Petra Emig-Schoon, Lehrerin an der Städtischen Musikschule, im Kreisboten-Interview

37 Jahre für die Musik

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Petra Emig-Schoon zusammen mit einer ihrer ehemaligen Musikschul AGs.

Weilheim/Murnau – Seit 1979 unterrichtet Petra Emig-Schoon aus Murnau an der städtischen Musikschule Weilheim. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Musikschule hat sie Kreisboten-Volontärin Sofia Wiethaler einen persönlichen Rückblick gegeben.

Sie haben in dem Jahr bei der Musikschule zu arbeiten begonnen, als diese in das Feyerabendhaus umgezogen ist. Wie war die Stimmung?

Emig-Schoon : „Als ich mich damals beworben habe, waren meine Kollegen voller Vorfreude auf das Feyerabendhaus. Wir hatten zu dieser Zeit, glaube ich, fünf Unterrichtsräume, eine kleine Bücherei und zwei Büroräume.“

Sie haben alle drei Eröffnungen der Außenstellen und die Schließung von Peißenberg im Jahr 2005 miterlebt. Inwiefern waren Sie davon betroffen?

Emig-Schoon: „Für uns circa 15 Lehrer in Peißenberg war die Schließung natürlich ein Schock. Sie wurde zwar angekündigt, aber wir wussten nicht, was mit unseren Unterrichtsstunden passiert. Aber unser Leiter Josef Dichtl hat eine gute Form gefunden: Wir haben alle gemeinsam auf einen Teil unserer Stunden verzichtet und es damit auf das ganze Kollegium verteilt. So hatte jeder nur ein bisschen Verlust. Innerhalb von zwei Jahren hat es sich dadurch wieder ausgeglichen. Von den Eröffnungen in Tutzing und Peißenberg habe ich dagegen wenig mitbekommen. Ich war zwar vier Jahre lang in Tutzing Zweigstellenleiterin, das war aber zu einem späteren Zeitpunkt.“

Wie haben Sie den Umbau beziehungsweise den Einzug in die ehemalige „Alte Fronfeste“ erlebt?

Emig-Schoon: „Das alles habe ich nur am Rande mitbekommen, da ich mich damals um meine eigenen Kinder gekümmert habe und nicht sehr viele Stunden in der Musikschule hatte. Ich bin erst gekommen, als alles fertig war. Wir Lehrer hatten zwar die Möglichkeit, uns die ‚Alte Fronfeste‘ davor schon einmal anzusehen, aber ich dachte mir: ‚Die machen das schon.‘ (lacht) Nach dem Umzug wurde mir dort ein Raum zugeteilt, in dem ich heute noch arbeite.“

Hat das Gebäude noch Ähnlichkeiten mit einem Gefängnis?

Emig-Schoon: „Wir haben noch eine Zelle im Urzustand, die als Vorführmodell dient. Dort erinnern das vergitterte Fenster und die Stahltür an die ‚Vorbesitzer‘, aber ansonsten ist alles modernisiert und schön.“

Gibt es ein Erlebnis oder einen Schüler, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Emig-Schoon: „Ich hatte einen Schüler, der meiner Meinung nach etwas faul war. Deshalb sagte ich ihm damals, dass aus ihm so musikalisch nichts werden würde. Er antwortete: ‚Doch, ich lerne noch viele Instrumente und werde einmal ein großer Musiker.‘ Das habe ich ihm nicht geglaubt. Jahre später habe ich ihn dann auf Plakaten als ‚große Sensation‘ angekündigt wieder gesehen. (lacht) Besonders im Gedächtnis sind mir auch zwei Schülerinnen geblieben, die ich bis zur Hochschulreife begleitet habe. Außerdem gibt es ein ehemaliges Blockflöten-Ensemble, mit dem ich mich immer noch treffe. Am schönsten ist es sowieso, wenn man mit den früheren Schülern Kontakt hält oder ihnen durch ihre Kinder, die wieder bei mir Unterricht nehmen, erneut begegnet.“

Sind Sie auch an der elementaren Musikpädagogik für Vierjährige beteiligt?

Emig-Schoon: „Nein das bin ich nicht. Aber durch meine Mitgliedschaft im Musikschulrat weiß ich, dass sie sehr gut ankommt. Früher haben wir gesagt, dass es reicht, wenn ein Kind in der zweiten Klasse mit einem Instrument beginnt. Heute würden manche Eltern ihrem Kind gerne bereits im Kindergartenalter Instrumentalunterricht zukommen lassen.“

Glauben Sie, dass diese Entwicklung vorteilhaft ist?

Emig-Schoon: „Das kann man nie pauschal sagen. Es gibt sicherlich Kinder, die sehr begabt und auch schon bereit sind, ein Instrument zu lernen. Diese Kinder sollten früher anfangen. Allerdings gibt es auch Kinder, die ihre Zeit brauchen, die sie aber oft nicht bekommen, weil sie in Terminen stecken. Das finde ich nicht gut. Wir als Musikschule versuchen uns den Gegebenheiten anzupassen. Im Prinzip sagen wir: ‚Wir machen alles möglich, wenn es sinnvoll ist.‘ Deshalb beraten wir die Eltern. Ohne Dialog und Kontakt zu den Eltern würde es, gerade bei so kleinen Kindern, sowieso nicht funktionieren.“

Wie viele Schüler unterrichten Sie?

Emig-Schoon: „Ich unterrichte 65 Schülerinnen und Schüler.“

Sie lehren Blockflöte und Klavier an der Musikschule. Welches Instrument ist bei den Kindern beliebter?

Emig-Schoon: „Die Beliebtheit von Instrumenten allgemein unterliegt dem ständigen Wandel. Was die Blockflöte anbelangt, habe ich Glück, dass ich die Arbeitsgemeinschaften in den Grundschulen habe. Diese Erstklässler bleiben mir danach vielleicht noch ein Jahr in der Musikschule erhalten. Nach diesem Jahr wollen die meisten Kinder aber ein anderes Instrument lernen. Die Klavierkinder bleiben dagegen in der Regel lange dabei. Das hat oft mit der vermeintlich minderen Wertigkeit der Blockflöte zu tun, was natürlich eine Fehlinterpretation ist. Schließlich kann man Blockflöte auch bis zur Studien- oder Konzertreife weiterführen.“

An welchen Standorten der Musikschule unterrichten Sie momentan?

Emig-Schoon:  „Ich lehre seit zwei Jahren ausschließlich in Weilheim.“

Wo unterrichten Sie am Liebsten?

Emig-Schoon: „Am schönsten ist es in Weilheim (lacht), weil mir dort das Gebäude gut gefällt und ich meinen eigenen Raum habe, den ich selbst gestalten durfte. Dort fühle ich mich ein bisschen wie in meinem Wohnzimmer. Außerdem fühle ich mich Weilheim sehr verbunden. Die Stadt ist eine Heimat für mich, da meine zwei Kinder hier geboren und auch aufgewachsen sind.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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