Versorgung soll 2014 starten: Fernwärme für Weilheim – Netz kostet 20 Millionen Euro

Magnus Nigg rechnet mit dem Start der Fernwärmeversorgung ab 2014. Foto: Gsöll

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KATHARINA GSÖLL; Weilheim – Weilheim plant eigene Windkraftwerke. Vier Flächen, die zur Windkraftnutzung geeignet sind, gibt es laut Bürgermeister Markus Loth auf dem Gebiet der Stadt. Als Investor und Betreiber kommen entweder die Stadtwerke in Frage oder die Windräder werden als Bürgerwindkraftwerke aufgebaut. Diese Idee begrüßt der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz, da bei dieser Form der Stromerzeugung die Wertschöpfung in der Region bleibt. „Der Landkreis Weilheim-Schongau verbraucht“, so rechnete Prof. Stefan Emeis, Sprecher des AK, vor, „pro Jahr Strom im Wert von 100 Millionen Euro. Wenn nur die Hälfte davon in der Region gehalten werden könnte, wäre das ein gigantisches Konjunkturprogramm.“ Wo genau sich die Flächen befinden, will Loth noch nicht verraten: „Es müssen erst die Eigentumsverhältnisse geklärt werden.“ Außerdem wolle man vermeiden, dass externe Investoren der Stadt zuvorkommen und ihr die Flächen für den Bau privater Windkraftwerke wegkaufen. „Wir wollen’s selber machen. Das gehört in die öffentliche Hand“, meint Loth. Der AK hat dem Stadtrat im November eine Reihe von Fragen dazu vorgelegt, wie es in Weilheim um die Energiewende bestellt ist. „Die Stadt steht hinter der Geothermie“, lautete das klare Statement von Bürgermeister Markus Loth bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Vertretern der Arbeitkreises Energie und Klimaschutz. Der AK hatte Ende November vergangenen Jahres den Antrag an die Stadt gestellt, einen Fragenkatalog zur Energiewende zu beantworten (wir berichteten im Kreisboten  vom 3. Dezember 2011). Darin ging es sowohl um den aktuellen Stand der Verhandlungen mit der Firma Erdwärme Oberland GmbH bezüglich einer Fernwärmeversorgung wie auch um die Frage, ob Windkraftnutzung auf dem Gebiet der Stadt Weilheim vorgesehen ist. In der Bauausschusssitzung am 6. Dezember wurden die Fragen von den Ausschussmitgliedern mit Marcus Reichenberg vom AK diskutiert. Ein Gutachten des Ingenieurbüros Sendl bestätigt, dass der Wärmebedarf der Stadt Weilheim groß genug ist, dass sich eine Fernwärmenutzung aus der Geothermie wirtschaftlich rechnen würde. Den vom AK geforderten Einblick gibt die Stadt den Mitgliedern unter der Voraussetzung, nichts vom Inhalt des Gutachtens weiterzugeben. „Wir wollen nichts verbergen, aber wir müssen aufpassen, dass wir unsere Verhandlungsposition nicht schwächen“, begründete Loth die Datenschutzbestimmung. Die Stadtwerke sollen die alternative Strom- und Wärmeversorgung für die Stadt entwickeln. Unter dem Kommunal- unternehmen soll es dafür eine weitere Untergesellschaft geben, die sich damit beschäftigt. Wie das genau aussehen soll, prüfen die Stadtwerke derzeit. „Weder personell noch was die Kompetenz betrifft sind wir momentan in der Lage, das Projekt weiterzuführen“, gestand Stadtwerke-Vorstand Magnus Nigg. Und: „Wenn wir nachhaltig und professionell auf dem Energiegewinnungssektor tätig sein wollen, müssen wir Personal aufstocken.“ Wann diese personelle Unterstützung kommen soll, wollte Reichenberg wissen. Festlegen wollen sich Nigg und Loth nicht, jedoch werde das Thema in der Sitzung des Verwaltungsrates der Stadtwerke übernächste Woche behandelt. Koordinierend werde man das Fernwärmeprojekt vorantreiben. Aber es müsse genau geprüft werden, schließlich ginge es um öffentliche Gelder, wenn eine Stadt unternehmerisch tätig wird. Fest steht: von der Fernwärmenutzung sollen die Bürger profitieren: Umweltverträglichkeit, Preisstabilität und regionale Wertschöpfung nannte Nigg hier als Vorteile. Diesen Ansatz findet Prof. Stefan Emeis sehr wichtig. „Es darf aber nicht versäumt werden, die Bürger rechtzeitig über die Vorhaben aufzuklären und sie mitreden zu lassen“, warnte der Sprecher des Arbeitskreises, sonst komme es so wie bei Stuttgart 21, wo der Widerstand erst nach dem Start des Bauprojektes stark gewachsen ist, weil den Bürgern im Vorfeld nicht bewusst war, welche Dimensionen dies annehmen würde. Deshalb werde die alternative Energieversorgung auch Hauptthema der Bürgerversammlungen im Frühjahr sein, wie Loth vorausblicken ließ. Im Frühjahr sollen auch verbindliche Konditionen mit Erdwärme Oberland verhandelt werden. Das Fernwärme,netz könne laut Nigg in zwei Bauabschnitten installiert werden, wobei sich die Baukosten auf 20 Millionen Euro belaufen. „Fernwärme liefern könnten wir ab Oktober 2014“, plant Nigg. Emeis schlägt vor, das die Stadtwerke nach Ablauf des Konzessionsvertrages 2016 auch das Stromnetz übernehmen sollten: „Immer mehr Gemeinden in der Nachbarschaft nehmen die Stromversorgung in eigene Regie, zum Beispiel Murnau, Peißenberg und Landsberg.“ Dabei entstünde sogar noch eine weitere Einnahmequelle, denn e.on, der derzeitige Netzbetreiber, müsste dann für die Versorgung seiner Kunden Durchleitungsgebühren an die Stadtwerke zahlen.

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