Zeitarbeitsmesse im Fokus von Lob und Kritik

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ILJA SIEGEMUND, Weilheim – Chance für den Berufseinstieg oder „modernes Sklaventum“? Die Zeitarbeit hat Befürworter wie auch Kritiker gleichermaßen. Bei der ersten Zeitarbeitsmesse in Weilheim trafen sie aufeinander. „Ich suche Arbeit“, sagt der 23-jährige Christian Hebelt aus Peiting. Deswegen ist er wie etwa 350 bis 400 andere in die Weilheimer Stadthalle gekommen. Der Textilmaschinenführer und -mechaniker ist seit eineinhalb Jahren Leiharbeiter. Wegen der Finanzkrise wird sein Vertrag nun nicht verlängert. An den 19 Ständen der Personaldienstleister informiert er sich wie die meisten Messebesucher über die Zeitarbeit und die jeweiligen Unternehmen, füllt Kontaktbögen aus und gibt seine Bewerbungen ab. Mancher Besucher wirkt auf die Firmen so interessant, dass gleich Bewerbungsgespräche mit ihm vereinbart werden: „Wir haben zwölf Termine ausgemacht“, freut sich Christian Fein, Niederlassungsleiter der Andreas Wust GmbH. Er suche drei Arbeitskräfte; Sachbearbeiter, Lagerist und Logistiker sowie Helfer. Etwa 50 Personen hätten Kontaktformulare bei ihm ausgefüllt. Bei seinem Branchenkollegen Gerhard Socher vom Personaldienstleister Randstad hätten 80 Leute die Formulare ausgefüllt. „Meistens suchen die Leute Jobs in der Umgebung“, sagt er. Die Altersstruktur sei „queerbeet“. Bisher stellten ungelernte Arbeitskräfte das Gros der Leiharbeiter. Sie werden oft als Helfer einzesetzt. Aber immer mehr hoch- qualifizierte Leute entdecken die Branche für sich. „Das Vorurteil, das der Zeitarbeit anhaftet, weicht“, erklärt Sarah Roider, Personaldisponentin der Augsburger Firma „Vis a Vis“. Viele würden die Zeitarbeit als Chance sehen, „um in Firmen reinzukommen“. Das bestätigt auch Heidi Holzhauser, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Weilheim: „Die Zeitarbeit stellt für uns eine gute Möglichkeit dar, Arbeitskräfte in reguläre Beschäftigungsverhältnisse zu bringen.“ Zudem vermittle sie eine große Bandbreite an Möglichkeiten. „Zeitarbeiter sind moderne Sklaven“, findet dagegen Barbara Resch, Fachsekretärin der IG-Metall. Gemeinsam mit Stefan Pecher hat sie vor der Stadthalle 44 Pappkartons aufgestellt, auf denen „Gleiche Arbeit? Gleiches Geld!“ steht. Denn Leiharbeiter erhielten für die gleiche Arbeit wie die Stammbelegschaft 60 Prozent weniger Lohn. Dass Zeit- und Leiharbeit eine Einstiegschance in die Festanstellung ist, bezweifelt Resch: „Die Übernahme wird immer versprochen.“ Pecher, Schweißer und Betriebsrat bei Zarges, sieht Leiharbeiter als „Jongliermasse“ der Unternehmen. Als „Sauerei“ und „Katastrophe“ bezeichnete ein Messebesucher die Zeitarbeit. „Sowas gehört abgeschafft“, ärgert er sich. „Erst sind die Leute motiviert, einen Job zu bekommen und dann sehen sie die niedrigen Löhne“, ergänzt der Mann, der vor dem Ruhestand steht. Diese Kritik weist Michael Hacker, Geschäftsleiter von „jobs & mehr“ in Schongau, zurück. Es besteht ein Tarifvertrag, der mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) geschlossen wurde. „Jeder Leiharbeiter bekommt zudem Urlaubs- und Weihnachtsgeld.“ Positive wie auch negative Erfahrungen machte Leiharbeiter Hebelt. „Ich besitze kein Auto. Deswegen hat man mich in der nächsten Ortschaft eingesetzt“, spricht der Peitinger über eine positive Erfahrung. Bei einem anderen Unternehmen habe es für ihn jedoch keinen freien Platz in der Umkleide gegeben. Er habe sich in der Halle umziehen müssen.

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