Weltrekord im Formationssprung

Es war halb elf Uhr, drüben in Arizona, als Penzberg noch fest im Schlaf versunken war: Keine Wolke trübte den Himmel über dem verschlafenen Nest Eloy. Das Thermometer kletterte an diesem Vormittag zielstrebig auf die 30-Grad-Marke zu, während in 6000 Meter Höhe gestandene Männer vor Kälte und Aufregung zitterten. Einer nach dem anderen zwängte sich durch die offene Flanke der kleinen Flugzeuge, stürzte sich scheinbar ziellos ins Nichts, um wenige Sekunden später einen menschlichen Stern von noch nie dagewesener Größe in den Himmel zu zeichnen.

Weltrekord in Eloy: Niemals zuvor haben Fallschirmspringer aus einer einzigen Nation eine so große Formation gebildet wie jene 200 Männer aus allen Teilen Deutschlands, die über eine Woche immer wieder geprobt hatten und gesprungen waren, bis es endlich geklappt hat. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte der Penzberger Stefan Hört, der ein Zweihundertstel des Sterns bildete und noch immer glänzende Augen bekommt, wenn er sich an den Moment erinnert. „Du fliegst in deinem Sektor heran, greifst deinen Nebenmann und siehst weder unter noch neben dir einen anderen Springer. Da hat man dann so ein Gefühl, dass es geklappt hat“, sagt Hört. Das haben wohl auch die Piloten der neun Maschinen gespürt, welche die Springer nach oben befördert hatten. Kaum war der letzte Fallschirm am Boden, donnerten sie in stählerner V-Formation über das Gelände. V wie victory, das Zeichen für Sieg. „In diesem Moment hat die Gänsehaut ganz gewaltig gekribbelt“, bekennt Hört. Amtlich wurde der Weltrekord aber erst viel später, nachdem die Videoaufzeichnungen ausgewertet wurden und auf Standbildern nachgezählt worden war, dass die Zweihundert in der Luft auch tatsächlich alle aneinander gedockt waren. „Als feststand, dass wir den Rekord geschafft haben, begannen plötzlich steinharte Männer zu weinen“, erinnert sich Hört. Die extreme emotionale Anspannung der Tage zuvor ist plötzlich einer „unbeschreiblichen Freude“ gewichen. Dass der Rekordsprung der dreizehnte war, den die gesamte Formation absolviert hatte, ist für den 39 Jahre alten Penzberger ein „glückliches Omen gewesen“. Dabei war der Stern zweimal sogar noch größer gewesen: Einmal waren 201, ein anderes Mal 203 Springer erfolgreich in der Luft. Pech nur, dass im einen Fall eine 203er- im anderen Fall eine 204er-Formation angekündigt war. Für den offiziellen Rekord müssen aber Plan und Wirklichkeit übereinstimmen, was erst am Vormittag des 14. November glückte. Im weiteren Verlauf wurden dann sogar vier Springer aus der Formation „verabschiedet“, wie Hört sagt. Sie hatten sich zu viele Fehler erlaubt und drohten das gesamte Unternehmen Weltrekord im Formatsionssrprung zu gefährden. Etwa 100000 Dollar haben den 200 Fallschirmspringern allein die Flüge gekostet. Eine stolze Summe, die jeder aus der eigenen Tasche bestreiten musste. Für Hört, der mit dem Segen seiner Frau für das Formation-Projekt in Eloy auf den gemeinsamen Sommerurlaub verzichtet hatte, steht aber fest: „Es hat sich jeder Cent gelohnt."

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