Am 18. November wird das Jugendwort 2016 gewählt – Weilheimer ist in der Jury

Wird es die "Vollpfostenantenne"?

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Am 18. November wird David Berger über das diesjährige Jugendwort mitbestimmen.

Weilheim – „Vollpfostenantenne“ als Bezeichnung für einen Selfiestick, „Bambusleitung“, was so viel wie langsame Internetverbindung heißt oder auch „Swaggernaut“, dieser Begriff steht für eine extrem coole Person – das alles sind mögliche Anwärter für das Jugendwort 2016. Am Freitag, 18. November, entscheidet eine 21-köpfige Jury über den Gewinner. Eines der Jurymitglieder ist der 18-jährige David Berger, ein gebürtiger Weilheimer, der in Erlangen studiert. Mit Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler hat er über die Auswahlkriterien, seine Motivation und die Jurykollegen gesprochen.

Was machst du beruflich?

David:  „Ich studiere Rechtswissenschaften in Erlangen, davor bin ich in Weilheim auf das Gymnasium gegangen. Für das Studium habe ich mich entschieden, weil ich nichts Naturwissenschaftliches machen wollte. Ich bin eher am gesellschaftlichen Leben interessiert. Danach könnte ich mir vorstellen, als Richter zu arbeiten. Ich möchte allerdings noch sehen, wie sich die Dinge entwickeln, da es ein langes Studium ist. Aber momentan ist das mein Plan.“

Du fechtest in deiner Freizeit ziemlich erfolgreich, hast du noch andere Hobbys?

David: „Da ich Fechten als Leistungssport betreibe, nimmt es einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch. Aber ich habe auch andere Interessen. Mitunter war ich in der Kirchenjugend aktiv. In meinem Verein in Nürnberg helfe ich bei der Jugendarbeit. Dort haben wir das Projekt ‚Fechtkids‘, an dem über 400 Grundschüler beteiligt sind. So bekomme ich mit, wie Kinder in diesem Alter sprechen. Durch den Fechtsport bin ich viel unterwegs und höre so, welche Wörter unterschiedliche Jugendliche benutzen.“

Wie bist du Mitglied der Jury geworden?

David: „Ich war letztes Jahr schon dabei. Damals hatten die Veranstalter den Medienpartner Puls, also die Redaktion des Bayerischen Rundfunks. Die rief dazu auf, einen Text mit drei Zeilen einzusenden, der drei der nominierten Jugendwörter enthalten sollte. Was ich eingereicht habe, hat ihnen sehr gut gefallen, woraufhin ich mit Puls zusammen in die Jurysitzung gegangen bin. Dieses Jahr wurde ich von Langenscheidt direkt eingeladen.“

Wer macht denn alles mit in der Jury?

David: „Es gibt mehrere Partner bei der Jugendwortwahl, die Arche ist dabei, taff von Pro Sieben, die Bravo und der YAEZ Verlag. Einige waren letztes Jahr schon vertreten. Bei der Arche wirken Kinder aus ihren Projekten mit, die teilweise letztes Jahr schon dabei waren und teilweise neu dazu gekommen sind. Schülerzeitungen sind meines Wissens auch immer anwesend. Was ich bei der Juryzusammensetzung interessant finde ist, dass auch Sprachwissenschaftler dazugehören.

In der Wahlsitzung ist es dann spannend, für die nominierten Wörter auch Input durch eine andere Sichtweise zu bekommen.“

Hast du mit den anderen Mitgliedern auch privat Kontakt?

David:  „Grundsätzlich ist die Jury sehr vielfältig, was ich begrüße. Ich finde es gut, dass es einen großen Anteil von Jugendlichen gibt. Das Jugendwort sollte ja schließlich von der Jugend mitbestimmt werden. Dieses Jahr sind es sogar noch mehr. Persönlichen Kontakt habe ich aber zu keinem mehr. Die Themengebiete der Anderen verfolge ich aber schon noch. Die Debatte und die Diskussion innerhalb der Gruppe waren hervorragend. Es war ein ganz tolles Diskussionsklima und es hat wirklich Spaß gemacht.“

Wie läuft die Wahl denn ab?

David: „Jeder kann Vorschläge online auf der Webseite www.jugendwort.de abgeben. Der Langenscheidt Verlag wählt dann nach den Kriterien Originalität, Verbreitungsgrad, Kreativität und gesellschaftliche Relevanz die 30 besten Wörter aus. Diese Begriffe kommen in die Onlineabstimmung, bei der jeder mitvoten kann. Über die Top Ten dieses Votings entscheiden wir in der Jurysitzung.“

Muss die Wahl einstimmig sein?

David: „Im letzten Jahr haben wir in der ersten Runde die Top fünf gewählt und im zweiten Wahlgang dann das Siegerwort nach Mehrheitsvotum. Wobei dieses wirklich sehr deutlich war. In diesem Jahr wird auch nach diesem Verfahren abgestimmt. Interessant an dem Ablauf finde ich, dass wir Jurymitglieder selber keinen Vorschlag einreichen dürfen. Zwar hat man manchmal einen Favoriten, wir halten uns aber strikt an die Onlineabstimmung. Es ist also immer sehr spannend, zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Die Sprache selbst ist ja auch etwas Dynamisches, was sich stetig weiter entwickelt. Das wird in dem Prozess der Entscheidungsfindung widergespiegelt.“

Hast du für dieses Jahr schon einen Favoriten?

David: „Unter den aktuellen Wörtern, die im Onlinevoting waren, habe ich noch keine speziellen Favoriten. Ich finde einige aber ziemlich interessant. Im letzten Jahr war es spannend, zu sehen, dass man zwar mit einem favorisierten Wort in die Abstimmung gehen kann, sich das aber auch ganz schnell ändern kann. Das kommt von der Beratung mit den Anderen, die alle verschiedene Blickpunkte und Sichtweisen haben. Wer sich wissenschaftlich damit beschäftigt, sieht die Wörter anders als jemand, der viel mit Jugendarbeit zu tun hat oder aus einer anderen Perspektive, wie dem Journalismus, kommt. Ich fand meinen Favoriten auf einmal gar nicht mehr so interessant, weil andere Wörter faszinierendere Aspekte hatten.“

Was sagst du zu dem Jugendwort des letzten Jahres (Smombie = Smartphone + Zombie)?

David: „Generell finde ich es sehr gut, dass für dieses Phänomen, bei dem sich jemand so von seinem Smartphone einnehmen lässt, dass er Teile der Umwelt nicht mehr wahrnimmt, ein Wort gefunden wurde. Von der Idee her ist es ziemlich kreativ. Was mich daran leicht stört, ist, dass es nicht so schön klingt. ‚Tinderrella‘ war letztes Jahr zum Beispiel auch dabei und hat einen ganz tollen Klang. Das ist bei ‚Smombie‘ nicht ganz so.“

Hast du vor, im nächsten Jahr wieder in der Jury zu sitzen?

David: „Das kann ich noch nicht sagen. Ich kann mir gut vorstellen, dort wieder mitzuwirken. Allerdings würde ich auch zurücktreten und jemand Jüngeren an die Reihe kommen lassen. Ich finde es toll, dass mit dem Jugendwort die Veränderung der Sprache widergespielt wird. Jugendwörter der letzten Jahre waren, wie ‚Yolo‘, ‚Swag‘ oder ‚Läuft bei dir‘, zu den jeweiligen Zeitpunkten sehr aktuell und wurden häufig verwendet. Heute ist „Yolo“ zum Beispiel wieder voll out. Manchmal wird ein Begriff aber erst durch die Wahl zum Jugendwort des Jahres bekannt.“

Wie war für dich die Erfahrung, in der Jury zu sitzen?

David:  „Mich fasziniert vor allem die Dynamik der Sprache und wie sie sich entwickelt. Ich bin etwas aufmerksamer geworden, wenn ich etwas lese oder so. Als Resümee kann ich sagen, dass es eine tolle Aktion ist. Ich finde es positiv, dass man der Jugend dadurch ein Interesse an ihrer Sprache entgegenbringt.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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