Abgeordnete als Ego-Shooter - LAN-Party für Politiker

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LAN-partys sind unter Jugendlichen sehr beliebt. Politiker sollen mit der Veranstaltung am Mittwoch einmal in diese Welt abtauchen und sie kennenlernen.

Berlin - Der Bundestag wird zu Daddel-Halle: Am Mittwoch findet in Berlin die seit langem angekündigte LAN-Party für Politiker statt, bei der die Abgeordneten die Welt der Computer-Spiele kennenlernen sollen.

Mitinitiatorin Dorothee Bär trat am Samstag Kritik entgegen, es handele sich lediglich um eine Vorführung von gewaltverherrlichenden Spielen. Zur Auswahl stünden mehr als 30 Programme, darunter seien nur ganz wenige sogenannte Ego-Shooter, sagte die CSU-Politikerin auf dapd-Anfrage.

Bär will zusammen mit ihren Abgeordneten-Kollegen von der FDP, Manuel Höferlin und Jimmy Schulz, dabei helfen, Berührungsängste gegenüber Computerspielen abzubauen. Die jungen Abgeordneten ärgern sich unter anderem darüber, dass Computerspiele immer wieder als Erklärung für Gewaltexzesse herangezogen würden. Die Diskussion müsse vielmehr versachlicht und emotionsfrei geführt werden. Vor allem Computerspiele sind in den vergangenen Jahren nicht zuletzt nach Amokläufen an deutschen Schulen in Verruf geraten.

Auf der Gästeliste stehen alle Abgeordneten des Bundestags sowie jene Politiker, die "mit undifferenzierter Betrachtungsweise" von Computerspielen aufgefallen seien. Nach den Plänen der Initiatoren soll unter Anleitung von Profis gespielt werden. Sport-, Strategie-und Geschicklichkeitsspiele stehen auf dem Programm, aber auch die umstrittene Kategorie Ego-Shooter.

Vorbild der LAN-Party im Bundestag ist ein Parlamentarischer Spieleabend, der 2009 im Bayerischen Landtag stattfand. Organisiert hatte ihn der medienpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Sinner. Damals testeten die Abgeordneten 60 PC-Spiele, darunter auch das recht gewalttätige "GTA 4".

"Spiegel": Vater fühlt sich verhöhnt

Laut einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sind nicht alle Parlamentarier von der Idee begeistert. "Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?", wird der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), zitiert. Entsetzt ist demnach der Sprecher des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden" und Vater eines Opfers, Hardy Schober. "Ich fühle mich von Politikern verhöhnt, die bei einer Party gegeneinander antreten, um zu lernen, wie man virtuell tötet", sagte er dem "Spiegel".

Die Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, ist ebenfalls eingeladen - als "Spielverderberin", wie sie dem "Spiegel" sagte. Dyckmans will demnach die Gelegenheit nutzen, um "über die wachsenden Gefahren der Online-Spielsucht aufzuklären".

dapd

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