16-Jähriger bleibt nach Internet-Attacken in Haft

Rotterdam - Nach den Internet-Attacken auf US-Finanzkonzerne in Zusammenhang mit der Enthüllungsplattform Wikileaks bleibt ein 16 Jahre alter Niederländer bis auf weiteres in Untersuchungshaft.

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Nach den Internet-Attacken auf US- Finanzkonzerne in Zusammenhang mit der Enthüllungsplattform Wikileak bleibt der am Donnerstagnacht gefasste 16-jährige Niederländer bis auf weiteres in Untersuchungshaft. Die Ermittler dürfen ihn zunächst noch 13 Tage lang festhalten und vernehmen, entschied am Freitag ein Richter in Rotterdam.

Assange wies jede Beteiligung an den Angriffen auf die Websites der US-Firmen Mastercard, Visa und PayPal zurück. Seine Anwältin sorgt sich inzwischen darum, dass der Wikileaks-Gründer in die USA ausgeliefert und dort nach einem Anti-Spionagegesetz aus dem ersten Weltkrieg angeklagt werden könnte.

Nach Einschätzung der Staatsanwalt in den Niederlanden ist der Teenager kein einfacher “Mitläufer“. Bei ersten Vernehmungen habe er zugegeben, selbst Verantwortung für Internet-Agriffe auf Websites zu tragen. Die Finanzdienstleister hatten im Zuge der Aufregungen um Veröffentlichungen von Wikileaks ihre Dienste für weitere Spenden gesperrt.

Eine niederländische Spezialeinheit für High-Tech-Straftaten ihre Ermittlungen nach weiteren Online-Saboteuren intensiviert. Weitere Festnahmen, auch in anderen Ländern, seien denkbar, hieß es bei der Staatsanwaltschaft in Den Haag.

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Assange bedauerte in einer Stellungnahme, dass zur Zeit vorsätzlich versucht werde, die Presseorganisation Wikileaks mit Hackern in Verbindung zu bringen, sagte seine Anwältin Jennifer Robinson dem Nachrichten-Portal “nouvelobs.com“. Auf seinen eigenen Wunsch hin sei der Kopf der Enthüllungsplattform in Einzelhaft genommen worden. Der britischen “Guardian“ zufolge soll dem Australier dort auch anders als bei Häftlingen sonst üblich ein Computer mit eingeschränkter Internet-Verbindung zur Verfügung stehen.

Assange-Anwältin Robinson wandte sich außerdem gegen Spekulationen, ihr Mandant solle an die USA ausgeliefert und dem Espionage Act aus dem Jahr 1917 angeklagt werden. “Das Gesetz trifft auf Mr. Assange nicht zu“, sagte Robinson dem US-Sender ABCnews. Außerdem stehe der Wikileaks-Gründer unter dem Schutz des ersten Verfassungszusatzes der USA, in dem die Rede- und Meinungsfreiheit garantiert wird. “Jede Anklage nach dem Espionage Act verstößt gegen die Verfassung und würde alle Medien in den USA in Gefahr bringen.

Nach der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange hatten Internet-Aktivisten in den vergangenen Tagen Websites von Unternehmen lahmgelegt, die ihre Geschäftsbeziehungen zu der Enthüllungsplattform abgebrochen hatten. Die Attacken werden von einer Gruppe mit dem Namen “Anonymous“ organisiert. Es geht um sogenannte DDOS-Angriffe, bei denen hunderte oder tausende zusammengeschlossene Computer einen Web-Server mit Anfragen überhäufen, bis er unter dieser Last in die Knie geht.

Assange werden von zwei schwedischen Frauen sexuelle Vergehen vorgeworden, deswegen war er mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden. Der 39-jährige Australier weist die Anschuldigungen zurück und will gegen die Auslieferung nach Schweden kämpfen. Ein britischer Richter hatte nach der Festnahme am Dienstag eine Freilassung auf Kaution abgelehnt.

Frische Wikileaks-Enthüllungen werfen unter anderem ein schlechtes Licht auf den Pharma-Riesen Pfizer. So wollte der US-Konzern laut einer Diplomaten-Depesche den nigerianischen Staatsanwalt unter Druck setzen, um hohen Strafzahlungen nach dem Tod von Kindern bei einem Medikamenten-Test zu entgehen. In einem weiteren Botschafts-Bericht von 2004 wird von nordkoreanischen Spezialisten berichtet, die Raketen für das Militärregime in Birma montieren.

Unterdessen will die US-Armee mit verschärften Sicherheitsvorschriften mögliche neue Lecks verhindern. Wie das US- Magazin “Wired“ online berichtete, wurde allen Nutzern des internen Pentagon-Nachrichtennetzes der Gebrauch von externen Speichern untersagt. Darunter fallen nicht nur USB-Sticks und Festplatten, sondern auch MP3-Player wie ein iPod. Bisherigen Informationen zufolge sollen die 250 000 vertraulichen Dokumente Wikileaks von einem 23-jährigen US-Gefreiten aus dem Irak zugespielt worden sein, der sie über das Pentagon-Netzwerk herunterladen konnte.

dpa

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