Engpass an Sozialwohnungen in Weilheim

Mehr geförderte Wohnungen bauen

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Die Arbeitsgruppe „Wohnen“ des Familienbündnisses will Denkanstöße für den sozialen Wohnungsbau in Weilheim geben. V.li. Sozialamtsleiter Klaus Grünbauer, Robert Huber (AG), Karin Hinzpeter-Gläser (Koordinatorin Familienbündnis), Zweiter Bürgermeister Horst Martin (AG) und AG-Leiterin Petra Regauer.

Weilheim – Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne selbst bauen und investieren zu müssen? Das Familienbündnis ist bei der Auseinandersetzung mit dem brisanten Thema auf ein Modell der Stadt Fürstenfeldbruck gestoßen, das die Bauherren in die Pflicht nimmt: Die Investoren werden bei großen Bauvorhaben unter bestimmten Voraussetzungen vom Freistaat unterstützt und müssen dafür einen Teil als Sozialwohnungen zur Verfügung stellen.

Aktuelle Situation 

Klaus Grünbauer sieht in dem „Brucker Weg“ gute Ansätze für Weilheim. Auch hier, rechnete der Sozialamtsleiter bei einem Pressegespräch des Familienbündnisses vor, reichen die Sozialwohnungen längst nicht aus. Über 200 Anträge sind im ersten Halbjahr in Grünbauers Büro eingegangen. 140 bis 150 Bewerber besitzen einen gültigen Wohnberechtigungsschein, der erforderlich ist, um eine öffentlich geförderte Wohnung beziehen zu können. Grünbauer geht davon aus, dass die zunehmende Armutszuwanderung aus osteuropäischen Ländern, wie Rumänien und Bulgarien, den sozialen Wohnungsmarkt langfristig noch stärker belasten wird. 

Besonders schwer haben es größere Familien ohne Anspruch auf eine geförderte Wohnung, in Weilheim eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Drei Jahre und länger gedulden muss sich, wer in Weilheim eine Sozialwohnung für vier und mehr Personen sucht. 43 Wohnungen sind im Bestand, unter den Bewohnern sind viele Migranten. „Von den 90 bis 100 m2-Wohnungen werden im Jahr nur ein bis zwei frei“, berichtete Grünbauer. Die Wartezeit auf eine 3-Zimmer-Wohnung beträgt zwei und auf eine 2-Zimmer-Wohnung etwa eineinhalb Jahre. 

Die prekäre Situation wird dadurch verschärft, dass immer mehr Senioren von Altersarmut betroffen sind: Die Schere zwischen Renteneinkommen und Kostensteigerungen klafft auseinander. Obwohl sich die Lage mit der Inbetriebnahme des neuen Wohnblocks an der Wessobrunnerstraße etwas entschärfen wird – die 22 Sozialwohnungen sollen Ende 2014/Anfang 2015 fertig sein – , sieht Grünbauer dringenden Handlungsbedarf. 

Diskussion angestoßen 

Die Arbeitsgruppe (AG) „Wohnen“ des Familienbündnisses hat den „Fürstenfeldbrucker Weg“ aufgegriffen. Dort geht es auch darum, dass geförderte Wohnungen nicht nur für ALG II-Empfänger, sondern für Bürger mit mittlerem Einkommen gebaut werden. Auf Initiative der AG haben am 10. Juli in einer nichtöffentlichen Veranstaltung in Weilheim eine Brucker Stadträtin und ein Vertreter des dortigen Bauamtes den „Brucker Weg“ vorgestellt. Laut AG-Vorsitzender Petra Regauer nahmen Stadträte aller Fraktionen und die Bauverwaltung teil: „Die Meinungsbildung läuft. Wir müssen jetzt überprüfen, was für Weilheim anwendbar ist.“ 

"Brucker Weg" 

Wird aus Ackerland Bauland, freut sich der Eigentümer über den Gewinn. Bei der Umwidmung in Bauland sollen künftig mindestens 40 Prozent der Wertsteigerung beim Grundstückseigentümer verbleiben und der weitere Zuwachs für die technische und soziale Infrastruktur verwendet werden. Die Stadt Fürstenfeldbruck verpflichtet die Bauherren größerer Objekte unter bestimmten Voraussetzungen, bis zu 30 Prozent der Geschossfläche in öffentlich geförderte Mietwohnungen zu investieren. Alleinerziehende, Familien und Rentner mit geringen und mittleren Einkommen sollen so an günstige Mietwohnungen kommen. Während der Zuschuss für den Mieter einkommensabhängig ist, erhält der Vermieter die ortsübliche Miete. Die Differenz gleichen staatliche Fördergelder aus. Ab zehn Wohnungen könne das Modell für den Investor rentabel sein, rechnete Vizebürgermeister Martin vor. Wer ein privates Eigenheim baut, ist davon nicht betroffen. 

Wie die Investoren darauf reagieren? Ob sich der Stadtrat, wie in Bruck, auf einen Grundsatzbeschluss einigen kann? Der AG ist klar, dass das Schaffen bezahlbaren Wohnraums ein langer Weg sein wird, der mit viel Konfliktpotenzial gepflastert ist. Wichtig sei, dass der Prozess nun angestoßen ist. 

Standortnachteil 

Eine Befragung heimischer Betriebe durch den Standortförderverein bestätigt den Wohnungsengpass: Bei ihrer Beurteilung des Wirtschaftsstandortes Weilheim kritisieren die Unternehmen das Fehlen bezahlbaren Wohnraums. „Die beiden Standortfaktoren ‘Arbeitskräfte-Verfügbarkeit’ und ‘Bezahlbarer Wohnraum’ sind aufs Engste miteinander verquickt“, stellt Standortförderer Stefan Frenzl in seiner Auswertung fest und verweist darauf, „dass zuzugswillige Arbeitnehmer den in Weilheim vorhandenen (teuren) Wohnraum häufig nicht bezahlen können“.

Von Maria Hofstetter

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