Varietéprogramm mit Lokalkolorit - Vereinigte Sparkassen lassen Jubiläumsjahr mit furiosem Festakt ausklingen

„Ich will ein Schaukelpferd und kein Sparbuch!“, versucht Antonie ihren Vater und den Bankdirektor (li.) zu überzeugen. Ende gut, alles gut: Zum Schluss gibt es beides im Sketch des Kellertheaters. Foto: Hofstetter

Als Antonie Kaisers Vater am Sonntag (!), 4. Dezember 1836, für sein dreijähriges Töchterlein bei der neu gegründeten Stadtsparkasse das erste Sparbuch eröffnete, dachte wohl niemand daran, dass diese Handlung 175 Jahre später den historischen Stoff für einen unterhaltsamen Sketch liefern würde. Das Kellertheater brachte ihn beim Festakt zum Jubiläum der Vereinigten Sparkassen Weilheim auf die Bühne des Stadttheaters.

Die Sparkasse feierte mit ihrem Präsidenten Theo Zellner sowie mit reichlich vertretener Lokalprominenz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ihre 175-jährige Erfolgsgeschichte. Beim Festakt wartete das älteste Unternehmen im Landkreis mit einer Überraschung auf. Gemeinsam mit den Bürgermeistern aus Weilheim, Peißenberg und Penzberg präsentierte Vorstandsvorsitzender Josef Koch einen Scheck über eine Viertelmillion Euro, ausgestellt auf die Jubiläumsstiftung der Sparkasse. Mit dieser im Jahre 1986 gegründeten Stiftung leistet die Sparkasse einen wichtigen Beitrag zur Förderung sozialer und kultureller Belange in ihrem Wirkungsbereich. Nutznießer der Zinserträge aus dem Stiftungsvermögen sind Vorhaben der Heimatpflege, des Natur- und Umweltschutzes sowie der Jugend- und Altenpflege einschließlich der Unterstützung bedürftiger Personen. Mit der jüngsten Zuwendung wächst das Stiftungsvermögen auf nunmehr 1,75 Mio. Euro. Die symbolische Scheckübergabe war der krönende Abschluss einer gelungenen Jubiläumsfeier im Weilheimer Stadttheater, temperamentvoll moderiert von Johannes Krause (Bayerischer Rundfunk) und Sandra Lehmann (Radio Arabella). Das Programm hatte nicht zu viel versprochen. Dreieinhalb Stunden lang amüsierte sich das Publikum prächtig und nutzte die Pause bei feinen Häppchen zu anregenden Gesprächen. Hauptakteure des Abends waren nicht, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, die Laudatoren. Das Bühnengeschehen beherrschten Künstler aus der Region, die alle in irgendeiner Weise mit der Sparkasse verbunden sind. Die Gästen honorierten es mit spontanem Applaus. Die junge ausdrucksstarke Soulstimme Maresa Maisenbacher, begleitet von der Murnauer Schulband. Ballartist Alfred Reindl, der selbst Fußballlegenden wie Diego Maradona ins Staunen versetzt. Die verblüffenden magischen Experimente des Jakob Lipp. Das Kammerorchester Weilheim mit einem gefühlvollen Satz aus einem Cellokonzert von Joseph Haydn. Die schneidigen Goaßlschnalzer und Volkstanzplatter des Weilheimer Trachtenvereins. Das spöttische Kabarett „Zeitlupe“. Die Oldies zum Mitswingen aus den 70ern und 80ern von „Blues And More“, der Sparkassen-Hausband. Und nicht zuletzt die atemberaubende Show von „Vaganti“. Mit diesem Programm war es dem Veranstalter gelungen, das vielfältige kulturelle Schaffen in der Region eindrucksvoll zur Schau zu stellen. Während des Bühnenumbaues wurde munter geplaudert. Bürgermeister Markus Loth, Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrates, griff den Wandel und die Weiterentwicklung der Sparkasse im Laufe der Jahrzehnte auf, hob die Verbundenheit zur Region, die enge Verbindung mit den Kommunen und das inzwischen dichte Filialnetz hervor. „Heute steht fast bei jedem Kirchturm eine Sparkasse“, stellte er fest. Ob dies in 25 Jahren noch so sein wird, wollte Moderator Krause von Bayerns Sparkassenpräsident wissen. „Ja, wenn es dann überhaupt noch Geldinstitute gibt“, entgegnete Zellner launig. Die Sparkassen würden nicht spekulieren. „Bei uns investieren die Kunden in Sicherheit“, fuhr Zellner fort und dass der Wirtschaft vor Ort das nötige Kapital zur Verfügung gestellt werde. Von der Politik fordert Bayerns Sparkassenchef „ein klares Bekenntnis zum Euro“ sowie eine strenge Haushaltskontrolle und Sanktionen, wenn die Euroländer ihre Regularien nicht einhalten. Zellner vergaß nicht zu betonen, dass die Weilheimer Sparkasse unter den 72 in Bayern „ein Baustein ist, den wir sehr dringend brauchen“. Das Weilheimer Geldinstitut, dem sich jene von Penzberg, Peißenberg und Murnau angeschlossen hatten, hat viele Wirtschaftskrisen gemeistert und fünf verschiedene Währungen miterlebt. Als erste bayerische Sparkasse führte das Weilheimer Geldinstitut 1950 einen Konsumentenkredit ein. 1957 erhielten die Peißenberger Bergleute – auch das war ein Novum in Deutschland – ihren Lohn erstmals bargeldlos statt in der Tüte ausbezahlt. Eines der ersten Sparkassenkonten war auf das „Kaufhaus Rid“ ausgestellt. Max Lipp, Seniorchef der zweitältesten Weilheimer Firma (seit 1840), findet, dass „jedes Unternehmen eine Hausbank braucht“. Vom Moderator auf die Bühne geholt, berichtete Lipp von einem Tagesumsatzrekord bei „Rid“ von stolzen 1,3 Billionen Mark. In Zeiten der Inflation habe man sich dafür zwei Tage später gerade noch eine Semmel kaufen können.

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