Abgeordneter zündet Tränengas-Granate im Parlament

Seoul - Das südkoreanische Parlament ist bekannt für bisweilen schlagkräftigen Debatten. Doch was sich am Dienstag abspielte, ist auch für dortige Verhältnisse äußerst ungewöhnlich.

Ausnahmezustand am Dienstag im südkoreanischen Parlament in Seoul. Der Rauch einer Tränengasgranate lag in der Luft. Abgeordnet wedelten hektisch mit ihren Armen, rieben sich die Augen und husteten. Auf der Tagesordnung stand die Abstimmung über ein Freihandelsabkommen mit den USA. Ein Abkommen, dass auch außerhalb des Parlamentes umstitten ist, weil viele Menschen in Südkorea fürchten, dass es ihre Arbeitsplätze gefährdet. Ein Abgeordneter der Opposition soll die Tränengasgranate vor der Abstimmung gezündet haben. Sich heftig wehrend und Flüche ausstoßend wurde er aus dem Sitzungssaal geführt.

Nur langsam legte sich danach die Aufregung, immer wieder kam es zu kleineren Rangeleien und Wortgefechten. Schließlich kam es doch noch zur Abstimmung. Mit 157 zu sieben Stimmen wurde das Abkommen ratifiziert.

Die konservative Regierung hat eine deutliche Mehrheit im Parlament. Die Opposition fühlt sich übergangen, sagt ihr Sprecher Lee Young-Sup: "Sie haben das Gesetz verabschiedet, in dem sie uns überrumpelt haben. Deshalb ist die Abstimmung ungültig. Die Regierung und die Regierungspartei sollte sich bei der Nation entschuldigen und sagen, dass die Abstimmung ungültig ist. Und einige von ihnen sollten dafür die Verantwortung übernehmen. Das ist die Position der demokratischen Partei." Ein Sprecher der Regierung wird mit den Worten zitiert, man habe schnell über das Abkommen abstimmen lassen, da es nahezu umöglich gewesen sei, einen Kompromiss mit der Opposition zu finden.

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