180 Weilheimer bei ISEK-Auftakt

Weilheims Zukunft mitplanen

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Stadtplaner Jochen Baur (mi.) nimmt von einem Weilheimer Vorschläge entgegen.

Weilheim – Ja, viele Bürger interessieren sich für ihre Heimatstadt und wollen deren Entwicklung aktiv mitplanen: Dass am vergangenen Dienstag 180 Weilheimerinnen und Weilheimer zum Start des ISEK-Prozesses in die Stadthalle gekommen waren, überraschte die Stadt als Veranstalter wie auch das beauftragte Planerteam.

Auf welchen Grundlagen basiert das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für Weilheim, das auf die nächsten zehn bis 15 Jahre ausgelegt ist? Wie soll es umgesetzt werden? Jochen Baur (SEP München) und Claus Sperr (Planwerk Nürnberg) erklärten am Dienstag die einzelnen Verfahrensschritte und holten bei den Bürgern erste Meinungen ein. 

 Seit 1975, sagte Bürgermeister Markus Loth einleitend, sind aus der Städtebauförderung des Freistaates viele Mittel nach Weilheim geflossen, wie in die Altstadtsanierung, in Bücherei und Musikschule. Die Unterstützung weiterer Maßnahmen knüpft die Regierung an die Bedingung, dass die Zukunft der Stadt im Dialog mit ihren Bürgern geplant wird. Loth verspricht sich von ISEK „wertvolle Anregungen für die Entwicklung der Stadt und eine Belebung der Agendaarbeit“. 

 Die Planer Baur und Sperr schilderten ihre ersten Eindrücke von Weilheim, die sie auch in Gesprächen mit 15 „Schlüsselpersonen aus verschiedenen Bereichen“ gewonnen hätten. Die Ansprechpartner wurden ihnen von der Stadt genannt. Weilheim sei nach dem Zweiten Weltkrieg „konstant leicht gewachsen“ und „die Bevölkerung über das Stadtgebiet gut verteilt“. Doch dürfe der demografische Wandel nicht unterschätzt werden, da die Zahl der über 75-Jährigen stark zunehmen wird, warnte Sperr. Der breite Branchenmix in der Altstadt sei ein Pfund, mit dem Weilheim wuchern könne. „Mehr Wachstumspotenzial“ erkennt Sperr für die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze, wobei die Frage zu klären sei: „Wollen wir das?“ Selbst wenn die Bevölkerung nicht weiter wächst, müssten bis 2029 jährlich 35 neue Wohnungen geschaffen werden. „Weilheim muss Vorsorge treffen.“ Dazu gehöre auch das Verdichten im Zentrum, machte Baur deutlich. 

 Für die Gestaltung des Theaterplatzes und den Bereich Herzog-Christoph-Straße sehen die Planer noch Optimierungsbedarf. Die Achse Bahnhof-Innenstadt werde mit dem neuen Busbahnhof eine wichtige Rolle einnehmen. Tempolimits und eine grüne Welle könnten die Innenstadt verkehrsmäßig entlasten. Den Planern fiel auf, dass sich die Radler in Weilheim durch manches Nadelöhr zwängen müssen. „Die Fußgänger werden von den Fahrzeugen oft regelrecht an die Wand gedrückt“, hat Jochen Baur beobachtet. 

 Agenda fühlt sich übergangen 

Aus den Reihen der Agenda kam deutliche Kritik. Seit 15 Jahren würden sich viele Aktive, die ehrenamtlich an der Erstellung des Weil­heimer Leitbildes mitgearbeitet haben, für ihre Stadt engagieren. „Sie haben sich das Leitbild nicht genau angeschaut und sind bisher auf keinen einzigen Arbeitskreis zugegangen“, wandte sich Professor Dr. Stefan Emeis ent- täuscht an die Planer. ISEK sei zu sehr auf den Städtebau beschränkt, monierte er. Wie Emeis am Rande der Veranstaltung unserer Redaktion erklärte, werden im ISEK-Konzept wichtige Energie- und Verkehrsfragen nicht angesprochen. „Erhöht man die Zahl der Arbeitsplätze in Weilheim für Weilheimer Bürger, reduziert man das Auspendeln aus der Stadt und spart so Energie“, führte Emeis als Beispiel an. Seine „Gedanken zur Verbindung von Energie und Städtebau“ hat er den Planungs- büros schriftlich mitgeteilt. 

 Man stehe erst am Anfang, rechtfertigten sich die Planer. „Der eigentliche ISEK-Prozess beginnt heute“, wandte sich Baur an das Publikum. Das Leitbild soll gute zehn Jahre nach seiner Entwicklung gemeinsam mit den Bürgern aktualisiert und „aufgefrischt“ werden. 

 Auf das notwendige Ausweisen neuer Wohn- und Gewerbegebiete zielte eine Wort- meldung des Gewerbeverbandsvorsitzenden Hans-Georg Geist ab: „Weilheim braucht Einnahmen, also Steuern.“ Einige Bürger zeigten sich ratlos. Wie Brigitte Gronau, die in den Vorträgen der beiden Planer die Bedürfnisse von Familien, Natur, Kultur und Sport vermisst hatte und nicht so recht wusste, wo sie sich nun als Bürgerin am ISEK-Prozess beteiligen soll. In der Planungswerkstatt, gab daraufhin Baur zu verstehen, sollen auch diese Themenfelder berücksichtigt werden. Martin Wagner hatte sich von dieser Auftaktveranstaltung mehr erwartet und nannte die Bürgerbeteiligung „halbherzig“. „Wir haben nicht viel Neues erfahren. Ich hätte mir Visionen gewünscht“, bedauerte er. 

 Drei Handlungsfelder: Wirtschaft, Städtebau, Bevölkerung 

Gegen 20.40 Uhr teilten die Mitarbeiter der beiden Planungsbüros an die Besucher im Saal Kärtchen aus, auf denen die Weilheimer fleißig ihre Anregungen und Wünsche vermerkten. Auf Plakatwänden wurden sie gesammelt und den drei Handlungsfeldern Wirtschaft (Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus), Städtebau (Stadtgestaltung, Freiraum, Verkehr, öffentlicher Raum) und Bevölkerung (Wohnen, Soziales, Freizeit, Kultur) zugeordnet. Häufig genannte Wünsche waren: mehr Sportplätze und -eine neue Dreifachturnhalle, gepflegte Kinderspielplätze, ein weiteres Hotel, ein durchgängiges Radwegenetz, mehr Freiflächen in der Stadt, auch zum Grillen, die Belebung der Innenstadt abends und am Wochenende. 

Planungswerkstatt und weitere Schritte 

 Wie berichtet, lädt die Stadt Weilheim ihre Bürger für Freitag, 26. und Samstag, 27. April, zu einer eineinhalbtägigen Planungswerkstatt in das Rathaus ein. In Arbeitsgruppen sollen dabei Themen wie Wirtschaft, Handel, Wohnen, Verkehr, Natur, Energie, Bildung, Soziales, Kultur und Freizeit diskutiert und Vorschläge erarbeitet werden. Geleitet wird die Veranstaltung von Moderatoren. Weil- heimer, die mitarbeiten möchten, sollten sich aus organisatorischen Gründen möglichst bald bei der Stadt Weilheim unter Tel. 0881/682-332 anmelden. Im Anschluss an die Planungswerkstatt können die Bürger an ihren Projekten weiterarbeiten, wobei sie mit Planern und Stadt in Kontakt bleiben. Bis September, umriss Planer Sperr den Zeitplan, sollen die Vorschläge der Bürger ausgewertet und „fachlich abgewogen“ werden, so dass der Stadt voraussichtlich bis November ein Konzept vorgelegt werden kann. Dann geht ISEK in die politische Diskussion. Welche Maßnahmen letztendlich realisiert werden, entscheidet der Stadtrat.

Von Maria Hofstetter

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