Bause peilt Rekordergebnis an

Grüne verabschieden Wahlprogramm

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Margarete Bause und die Grünen müssen für den angestrebten Machtwechsel noch zulegen.

Würzburg - Horst Seehofer wähnt sich im Wahlkampf in Sicherheit - aber die Grünen sind hungrig und beschwören auf ihrem Parteitag den Machtwechsel.

Ein Raunen geht durch den Franconia-Saal des Würzburger Kongress-Zentrums, in dem fast 300 Grünen-Delegierte tagen. Gerade wurde verkündet, dass der FC Bayern 4:0 gegen Nürnberg führt. „Das ist nur ein Zwischenstand“, beruhigt Ekin Deligöz vom Grünen-Präsidium doppeldeutig durch ihr Mikro. Der Saal antwortet mit Jubel. Schließlich sind die Grünen gerade ein bisschen wie Nürnberg - und die aktuellen Umfragen für die Landtagswahl auch nur ein Zwischenstand. Der Vorsprung von Rekordmeister CSU aber ist groß. Bis zum Wahltag am 15. September wollen die Grünen die Lücke zusammen mit SPD und Freien Wählern schließen.

Klar ist: Für einen Machtwechsel muss für die Grünen ein Rekordergebnis her. „Nur wenn wir das schaffen, wird es rein rechnerisch die Möglichkeit für einen Politikwechsel geben“, sagt Spitzenkandidatin Margarete Bause zu Beginn des Landesparteitags am Samstag. Laut Umfragen liegt ein mögliches Dreierbündnis momentan zusammen aber nur bei knapp über 40 Prozent - zudem zieren sich die Freien Wähler bislang. Eine Koalition mit Rot-Grün halten sie sich offen.

Die CSU dagegen kratzt schon alleine an der absoluten Mehrheit - Ministerpräsident Horst Seehofer ist tiefenentspannt. „Von Wechselstimmung ist weder in Deutschland noch in Bayern weit und breit eine Spur“, sagte er am Samstag bei einer CSU-Delegiertenversammlung in München.

Mit ihrem Wahlprogramm wollen die Grünen deshalb den Finger in die Wunden der CSU-Politik legen. Vor allem bei der schleppend laufenden Energiewende will die Partei der Atomkraftgegner die Deutungshoheit für sich beanspruchen. Bause geht hier in die Vollen: „Unser Ziel sind 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030.“ Der Landesvorsitzende Janecek setzt hinzu: „Wir sind die Chancenpartei der Energiewende“

Auch die von Verbänden häufig kritisierte Bildungspolitik im Freistaat kriegt ihr Fett weg. Der schwarz-gelben „Flickschusterei“ will die Partei mit mehr Ganztagsschulen begegnen. Das dreigliedrige Schulsystem sei ein Modell aus dem 19. Jahrhundert.

Mit viel Selbstbewusstsein präsentieren sich die Grünen an diesem Wochenende in Unterfranken. Und sie haben Grund dazu: Mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind zuletzt zwei weitere Bundesländer mit grüner Regierungsbeteiligung dazugekommen. In beiden Ländern erreichten die Grünen mehr als 13 Prozent. Beide Male war die CDU stärkste Kraft - konnte aber keine Regierung bilden.

Zusätzlich schwärmt Cem Özdemir in seiner Auftaktrede vom ersten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Und in Bayern? Auch hier stehen die Grünen so gut da wie nie: 2008 bekamen sie noch 9,4 Prozent - mittlerweile sehen die Institute die Partei bei zwölf bis 15. „Wir haben auch das Zeug, Regierungspartei in Bayern zu sein“, folgert Margarete Bause.

„Mehr grün - mehr möglich!“, steht in großen Buchstaben auf der Leinwand hinter den Rednern. Starke Grüne sind die Voraussetzung für einen Machtwechsel in Bayern. Wichtig ist aber vor allem, wer die Grünen stark macht - für einen Wahlsieg müsste die Partei auch Bürger überzeugen, die sonst bei der CSU ihr Kreuz gemacht hätten. Ansonsten könnte es den Grünen so gehen wie dem 1. FC Nürnberg in der Allianz-Arena: Dort wurde der Zwischenstand zum Endstand. 4:0 für den Rekordmeister.

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dpa

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