Zehn Monate nach dem Hofbrand in Rottenbuch

Wie die Lachmayrs um ihre Existenz kämpfen

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Leni Lachmayr mit ihrem Hund vor dem Rohbau des neuen Stalls.

Rottenbuch – 4. September 2015: Dieses Datum wird Leni Lachmayr ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen. Es ist die Nacht, in der ihr Hof in Hochkreit in Rottenbuch in Flammen aufgeht. Über 200 Einsatzkräfte kämpfen damals bis zum Morgen gegen die Flammen. Retten können sie nur das Wohnhaus. Vom neuen und alten Stall bleiben nur verkohlte Reste. Die Landwirtin steht vor den Trümmern ihrer Existenz. Doch aufgeben, das will die zweifache Mutter nicht. Zehn Monate später ist ihr Wille immer noch ungebrochen, dabei ist ihre Lage alles andere als rosig. Ein Besuch bei einer Frau, die das Schicksal hart getroffen hat.

Manchmal, wenn Leni Lachmayr mit dem Auto unterwegs ist und an jene schreckliche Brandnacht im vergangenen September zurückdenkt, überkommen die 48-Jährige dunkle Gedanken. „Da überlegt man, warum man nicht einfach geradeaus fährt“, sagt sie und schweigt kurz. „Doch dann denk‘ ich sofort an meine Kinder.“ Den einfachen Weg gehen, einfach aufgeben, das Leben wegwerfen, das würde auch nicht zu Leni Lachmayr passen. Um den Betrieb von ihren Eltern zu übernehmen, hat sie vor zwölf Jahren noch einmal die Schulbank in der Landwirtschaftsschule gedrückt – mit 36. „Ich wollte das unbedingt machen.“ Sie stürzt sich in die Arbeit. Vor vier Jahren wird der neue Stall fertig, alles läuft gut.

Dann kommt der 4. September 2015 und mit ihm der Moment, der Lachmayrs Leben aus den Angeln hebt. Im Stall, der direkt an das Wohnhaus grenzt, bricht um kurz nach 21 Uhr das Feuer aus. Als die Landwirtin, die schon im Bett liegt, mit ihrer Tochter Magdalena (19) aus dem Haus eilt und das Inferno sieht, bricht sie zusammen. Ihr Sohn Raphael (17) ist nicht zu Hause, er feiert mit Freunden an der Hütte am Weiher. Die Tiere sind großteils auf der Weide. Über 200 Feuerwehrler sind stundenlang im Einsatz, um die Flammen zu bändigen. Stall und Lager sind nicht zu retten, sie brennen bis auf die Grundmauern ab. Das Wohnhaus wird durch die Löscharbeiten schwer beschädigt. Weiter wohnen hier – unmöglich. Die Familie kommt erst im Peitinger Gasthof Dragoner, dann in der Blauen Traube in Schongau unter, ehe sie eine Ferienwohnung bezieht. Für die 43 Kühe findet sich Platz in einem Stall in Ramsau. Im Dezember, kurz vor Weihnachten, ist das Wohnhaus soweit wieder hergestellt, dass die Lachm­ayrs zurück auf den Hof können.

Aufhören, das sei von Beginn nie ein Thema gewesen, sagt die Landwirtin. Sie sitzt am Tisch in ihrer Küche. Es ist Anfang Juli, draußen scheint die Sonne vom weiß-blauen Himmel. Auf der Weide stehen die Kühe, sie sind seit wenigen Wochen zurück auf dem Hof. Dort, wo die Flammen vor zehn Monaten gen Himmel schlugen, ragt der Rohbau des neuen Stalls empor. Noch werden die Kühe an einem Weide-Melkstand im Freien gemolken, den Lachmayr bei einem Schwabbrucker Landwirt aufgetrieben hat. Bald soll es für die Tiere in den neuen Stall gehen.

Die Landwirtin könnte also guten Mutes sein, wären da nicht die Finanzen. Zwar verfügt sie über eine Brandschutzversicherung, doch diese will laut Lachmayr nicht für die kompletten Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro aufkommen, die für den Wiederaufbau anfallen. So weigere sich die Versicherung etwa, die Erdarbeiten zu übernehmen, klagt die 48-Jährige. Sie hat bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet, doch die Hoffnungen auf eine gütliche Einigung sind gering. Unter dem Strich geht es um 300 000 Euro, die die Landwirtin selber stemmen müsste. Wie sie dies bewerkstelligen soll, darüber zerbricht sich Lachmayr täglich den Kopf. „Es gibt Tage, da bricht man abends zusammen“, sagt sie. Ihr Lebensgefährte Thomas Seligmann und sie arbeiten bereits am Limit, noch mehr schuften, das weiß sie, geht nicht. Doch irgendwie müssen sie das Geld zusammenbekommen. Der finanzielle Ruin, er schwebt wie ein Damoklesschwert über der Familie.

Hoffen auf Spenden

In ihrer Verzweiflung hat sich die 48-Jährige an den Rottenbucher Diakon Martin Mylius gewandt. Der war sofort bereit, zu helfen. „Die Pfarrei hat ein Konto eingerichtet, wo Spenden für die Familie Lachenmayr eingehen können“, sagt Mylius. Vielleicht kommt so die Geschichte doch noch zu einem guten Ende. Zu wünschen wäre es.

Christoph Peters

Die Kontodaten: 

Kontoinhaber: Katholische Kirchenstiftung Mariä Geburt IBAN: DE34 7016 9558 0200 7211 90 BIC: GENODEF1SGA Spendenquittungen werden über das Pfarrbüro ausgestellt. Dafür entweder die eigene Adresse als Verwendungszweck mit angeben oder sich direkt ans Pfarrbüro wenden.

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