"Ganz heiß auf Fußball"

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Harrison fühlt sich beim FC Dettenschwang bestens aufgehoben.

Dießen – „Bei uns wird jeder aufgenommen“, betont Trainer Andreas Wegele vom FC Dettenschwang: Erst waren es sechs junge Syrer aus Obermühlhausen, von denen allerdings „nur einer übrig blieb“. Nun sind es Harrison und Obaid, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus der SOS-Kinderdorf-Wohngruppe in Hagenheim, die regelmäßig mit trainieren – und auch noch „sehr gute Spieler“ sind, betont Trainerkollege Markus Wierl: „Die sind ganz heiß auf Fußball.“

Mit einem lässigen „Servus“ begrüßen sich die Spieler, bevor Markus Wierl sie auf „vier Runden um den Platz“ schickt. Der SOS-Mitarbeiter reagierte schnell, als bei Harrison und Obaid „Fußball spielen“ ganz oben auf der Wunschliste stand. Er nahm die beiden noch im Winter kurzerhand zweimal die Woche zum eineinhalbstündigen Training mit. 

Vorbehalte gab es beim FC Dettenschwang keine. „Ich hab nur Vorteile für uns gesehen“, sagt etwa Harrisons Teamkollege Marc Fichtl. Zumal Harrison ein „technisch sehr ver- sierter“ Spieler ist, wie Trainer Wierl betont. So schoss der Nigerianer gleich bei seinem ersten Freundschaftsspiel gegen die SpVG Lechrain ein Tor. Wierl gefällt vor allem Harrisons Spielfreude, die auch im Training zu spüren ist. Unermüdlich kickt der 15-Jährige den Ball vor sich her, einmal mit dem linken, einmal mit dem rechten Fuß, einmal vorwärts, einmal rückwärts, einmal den Ball in der Luft. 

Dann übt er köpfen, zusammen mit Georg. „Sie waren von Anfang an sehr nett“, freut sich Harrison über seine Teamkollegen aus der B-Jugend. Besonders stolz ist der 15-Jährige, dass er nun auch deutsche Freunde auf „WhatsApp“ und „Facebook“ hat: Mit Patrick und Marc chattet er inzwischen regelmäßig. 

Auch Obaid fühlt sich sichtlich wohl in Dettenschwang. Allerdings trainiert er nun in der A-Jugend bei Wegele: „Ich bin schon zu alt“, grinst er. Ein gemeinsames Spiel mit Harrison ist trotzdem möglich, denn in dem kleinen Verein helfen oft Fußballer der jüngeren Altersklasse bei den Älteren aus. Obaid und Harrison freuen sich, dass sie jetzt auch bei regulären Spielen antreten dürfen. Andere Mitglieder aus der Wohngruppe in Hagenheim dagegen wollen einfach nur ein bisschen trainieren und haben als Gäste unter anderem in Hofstetten und Issing Aufnahme gefunden. 

Einige der 40 unbegleiteten Flüchtlinge, die SOS-Kinderdorf auch in Landsberg betreut, sind allerdings noch auf der Suche nach Vereinen, die sie aufnehmen. Denn in den meisten Ländern, aus denen die Minderjährigen geflohen sind, ist Fußball äußerst beliebt.

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