Rückzug aus der ersten Reihe: Dr. Friedrich Zeller im Interview

Ab 1. Mai "Plan B"

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Landrat sein war für Friedrich Zeller „das schönste Amt, das es in Bayern gibt“.

Weilheim/Landkreis – Im März 2008 hat Dr. Friedrich Zeller (SPD) in der Stichwahl gegen Luitpold Braun (CSU) überraschend das Landratsamt geentert. „Auf dieses Bubenstück“, sagt er sechs Jahre später nach der verlorenen Stichwahl gegen Andrea Jochner-Weiß, „werde ich mein Leben lang stolz sein“.

Am heutigen Mittwoch ist Zellers letzter Arbeitstag. Im Gespräch mit Kreisboten-Redaktionsleiterin Maria Hofstetter lässt der 48-Jährige seine Amtszeit Revue passieren.

Mit Friedrich Schillers Zitat „Ein guter Abgang ziert die Übung“ haben Sie nach der Stichwahl Ihre haushohe Niederlage eingestanden. 31,98 Prozent: Hat Sie das Ergebnis entsetzt? 

Zeller: „Entsetzt war ich nicht aber frustriert, in Peißenberg und Penzberg so schlecht abgeschnitten zu haben.“

Selbst Ihre Parteifreunde haben Sie im Stich gelassen, vor allem in Penzberg. 

Zeller: „Das kann man so nicht sagen. Elke Zehetner und der Penzberger Ortsverein haben mich nicht hängen lassen. Wir waren dort vor der Stichwahl mit Infoständen vertreten. Auch in Peißenberg habe ich das Gespräch mit den Bürgern gesucht und in Schongau zirka 200 Hausbesuche gemacht.“

Für den Wahlausgang hatten Sie zwei Reden vorbereitet... 

Zeller: „Ja, eine in grün, das ist die Farbe des Behördenleiters und eine in blauer Schrift, die ich vortragen musste.“

Für Ihr gefasstes Abtreten von der Landratsbühne zollen Ihnen selbst die politischen Gegner Respekt. Sie wollten es wohl anders machen als Ihr Vorgänger Luitpold Braun? 

Zeller: „Ja, ich bin ein anderer Charaktertyp und will meine Sache korrekt zu Ende bringen. Ich bin selbst Bürger dieses Landkreises und möchte, dass Frau Jochner-Weiß einen guten Start hat.“

Wie hat Ihre Familie auf das Wahlresultat reagiert? 

Zeller: „Meine Frau ist erleichtert. Der Wahlkampf war für meine Familie mit einem unglaublichen Stress verbunden.“

Gab es neben Ihrem stringenten Reformkurs für die Krankenhäuser andere Gründe, die Ihren Wahlsieg vermasselt haben? 

Zeller: „Ich glaube nein.“

Repräsentationstermine am Wochenende nahm häufig Ihre Stellvertreterin war. Haben Ihnen das die Bürger übel genommen? 

Zeller: „Das wird kolportiert, stimmt aber nicht. Ich war enorm viel unterwegs. Als Spitzenpolitiker muss man am nächsten Morgen wieder fit sein. Amtsführung und Schreibtischarbeit dürfen nicht außer Acht gelassen werden.“ 

Müssen Sie sich im Nachhinein zu wenig Bürgernähe vorwerfen? 

Zeller: „Ein Landrat nur mit Herz war ich nicht. Ich machte das mehr mit dem Kopf und wollte das Haus in gerader Linie gut führen.“

Stimmt es, dass Sie Diskussionen in Gremien scheuten und Entscheidungen lieber allein getroffen haben? 

Zeller: „Das ist völlig falsch! Gremien zu leiten, ist mir eine Freude. Und ich glaube, das hat man mir auch angemerkt. Bei schwierigen Fragen muss aber einer vorangehen. Ich hörte mir eine Sache an, hatte gute Ratgeber im Haus und dann wurde entschieden.“

Steht der Landkreis nach sechs Jahren Zeller besser da als vorher? 

Zeller: „Ich denke ja, aus zwei Gründen: Wir haben viel vorangebracht. Schulen wurden saniert, ein  Familien- und Regionalmanagementbüro eingerichtet, gute Ansätze in der Energiewende geschafft, die Schulden des Landkreises von 32 auf 24 Millionen Euro reduziert. Mein weiteres Verdienst zusammen mit anderen war, die politische Kultur in den Gremien offen zu gestalten, um konstruktiv arbeiten zu können.“

Was hätten Sie noch gerne zu Ende gebracht? 

Zeller: „Die Sanierung der Krankenhaus GmbH.“

Was haben Sie am Amt des Landrats am meisten geschätzt? 

Zeller: „Dass man Mitarbeiter im Höheren Dienst um sich hatte, mit denen man Projekte stemmen konnte. Landrat sein ist das schönste Amt, das es in Bayern gibt. Man wird direkt vom Volk gewählt und kann sehr autonom entscheiden.“ 

Welchen Rat geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg? 

Zeller: „Mit Ratschlägen bin ich vorsichtig. Sie sollte sich am Anfang auf die Verwaltungsarbeit und das tägliche Geschäft konzentrieren.“

Wie werden wir Sie künftig in den Kreistagssitzungen und als Stadtrat in Schongau erleben? 

Zeller: „Auf jeden Fall in der zweiten Reihe. Es kann nur einen Kommandanten auf dem Kasernenhof geben.“

Ihre beruflichen Pläne? 

Zeller: „Mein Plan B lautet: Zum Wintersemester als Dozent für Politikwissenschaft und öffentliche Verwaltung an einer Hochschule im süddeutschen Raum einsteigen.“

Ihr Wohnort bleibt Schongau? 

Zeller: „Ja, von Schongau aus werde ich dann pendeln.“

Was ist an dem Gerücht dran, dass Sie als Oberbürgermeisterkandidat in Memmingen gehandelt werden? 

Zeller (lacht): „Nix ist dran, das Gerücht ist falsch.“

Sechs Jahre Landrat: Ihr Resümee in einem Satz: 

Zeller: „Für mich war es eine Ehre, dieses Amt ausführen zu dürfen.“

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