Johannes Leykauff sammelt und sortiert Kleiderspenden für Flüchtlinge

"Es wird weiterhin Hilfe gebraucht"

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Johannes Leykauff betreibt in der Garage neben seinem Wohnhaus eine Kleidersortieranlage für Flüchtlinge.

Weilheim/Unterhausen – Der 43-jährige Entwicklungsingenieur Johannes Leykauff hat im März eine Kleider-Sortieranlage in seiner Garage eröffnet. Mit Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler spricht er über die Reaktion seiner Familie sowie über den anhaltenden Bedarf.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen eine Sortieranlage einzurichten?

Leykauff: „Im Spätherbst letzten Jahres, als die Welle von Flüchtlingen über uns herein gebrochen ist habe ich mir überlegt was ich tun kann. Zuerst war ich im Unterstützerkreis Asyl in Weilheim aktiv, das war mir aber zu wenig praktisch. Über einen Artikel erfuhr ich dann von einem Schongauer, der in ein Flüchtlingslager gefahren ist. Dazu habe ich mich auch entschieden, da ich dort meine Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Daraufhin nahm ich meinen restlichen Jahresurlaub und ging im Dezember in ein Flüchtlingslager in Kroatien. Dort habe ich in der Kleiderausgabe gearbeitet und gemerkt, dass es zwar viel Kleidung gibt, diese aber nicht gut sortiert ist. Zudem war das Camp ein Durchgangslager, weshalb auch die Zeit ein Problem war. Nachdem ich nicht ständig in ein Lager fahren kann, habe ich mich entschieden den Platz in meiner Garage zum Annehmen und Sortieren der Kleider bereitzustellen.

Wie kommen die Kleiderspenden zu den Flüchtlingen? 

Leykauff: „Ich arbeite mit der IHA (Intereuropean human aid association) zusammen, die die Spenden bei mir abholt und zu den Bedürftigen bringt. Ich habe mein Lager extra so aufgebaut, das es wenn es voll ist eine Lkw-Ladung ergibt. Wenn die IHA dann kommt um die Spenden entgegenzunehmen, bringt sie mir gleich eine Fuhre mit Kleidern zum sortieren mit. Die Kleiderspenden aus meiner Anlage kommen in ein großes Zentrallager in München. Von dort aus werden sie bedarfsgerecht in den Flüchtlingscamps verteilt. Die wenigsten Kleider von mir kommen direkt in ein Camp, es sei den jemand fährt gerade dort hin. Wegen den großen Entfernungen ist das aber selten.

Wie oft bekommen Sie Kleiderspenden?

Leykauff: „Das ist unterschiedlich, am Anfang herrschte reger Betrieb. Beim ersten Termin kamen fast durchgängig von fünf bis halb neun Leute. Inzwischen sind es zirka zwei bis drei Spenden. Allerdings werden sehr gute Kleider abgegeben, die eins zu eins verwendet werden können.

Gibt es Dinge die Sie nicht annehmen?

Leykauff:  „Was wir nicht annehmen können, sind Federbetten und Bettwäschen, da diese Dinge in den Lagern sofort Wasser ziehen würden. Auch Schlafsachen benötigen wir nicht, wenn man in einem Zelt lebt braucht man kein Schlafzeug. Kindersachen haben wir schon relativ viel, diese werden aber wenig gebraucht. Bedarf haben wir an kleinen Größen, für Kleider ab Größe XL haben wir keine Verwendung.

Was haben ihre Familie und Freunde zu der Eröffnung der Kleider-Sortieranlage gesagt?

Leykauff:  „Meine Frau hat mich von Anfang an unterstützt. Auch als ich damals gesagt habe, dass ich meinen restlichen Urlaub verwenden werde um ins Camp zu fahren, hat sie das gut gefunden. Inzwischen ist sie selbst mit eingebunden, zum Beispiel wenn Leute Spenden abgeben wollen und ich noch nicht zu Hause bin. Da muss man dann halt schauen wie, man alles unter einen Hut bekommt. Freunde haben mich teilweise belächelt, das kommt aber auch ganz darauf an, wie ihre allgemeine Einstellung zu Flüchtlingen ist.

Gab es Probleme mit den Nachbarn?

Leykauff: „Nein, da gab es keine. Eine Nachbarin hat mir sogar selbst Kleider vorbei gebracht. Auch die Reaktionen im Dorf, nach dem ersten Artikel im Kreisboten, waren eher positiv.

Haben Sie inzwischen Helfer die Ihnen beim annehmen und sortieren der Spenden unter die Arme greifen?

Leykauff: „Ja, durch den Artikel haben sich nicht nur Leute mit Kleidung, sonder auch welche die mir helfen möchten gemeldet. Inzwischen habe ich einen Helferstamm von zirka sieben Leuten, die mir vor allem bei größeren Aktionen helfen. Zum Beispiel wenn das Lager wieder voll mit zu sortierenden Sachen ist. Dann schreibe ich einfach eine Rundmail an die Helfer. Was ich zudem ganz toll finde, ist das mich auch vier Flüchtlinge aus Weilheim unterstützen. Sie sind fast jedes Mal dabei und helfen aktiv mit. Schließlich waren sie ja selbst einmal in der Situation, in der sie von anderen Menschen Hilfe brauchten. Zudem glaube ich das es gut ist, wenn man sie miteinbezieht und sie sich engagieren lässt, was sie auch gerne machen. Nebenher arbeite ich immer noch mit dem Unterstützerkreis Asyl zusammen.

Werden weiterhin Spenden benötigt?

Leykauff: „Ja, es wird durchaus noch Hilfe benötigt. Auch wenn die Balkanroute zu ist, stauen sich die Leute in Griechenland. Daher wird weiterhin Hilfe gebraucht. Außerdem machen wir uns darauf gefasst, dass bald eine Alternativroute gefunden wird.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Kleiderspenden können jeden Dienstag von 17 bis 20 Uhr bei Leykauff in der Dorfstraße 5a in Unterhausen abgegeben werden. Nach telefonischer Absprache sind auch andere Zeiten möglich. Erreichbar ist Leykauff unter Tel. 08881/92779965 oder unter iha-kleidung@freenet.de. Wer nichts abzugeben hat, aber mithelfen möchte, kann sich ebenfalls bei Leykauff melden.

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