Afghanen übernehmen Kommando

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Bundeswehrsoldaten bilden afghanische Soldaten aus

Kabul - Die afghanische Armee und Polizei sollen bis 2014 allein für die Sicherheit im Land sorgen. Schon in den nächsten Monaten sollen die Afghanen das Kommando in sieben Regionen übernehmen.

Wachablösung am Hindukusch: afghanische Sicherheitskräfte sollen ab Juli dieses Jahres in sieben Regionen des Landes das Kommando von den internationalen Truppen übernehmen. Präsident Hamid Karsai benannte am Dienstag bei einer Ansprache in Kabul die Städte und Provinzen, in denen afghanische Armee und Polizei schon bald selbst für Sicherheit sorgen sollen. Darunter ist die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif, in der die Bundeswehr das regionale Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf führt.

In Eigenregie werden auch Laschkarga, die Hauptstadt der südlichen Unruheprovinz Helmand, die westafghanische Provinzhauptstadt Herat und die Stadt Metharlam in der Provinz Laghman übernommen. Auch aus den als relativ ruhig geltenden Provinzen Bamian und Pandschir in Zentral- und Ostafghanistan will sich die Nato zurückziehen. 

 Auch die Provinz Kabul ist mit Ausnahme des besonders gefährlichen Bezirkes Surobi betroffen. In der Hauptstadt selbst hatten afghanische Armee und Polizei bereits Ende 2008 inoffiziell die Verantwortung für die Sicherheit von der Nato übernommen.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Die reibungslose Übergabe hänge auch von der internationalen Gemeinschaft ab, sagte Karsai. Diese müsse das Land weiter beim Wiederaufbau und der Schaffung funktionierender Verwaltungsstrukturen unterstützen. Allerdings sei der nun eingeleitete Prozess “nicht mehr umkehrbar“, so Karsai. “Die Afghanen sollten die Verantwortung für die Verteidigung des Landes unter allen Umständen selbst übernehmen.“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle wertete die Übergabe der ersten Gebiete als Erfolg für die im vergangenen Jahr festgelegte Afghanistan-Strategie. “Die Abzugsperspektive, sie wird sichtbar“, sagte er in Berlin. Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung bedeute jedoch nicht, “dass wir uns komplett aus den Gebieten zurückziehen“. Die Isaf werde präsent bleiben und den Wiederaufbau sogar verstärkt fördern. Rückschläge schließt Westerwelle allerdings nicht aus. “Wir müssen immer wieder mit bedauerlichen Rückschlägen auch rechnen.“

Sprecher nannte Kommandowechsel "sinnlosen Prozess"

Vor diesem Hintergrund dämpfte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen Hoffnungen auf einen baldigen Abzug der mehr als 130 000 ausländischen Soldaten aus Afghanistan. “Ich verstehe, dass (...) die Politiker unter Druck stehen, ihre Soldaten dauerhaft heimzubringen“, heißt es in einer Erklärung vom Dienstag. Es sei jedoch entscheidend, jetzt “Solidarität und Kontinuität“ zu gewährleisten, damit die Übergabe der Sicherheitsverantwortung dauerhaft funktionieren könne. “Wir sind entschlossen, kein Sicherheitsvakuum entstehen zu lassen, in dem Extremismus entstehen könnte.“

Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban nannte den Kommandowechsel am Dienstag einen “sinnlosen Prozess“, der die Aktionen der Aufständischen nicht beeinflussen werde.

Die Nato hatte Ende 2010 beschlossen, den Kampfeinsatz am Hindukusch bis 2014 zu beenden und die Sicherheitsverantwortung für das Land bis dahin schrittweise an die Afghanen zu übergeben. Ausländische Soldaten sollen danach nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Land bleiben. Derzeit sind mehr als 140 000 Soldaten aus den USA und zahlreichen Nato-Staaten in Afghanistan im Einsatz. Darunter sind rund 5000 deutsche Soldaten.

dpa

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