte Königin, die den Tod aller beklagt. Ihr Schicksal, sowie das von Kassandra (Sophie Sörensen), Andromache (Sabine Lorenz), Helena (Lisa Stenger) und beispielhaft einer Frau aus Troja (Verena Thorhauer) ist der Tod oder die Verschleppung nach Griechenland als Kriegsbeute. Den Frauen bleibt nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen oder den Tod zu suchen. Wie verzweifelt ihre Lage ist, zeigt die Frage Andromaches an Hekabe: „Ist der Tod nicht besser als unter diesen Umständen zu leben?“ Das Stück greift vielschichtige Themen, wie Hoffnung, Verzweiflung, Glaube und die Schuldfrage auf, die seit der Antike nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. So hält Hekabe Andromache vor: „Du musst an morgen denken, an deinen Jungen sowie an den Wiederaufbau.“

Dieser Hoffnungsschimmer wird zunichte gemacht durch den Tod des kleinen Sohnes. Auch der Glaube wird angesichts der Katastrophe in Frage gestellt: Kann es denn sein, dass die Götter ihre Gläubigen so im Stich lassen? „Götter helfen nie und trotzdem betet man“, so Hekabe. Der (scheinbar) siegreiche Menelaos (Stephan Lewetz) dagegen ist überzeugt: „Die Götter sind auf unserer Seite.“ Auch die Frage der Schuld wird in dem Stück thematisiert. Menelaos sieht die Schuld für den Krieg bei den Trojanern – „ihr habt für euren Übermut bezahlt“. Hekabe klagt Helena an: „Die Götter sind nicht die Ausrede. So einfach kommst du nicht davon, Helena. Aphrodite ist nicht schuld, du bist es selbst.“ Auch der Bote Talthybios (Alexander Wagner) weist die Schuld von Kriegsverbrechen von sich: Er sei ja nur der Bote, der Befehle befolge.

Die Inszenierung von Miriam Gniwotta glänzt mit sehr guter Leistung der Schauspieler, einem schlichten aber wirkungsvollen Bühnenbild von Andreas Arneth und inhaltlicher Tiefe. Der anhaltende Applaus zum Schluss belegte die Begeisterung des Premierenpublikums.

Von Melanie Wießmeyer

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