Jagdvorsteher über Schädlingsbefall und Abschusspläne informiert

Borkenkäfer hat Wald im Griff

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Martin Kainz (li. am Podium), Abteilungsleiter am Forstamt, sprach mahnende Worte zum Thema Borkenkäferbefall.

Oberhausen – Im Privatwald der Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch- Partenkirchen und Starnberg betrug heuer das Aufkommen von Käferholz 40 000 m³. Für die gesamten Forstflächen einschließlich des Staatswaldes und größerer Forstbetriebe schätzte Martin Kainz diese Menge auf über 100 000 m³.

Mit diesen Zahlen machte der Abteilungsleiter am Forstamt bei der Dienstversammlung der Jagdvorsteher in Oberhausen auf die dramatische Lage aufmerksam. Seinen Ausführungen an die Vertreter der Grundeigentümer zufolge sei der Befall südlich von München und in Ostbayern besonders stark. Im Zuständigkeitsbereich seiner Behörde herrsche ein deutliches Nord-Süd-Gefälle vor, so dass die Bergwälder von der aktuellen Befallswelle am wenigsten betroffen seien.

Mit ausgedehnter Befallsuche, der Einstellung von drei zusätzlichen Hilfskräften, Befliegungen und Sammelberatungen habe das Forstamt auf die Situation reagiert und die Waldbesitzer bei der Käferbekämpfung unterstützt. Erfahrungsgemäß trete der Käferbefall immer periodisch über drei bis vier Jahre auf, so dass für 2017 ein ähnlicher Befallsdruck erwartet wird. Hierfür spreche auch, dass sich in diesem Jahr zwei Generationen voll entwickeln konnten und die dritte Generation in der Überwinterungsphase sei. Kainz appellierte an die Waldbauern, befallene Bäume schnell und vollständig aus dem Bestand zu entfernen: „Die Ausbreitung erfolgt mit dem Faktor 20, das heißt, ein befallener Baum verursacht im Schnitt weitere 20 Baumschädigungen, wenn er nicht rechtzeitig entfernt wird.“ Neu befallene Bäume könnten häufig noch als Frischholz an die Sägewerke verkauft werden, während als Käferholz erkennbare Ware nur mit einem Preisabschlag von circa 15 Prozent abgenommen werde. Außerdem hätten die Abnehmer im Frühjahr noch Verarbeitungskapazitäten frei.

Kainz begrüßte es, dass immer mehr Waldbesitzer ihre Wiederaufforstungen mit Mischbeständen durchführen. Hierfür mögliche Förderanträge seien frühzeitig ans Forstamt zu richten. „Wenn die Anträge erst im März bei uns eintreffen, können wir nicht garantieren, dass sie rechtzeitig zur Pflanzzeit bearbeitet werden können,“ ermunterte Kainz zu raschem Handeln.

Helmut Stork, Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt, gab einen Überblick über die Bilanz der Abschussplanung 2016. Sie basiert auf dem forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung. Demnach habe sich der Wildverbiss in den 208 Revieren im Landkreis Weilheim-Schongau wie folgt gezeigt: 14 Reviere mit deutlich zu hohem, 114 mit zu hohem, 65 mit tragbarem und sechs mit „günstigem“ Verbisszustand. Über neun Reviere seien keine Angaben verfügbar gewesen. Die Festlegung der Abschuss- zahlen sei so erfolgt, dass zwischen Waldbesitzern und Jagdpächtern Einverständnis bestehe und geltende Vorschriften eingehalten werden. Für 162 Reviere konnten laut Stork die Vereinbarungen zwischen Waldbesitzern und Jägern bestätigt werden, für 46 wurden sie amtlich festgelegt. Für drei Reviere wurde Widerspruch gegen die amtliche Festlegung eingelegt. Zwei davon hätten durch eine Kompromisslösung beigelegt werden können, ein Widerspruch sei an die Regierung von Oberbayern zur Entscheidung vorgelegt und abgelehnt worden. „Das nächste Gutachten 2018 wird zeigen, ob unsere Maßnahmen erfolgreich waren“, resümierte Stork.

Die Diskussion brachte unterschiedliche Standpunkte zwischen Jagd und Waldbesitz zur Sprache. Florian Pfütze, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Weilheim, wollte wissen, warum die Behörde die Abschusszahlen erhöhe, wenn sich Jagdpächter und Waldbesitzer schon auf niedrigere Zahlen geeinigt hätten. Stork hielt dagegen, dass neben dem Einverständnis zwischen den betroffenen Parteien auch die gesetzlichen Belange zu berücksichtigen seien. Von den Waldbauern kam der Einwand, dass Erhöhungen der Abschlusszahlen von unter 20 Prozent oftmals wirkungslos blieben. Stork verwies auf die aktuelle Rechtssprechungspraxis, nach der Erhöhungen von über 20 Prozent vor Gericht kaum durchsetzbar seien. Die festgelegten Zahlen stellten daher einen praxistauglichen Kompromiss dar.

Natalie Quinger vom BBV berichtete über Änderungen im Steuergesetz. Waldgenossenschaften seien bisher der Vermögensverwaltung zugerechnet worden und damit nicht der Mehrwertsteuer unterlegen. Ab Januar 2017 müssten sie aber ebenfalls 19 Prozent Umsatzsteuer abführen. Die meisten Genossenschaften könnten sich davon befreien lassen, da ihr Jahresumsatz im letzten Jahr unter 17 500 Euro gelegen habe und sie sich als Kleinunternehmer auf Antrag von der Steuer befreien lassen könnten.

Änderung der Abschusszahlen  im Landkreis: Eberfing +14,2 %, Peißenberg + 9,7, Peiting +1,7, Penzberg +4,0, Rottenbuch -1,5, Schongau +9,1, Seeshaupt +5,7, Steingaden +2,2, Weilheim + 3,6 und Wessobrunn -3,0 %.

von emh

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