Freie Wähler setzen sich mit EWO und Stadtwerken für Wasserkraftnutzung ein

Umbau an der Ammer stoppen

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Das Grundwehr III inspiziert: V.re. Peter Müller, Gerhard Weber, Florian Streibl, Matthias Demmel FW-Kreisvorsitzender, Prof. Dr. Wolfgang Seiler (EWO), Sybille Rummler SR Communications, Johann Häusler FW-MdL, Helmut Ferrari, HF consulting Engineers, Hermann Gerold, FW-Gemeinderat Wielenbach, Susann Enders FW-Kreis- u. Stadträtin WM, Nikolaus Kraus FW-MdL.

Wielenbach – Eigentlich ist für die bayerische Staatsregierung die Sache schon erledigt: Die Ammer soll zum ökologischen Referenzfluss entwickelt und von Wasserkraftanlagen freigehalten werden. Die nächste Maßnahme zur Renaturierung wurde bereits genehmigt: Das fast 100 Jahre alte Grundwehr III westlich von Wielenbach soll bald abgerissen und auf kompletter Breite in eine fischdurchgängige Sohlrampe umgestaltet werden. Die Wasserkraftbefürworter wittern nun allerdings wieder Morgenluft, nachdem aus dem Wirtschaftsministerium neue Richtlinien für Wasserkraftanlagen angekündigt wurden.

Die Landtagsfraktion der Freien Wähler (FW), so hieß es Anfang der Woche, will deshalb den bevorstehenden Umbau des Grundwehrs III per Dringlichkeitsantrag stoppen und damit eine Neuplanung der Renaturierung mit Berücksichtigung einer Turbinenanlage ermöglichen.

Der Dringlichkeitsantrag, der am morgigen Donnerstag im Maximilianeum eingebracht werden soll, ist letztlich das Ergebnis eines vom Wielenbacher FW-Vorsitzenden Gerhard Weber initiierten Ortstermins, an dem Ende letzter Woche unter anderem Vertreter der FW-Landtagsfraktion, der Energiewende Oberland (EWO) und der Weilheimer Stadtwerke teilnahmen. Letztere haben bereits eine fertige Machbarkeitsstudie in der Schublade liegen, die aufzeigt, wie am Grundwehr III und an vier weiteren Standorten entlang des Ammerunterlaufs die ökologische Umgestaltung und die energetische Nutzung in Einklang gebracht werden könnten.

Aber warum soll die Ammer, wie es Stadtwerkeleiter Peter Müller beim Ortstermin formulierte, „aus der Heiligsprechung herausgenommen werden“? Zum einen, da war sich die Runde einig, sei die Ammer zwischen Peißenberg und Ammersee kein natürlicher Wildfluss mehr, sondern ein stark begradigter und streckenweise sogar kanalisierter Flusslauf. Der Einbau von Fisch schonenden „Very-Low-Head-Turbinen“ wäre laut Müller auch „kein großer Eingriff in die Natur“, weil man die Anlagen an den Standorten der noch vorhandenen oder ehemaligen Sohlschwellen einbauen würde. Die Durchgängigkeit über „Raue Rampen“ sei dennoch möglich, da für die Energieerzeugung nicht die gesamte Wassermenge benötigt wird und die Restmenge im Flussbett verbliebe.

Wichtig in dem Zusammenhang: „Auch an bereits umgebauten Wehren kann man nachträglich noch Wasserkraftanlagen anbringen“, so Müller. Der Stadtwerkechef wartete aber auch mit konkreten Zahlen auf: Über die fünf möglichen Erzeugungsanlagen (neben dem Grundwehr III, am Unterhausener Wehr, am Grundwehr I, am Au-Wehr und am Oderdinger Wehr) könnten grundlastfähig rund 5,74 Mio. kWh/a erzeugt werden, was zirka sieben Prozent des Jahresstromverbrauchs der Stadt Weilheim oder umgerechnet von 1600 Haushalten entsprechen würde. Die Kosten lägen bei rund acht Mio. Euro, wobei die Finanzierung über Investoren und Bürgerbeteiligung laufen könne. Der bislang geplante Umbau der Sohlschwellen würde hingegen rein aus Steuermitteln, aber ohne energetische Nutzung, erfolgen: „Ökonomie und Ökologie sind machbar“, lautete Müllers Credo.

Ins gleiche Horn stieß MdL Florian Streibl. In punkto Energieerzeugung sei es angebracht, „die Hausaufgaben vor Ort zu machen“. Dann brauche es auch keine Stromtrassen und die Wertschöpfung bliebe in der Region: „So aber zahlen wir das Geld nach Abu Dhabi und nach Moskau fürs Gas“, erklärte Streibl. Gerhard Weber forderte schließlich, „die Rahmenbedingungen für die Wasserkraft grundlegend zu ändern“: „Dann können wir uns den Bau von Gaskraftwerken sparen.“

Infoabend

Am Freitag, 27.März, findet im Wielenbacher Gasthaus „Schöpf“ ab 20 Uhr ein Infoabend zum Thema „Wasserkraft an der Ammer und Bürgerbeteiligung“ statt. Als Referenten treten unter anderem MdL Florian Streibl, Stadtwerkechef Peter Müller und EWO-Vorsitzender Prof. Wolfgang Seiler auf.

von Bernhard Jepsen

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