Wasserkraft – ja oder nein?

„Das war die mit Abstand beste Agenda-Veranstaltung, die wir je hatten“, freute sich AK-Sprecher Dr. Stefan Emeis am Ende des Infoabends zum Thema „Ökologische Wasserkraftnutzung am Beispiel der Ammer“.

Fast drei Stunden wurde kontrovers aber durchaus niveauvoll über Rentabilitätsprognosen, mögliche ökologische Folgeschäden und die Frage diskutiert, ob die Wasserrechte an der Ammer überhaupt vergeben werden. Zwar war das Podium im vollbesetzten Saal der Gaststätte „Oberbräu“ einseitig mit Wasserkraftbefürwortern besetzt, doch auch Kritiker kamen ausführlich zu Wort. Matthias Luy, Koordinator der Ammer-Allianz, warf den Peißen- berger Gemeindewerken vor, in punkto Wasserrechte die wahren Hintergründe zu verschweigen. Schon lange sei den fünf Antragsstellern vom Landratsamt mitgeteilt worden, dass sie auf Grund ökologischer Bedenken „keine Aussicht auf einen positiven Bescheid“ hätten. Werkleiter Uwe Horn widersprach. Die Behörde habe nur auf die Möglichkeit einer Ablehnung hingewiesen. „Wenn wir eine klare Aussage bekommen hätten, wäre das Thema für uns erledigt gewesen“, sagte er. Für die weitere Detailplanung müssten die Werke rund 50000 Euro kommunale Gelder ausgeben. „Das würden wir machen, aber nur dann, wenn wir wüssten, ob die Rechte vergeben werden“, beschrieb Bürgermeisterin Manuela Vanni das Problem. Nach ihrem Kenntnisstand hat sich das Landratsamt schriftlich an Umweltminister Markus Söder gewandt, aber noch keine Antwort erhalten. Anders als von Kreisrat Karl-Heinz Grehl vermutet, scheinen sich keine Großkonzerne für die Wasserrechte beworben zu haben. Wie der Tutzinger Bauingenieur Stefan Wöllisch versicherte, handele es sich lediglich um „private Wasserkraftbetreiber“, die „alle voneinander abgeschrieben“ und gleiche Anträge abgegeben hätten. An der Rentabilität des Projekts ließ Wöllisch, einer der fünf Antragssteller, keinen Zweifel: „Die Wirtschaftlichkeit ist durchaus gegeben. Nach dem zehnten Betriebsjahr rechnet es sich“. Auch Hans Arpke, der am Peißenberger Konzept mitarbeitet, sieht infolge der verbesserten Einspeisevergütung „keine finanziellen Probleme“. Bei den Berechnungen habe man mit einer Stromleistung von 4,8 Gigawatt und damit „an der untersten Grenze“ kalkuliert. Luy hält die ökologischen Versprechungen der Bewerber dennoch für „unrealistisch“. Um die Renaturierung der Querverbauungen zu finanzieren, müssten die Anlagen jährlich Erträge von weit mehr als 30 000 Euro einbringen. Allerdings würden die Turbinen bis zu 150 Tage im Jahr stillstehen und somit sei die Grundlastfähigkeit nicht gegeben. Luy bezweifelte zudem die ermittelten Fisch-Mortalitätsraten. Turbinentestläufe habe es bislang nur an Aalen und Junglachsen gegeben. Auch sei nicht berücksichtigt, dass die Fische mehrmals täglich die Turbinen durchschwimmen. Fischökologe Dr. Kurt Seifert gab zu bedenken, dass die Renaturierung der Ammer allein mit staatlichen Mitteln nicht zu bewerkstelligen sei. „Das geht nur mit privaten Investoren und der Wasserkraftnutzung“, erklärte er mit Hinweis auf geschätzte Kosten von 500 000 Euro pro Querverbauung.

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