Weilheims grüne Lunge erkundet – Kreisstadt besitzt 445 Hektar Wald, ein Großteil stammt aus der Spitalstiftung

Kreisstadt besitzt 445 Hektar Wald, ein Großteil stammt aus der Spitalstiftung. Foto: Hofstetter

Mit ansteckender Begeisterung haben die Weilheimer bisher ihr Festjahr mitgestaltet und gelebt. Auf einem herbstlichen Gang durch den Dietlhoferwald rückten Vertreter von Stadt und Forstamt eine weitere Tradition in den Fokus: Das 700-jährige Jubiläum und Fortbestehen der Spitalstiftung.

Revierleiter Franz Schmidt sprüht förmlich vor Energie, als er die kleine Gästeschar zu dem Waldbegang begrüßt. „Zur Stadt gehört das Land und bei uns auch der Wald“, wirft der Forstamtmann in die Runde. 445 ha Wald nennt die Stadt Weilheim ihr Eigen und wird als kommunaler Waldbesitzer im Landkreis nur von Schongau übertroffen, wo der Stadtförster über 600 ha Wald betreut. Weilheims Stadt- und Spitalwald ist in zwölf Distrikte unterteilt und reicht von Tankenrain über die Unterhauser Au bis Dietlhofen und vom Gögerl übers „Feichtl“ bis zum Mühl- und Egenrieder Wald in der Gemeinde Eberfing. Die Betriebsleitung ist dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übertragen, das den Stadtwald nach den Grundsätzen einer naturnahen Forstwirtschaft bewirtschaftet. Neben der schonenden Holznutzung sieht Forstdirektor Dr. Stephan Gampe eine Aufgabe darin, stabile, widerstandsfähige Mischbestände zu schaffen und den Buchenbestand zu mehren. Anstelle städtischer Waldarbeiter sind heute junge Forstwirte aus der Umgebung im Einsatz. Vermarktet wird das Holz über die Waldbauernvereinigung; die Jagd ist an eine Genossenschaft verpachtet. Der Nebel zieht nasskalt über die Besucher hinweg und stiehlt den golden verfärbten Laubblättern die Schau. Revierleiter Schmidt deutet mit seinem Stock auf eine Lichtung. „Das ist der Zauberwald, einer der schönsten Altbestände mit vielen Weißtannen drin.“ Ein Stück intakte Natur im Unterschied zum „reinen Stangerlwald“ (Fichtenmonokultur), den es an anderer Stelle zu sehen gibt. Neben dem „Zauberwald“ haben die Holzer hier noch anderen Waldabschnitten geheimnisvolle Namen gegeben, wie „Jungfraubichl“, „Froschlaich“ und „Freibierholz“. Früher, taucht Schmidt in die Vergangenheit ein, bestimmte eine Ratskommission, was abgeholzt werden sollte. Sie war es, die den Holzaufseher – genannt Holzhey – aufstellte, „eine gefürchtete Persönlichkeit“, die im Wald nach dem Rechten sah und bürgerliche Holzsünder, die heimlich Holz hackten, pfändete oder in den (Gefängnis-)Turm stecken ließ. Die vielen Ratsbediensteten wurden im Mittelalter, neben einer kleinen Guldenzahlung, mit Brennholz besoldet. Und das nicht zu knapp, wie Aufzeichnungen belegen. Jährlich werden in dem von der Fichte dominierten Stadt- und Spitalwald rund 4 000 Festmeter Holz erwirtschaftet. Für seinen Verkauf ist im Haushalt 2010 ein Erlös von 150 000 Euro angesetzt. Das tut dem Stadtsäckel gut. Doch langfristig gesehen, dämpft Bürgermeister Markus Loth hohe Erwartungen, „schreiben wir wirtschaftlich eine schwarze Null“. „Da ist ein Tannenbaby“, ruft Schmidt dazwischen und deutet auf einen winzigen Sämling. „Wenn er Glück hat, wird er ein Riesenlackel.“ Von Zäunen, die Jungpflanzen vor Wildverbiss schützen sollen, hält der Forstmann wenig: „Vor 20 Jahren hatten wir noch 42 Kilometer Zaun. Der Erhaltungsaufwand ist enorm.“ Stattdessen setzt Schmidt auf die Naturverjüngung. Auf dem Rundgang sind auch Käferbefall (heuer nur minimal) und Sturmschäden (die Orkane Vivian und Wiebke verwüsteten 1990/91 an die 90 ha Stadtwald) ein Thema. Weilheims grüne Lunge wird von den Bürgern der Stadt gern zur Erholung genutzt. Revierleiter Schmidt stört es dabei nicht, wenn die Kinder durchs Holz toben, denn „unser Wald ist für alle da“. Der Münchner Patrizier Ludwig Pütrich der Ältere rief um 1310 in Weilheim eine Stiftung für Arme und Kranke ins Leben, möglicherweise hat ihn dazu ein hier wohnhafter Verwandter inspiriert. Im Laufe der Zeit wurde Grund dazugekauft und wieder verkauft und Mitte des 15. Jahrhunderts die Stiftung als „Hl.-Geist-Spital-Stiftung“ der Stadt übertragen. Um vorzubeugen, dass diese vom Staat eingezogen wird, führte der damalige Bürgermeister Neidhart die Stiftung 1943 in städtisches Eigentum über. Der heutige Waldbesitz der Stadt Weilheim stammt teilweise aus der Spitalstiftung. Bernhard Wöll, Stadtarchiv Hans Rid hält in seinem Buch „Aus Weilheims Vergangenheit“ fest, dass das in der Regierungszeit Ludwig des Bayern für Weilheim geschaffene Heilig-Geist-Spital der Stadt „als Bürgerheim noch bis auf den heutigen Tag zum Segen gereicht“. Sein Besitz war beträchtlich.

Meistgelesene Artikel

Großes Lob für "Schutzengel"

Peißenberg – Ein bisschen umkam Georg Off ja schon das „schlechte Gewissen“, als er bei der Ehrungsfeier für die knapp 90 aktiven Schülerlotsen im …
Großes Lob für "Schutzengel"

Hospiz im Pfaffenwinkel auf erstem Platz

Polling – Für Montag, 13. Februar, steht bei Renate Dodell ein Treffen mit Hermann Gröhe in Berlin im Terminkalender. Die Vorsitzende des …
Hospiz im Pfaffenwinkel auf erstem Platz

Weilheim medizinisch gut aufgestellt

Weilheim – Ein kompetentes Krankenhaus, die umfassende medizinische Versorgung im ambulanten Bereich und ein breites Spektrum an weiteren Angeboten, …
Weilheim medizinisch gut aufgestellt

Kommentare