Altkanzler Kohl will kein Denkmal in Dresden

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Helmut Kohl will kein eigenes Denkmal.

Dresden - Einheitskanzler Helmut Kohl (CDU) will sich nicht als Denkmal in Dresden verewigt sehen. Er lehne Personendenkmäler ab, das gelte auch für Dresden.

Das sagte Kohl jetzt in einem Gespräch mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Kohl schlug stattdessen vor, auf dem Platz vor der wiederaufgebauten Frauenkirche mit einer Gedenktafel an die friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung im Jahre 1990 zu erinnern.

Tillich hatte den früheren Bundeskanzler um dessen Meinung zur Debatte um ein Kohl-Denkmal gebeten, teilte die Staatskanzlei am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

Das war die Ära Helmut Kohl

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Helmut Kohl hatte am 19. Dezember 1989 vor der Kirchenruine einen historischen Auftritt. Seine Rede vor Zehntausenden gipfelte in dem Satz: “Mein Ziel bleibt - wenn die geschichtliche Stunde es zulässt - die Einheit unserer Nation.“ Der Altkanzler selbst hat den Abend in Dresden als Schlüsselerlebnis auf dem Weg zur Wiedervereinigung bezeichnet. Bis zu seiner umjubelten Rede sei er davon ausgegangen, dass es bis zur Einheit noch mehrere Jahre dauern werde, erinnerte er sich später. Seit Monaten wird wird in der Elbestadt heftig über ein Denkmal debattiert, das zwei Stadträte von CDU und FDP ins Gespräch gebracht hatten. Die beiden fühlen sich allerdings missverstanden, weil sie Kohl nie auf den Sockel stellen wollten.

Nun hat sich Ministerpräsident Tillich an den Altbundeskanzler gewandt. “Er hat mir eine Antwort gegeben, die ich hier gerne öffentlich wiedergeben möchte“, so Tillich. Kohl sei von der Diskussion überrascht gewesen. “Mich hat bisher niemand gefragt, ob ich ein Denkmal für meine Person für sinnvoll erachte und unterstützen würde - immerhin bedürfte es dazu ja auch meiner Zustimmung“, zitierte Tillich den Altbundeskanzler. “Und dazu muss ich Ihnen ganz klar sagen, dass ich Denkmäler zu meiner Person bis heute immer abgelehnt habe. Und ich habe nicht vor, meine Haltung in dieser Frage zu ändern, das gilt auch für Dresden.“

Kohl wandte sich auch an die Initiatoren des Denkmals, “die es sicher nur gut gemeint haben“. “Ich hielte es aber für eine sehr schöne Idee, auch auf dem geschichtsträchtigen Platz vor der Frauenkirche in Dresden mit einer Gedenktafel an die friedliche Revolution 1989 in der DDR und an den friedlichen Weg zur Wiedervereinigung unseres Vaterlandes im Jahre 1990 zu erinnern. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Diskussion in diese Richtung entwickeln würde.“ CDU-Stadtrat Sebastian Kieslich äußerte sich erfreut über Kohls Reaktion. “Das Denkmal soll nicht eine Person ehren, sondern die Menschen, die im Wendeherbst auf die Straße gegangen sind“, sagte er am Donnerstag. Ein Denkmal nur für Helmut Kohl hätten er und sein FDP-Kollege nie gewollt.

dpa

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