Ehrenamtliche Asylhelfer im Landkreis erhalten professionelle Unterstützung

Vier Partner ziehen an einem Strang

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Der Vertrag ist unterschrieben: Ein gemeinsames Ziel auf den Weg gebracht haben am vergangenen Freitag v. li.: Nadia Abi Haidar (Diakonie Oberland), Wilfried Knorr (Herzogsägmühle), Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Monika Funk (Caritas).

Weilheim – Die Ehrenamtskoordination im Bereich Asyl wird im Landkreis neu organisiert. Am Freitag setzten die Vertreter von Kreis-Caritasverband, Diakonie Oberland, Herzog- sägmühle und Landkreis ihre Unterschriften unter einen Vertrag, der zwei Vollzeitstellen vorsieht und für Bayern Modellcharakter hat.

Als „sehr erfreulichen Termin“ wertete Landrätin Andrea Jochner-Weiß die Zusammenkunft im Weilheimer Landratsamt. Denn die vielen Ehrenamtlichen, die sich im Landkreis um die Asylbewerber kümmern – derzeit sind hier 1750 Flüchtlinge untergebracht –, bekommen zum 1. Juni mit Jost Herrmann einen zentralen Ansprechpartner zur Seite gestellt. Herrmann, der als evangelischer Pfarrer in der Apostelkirche Weilheim tätig ist und bei der Vertragsunterzeichnung urlaubsbedingt abwesend war, lässt seinen bisherigen Beruf zwei Jahre lang ruhen und tritt am kommenden Mittwoch die neue Stelle an. In der Oberen Stadt in Weilheim wird sein Büro eingerichtet, auch Außensprechstunden sind geplant.

Den Helferkreisen, die für ihre Unterstützung schon lange eine Vollzeitstelle fordern, ist ihr neuer hauptamtlicher Ansprechpartner bestens bekannt. Herrmann hatte diese Funktion neben seiner Pfarrerstätigkeit bereits drei Jahre lang – allerdings auf rein ehrenamtlicher Basis – ausgeübt.

Für die zweite Vollzeitstelle, welche die Caritas besetzt, wurden beim Freistaat Bayern Fördermittel beantragt. Die dafür angekündigte Richtlinie ist noch in Arbeit. „Wir warten auf die Fördergelder“, äußerte sich die Landrätin. Der Caritas liegen laut Geschäftsführerin Monika Funk zahlreiche Bewerbungen vor; im Juli/August wird die Entscheidung fallen. Die beiden Koordinatoren, so Funk, sollen künftig „als Tandem arbeiten“ und „für Präsenz vor Ort“ sorgen. Seit Dezember 2015 beratschlagten die Vertreter aus Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Landkreis und den betroffenen Helfer- und Unterstützerkreisen, wie die Koordination der ehrenamtlichen Asylarbeit gemeinsam bewältigt werden kann. „Die Partner sind sich schnell einig geworden“, berichtete Georg Leis, der im Landratsamt das Vertragswerk ausgearbeitet hat. Der Kreisausschuss hat die endgültige Fassung am 9. Mai einstimmig verabschiedet.

Kreis-Caritasverband, Diakonie Oberland, Herzogsägmühle (Innere Mission/Diakonie) und der Landkreis haben vertraglich vereinbart, eine mit zwei Vollzeitarbeitsplätzen besetzte „Stelle zur Ehrenamtskoordination im Bereich Asyl“ einzurichten und zunächst für zwei Jahre zu betreiben und finanzieren.

Mit ihrem gemeinsamen Ziel wollen die vier Partner „die vielen in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit tätigen Ehrenamtlichen im Landkreis unterstützen und ihr Engagement nachhaltig stärken“. Die neu geschaffene Stelle soll im Bereich Asyl zentraler Ansprechpartner für ehrenamtlich Helfende, Initiativen, Helfer- und Unterstützerkreise im Landkreis sein und sie unterstützen. Sie arbeitet mit den für die Koordination der Flüchtlings- und Asylarbeit Beauftragten sowie mit allen ehrenamtlich tätigen Asylhelfer- und Unterstützerkreisen zusammen. Auch das Gewinnen weiterer Freiwilliger, deren Vernetzung, Schulungen und Öffentlichkeitsarbeit gehören zu ihren Aufgaben. Die beiden Stellen „Ehrenamtskoordination“ und „Kontaktstelle Asyl“ im Landratsamt, hieß es bei der Vertragsunterzeichnung, „sollen offen, kooperativ und partnerschaftlich zusammenarbeiten und sich regelmäßig austauschen“. Die Zuständigkeit für rechtliche Regelungen bleibt ausschließlich bei der „Kontaktstelle Asyl“.

Finanzierung

Die jährliche Kostenaufteilung wurde wie folgt vereinbart: Caritas, Diakonie, Herzogsägmühle und Landkreis übernehmen jeweils maximal 30 000 Euro an Personalkosten. Der Landkreis steuert zusätzlich bis zu 20 000 Euro für die Sachkosten bei. Als staatliche Fördersumme sind 30 000 Euro angesetzt. Die zweite Vollzeitstelle wird zu 50 Prozent vom Freistaat gefördert, 40 Prozent trägt der Caritas-Kreisverband, zehn Prozent zahlt der Landkreis.

Nadia Abi Haidar ist wichtig, dass die ehrenamtliche Betreuung der Asylsuchenden nicht mit ihrer Anerkennung endet. Als „kleines Wunder“ bezeichnete es die Diakonie Oberland-Geschäftsführerin, dass die Kirche Pfarrer Herrmann für seine neue Stelle zwei Jahre frei stellt. Herrmann, der aus dem Pfarrhaus ausziehen und für seine fünfköpfige Familie „ein neues Dach über dem Kopf suchen muss“, würde einiges auf sich nehmen. Er habe sich „dem Thema mit Herzblut verschrieben“, würdigte die Landrätin Herrmanns Einsatz für Helferkreise und Flüchtlinge.

Die Wohlfahrtshilfe braucht den Staat als Partner, betonte Wilfried Knorr. Für den Direktor von Herzogsägmühle besteht das Risiko nicht darin, dass weitere Flüchtlinge kommen, sondern „dass die Ehrenamtlichen die Lust verlieren“. Knorr ist „gespannt darauf, ob der Landkreis in den nächsten 24 Monaten ein Leuchtturm wird, oder ob wir ein Baby zu Grabe tragen“.

Von Maria Hofstetter

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