Bomben-Anschlag auf Bus in Tel Aviv

Dramatische Eskalation der Gewalt in Nahost

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In Tel Aviv hat es am Mittwochvormittag einen Anschlag auf einen Bus gegeben.

Tel Aviv - Die internationale Diplomatie kämpft um eine Waffenruhe in Nahost. Derweil eskaliert die Gewalt. In Tel Aviv explodiert ein Sprengsatz in einem Stadtbus. Die Hamas hatte zuvor mit Anschlägen gedroht.

Die intensiven Bemühungen um Entspannung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen haben einen herben Rückschlag erlitten. Bei einem Bombenanschlag auf einen Stadtbus im Zentrum von Tel Aviv wurden am Mittwoch nach israelischen Polizeiangaben mindestens 20 Menschen verletzt. Die radikal-islamische Hamas begrüßte die Tat. Es war der erste Bombenanschlag in Tel Aviv seit 2006.

Im Fernsehen war zu sehen, wie dichter Qualm aus dem Fahrzeug drang. Die Scheiben waren teilweise zersplittert. Der Ort des Anschlags wurde weiträumig abgeriegelt, Dutzende Krankenwagen rasten durch die Stadt, Hubschrauber überflogen die Gegend. Die Behörden sprachen von mindestens 20 Verletzten. Mindestens ein Unbekannter hatte nach ersten Angaben der Polizei einen Sprengsatz in den Bus geschleudert und dann die Flucht ergriffen. Ein zweiter Mann sei festgenommen worden, berichteten Medien.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas begrüßte allerdings die Tat. „Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat“, hieß es in einer Mitteilung, die am Mittwoch über die Lautsprecher von Moscheen im Gazastreifen verlesen wurde. Es handele sich um eine „natürliche Reaktion“ auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender.

Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, verurteilte den Anschlag. „Einmal mehr haben Terroristen bewusst unschuldige Menschen in Israel ins Visier genommen“, sagte er. Nach den Raketenangriffen werde nunmehr versucht, „mit den Methoden der palästinensischen Intifada“ unschuldige Zivilisten zu ermorden.

Bis zu dem Anschlag hatte es Hoffnungen gegeben, dass ein bereits am Vorabend erwarteter Durchbruch bei den Bemühungen um ein Ende der Gewalt doch noch zustande kommen könnte. Vermittler wie US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versuchten, eine Feuerpause zwischen den verfeindeten Seiten auszuhandeln. Unterdessen gingen die israelischen Angriffe im Gazastreifen mit unverminderter Härte weiter. Auch militante Palästinenser feuerten wieder Raketen auf Israel ab.

Die Opferzahl stieg vor allem im Gazastreifen weiter. Die Zahl der Toten in der Enklave am Mittelmeer erhöhte sich auf rund 140. Mehr als 1000 Menschen erlitten seit Beginn der Feindseligkeiten am Mittwoch vergangener Woche Verletzungen. Medikamente in Krankenhäusern gingen zur Neige, die Preise für Lebensmittel stiegen schnell. In Israel starben durch palästinensische Raketen im gleichen Zeitraum fünf Menschen, 80 wurden verletzt.

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani bestätigte am Mittwoch zum ersten Mal, dass sein Land der Hamas militärische Hilfe leiste und darauf „stolz“ sei. „Die arabischen Länder veranstalten Konferenzen und reden nur, aber sie müssen wissen, dass die Palästinenser dies nicht brauchen. (...) Wir sind daher stolz zu verkünden, dass unsere Hilfe für Hamas finanziell und militärisch ist“, sagte Laridschani nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. Die iranische Regierung hat bis jetzt stets behauptet, dass Teheran die Hamas und Palästina nur politisch und nicht militärisch unterstütze.

US-Außenministerin Clinton, die am Nachmittag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo eintraf, hatte am Vorabend die Bedeutung einer für alle Seiten akzeptablen Lösung des Konflikts hervorgehoben. „Das Ziel ist eine dauerhafte Regelung, die zur regionalen Stabilität beiträgt und den Sicherheitsinteressen und legitimen Forderungen Israels und der Palästinenser Rechnung trägt“, sagte sie nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Clinton und Ban sprechen in Ramallah auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Grundlage einer möglichen Vereinbarung über ein Ende der Kämpfe sollte nach Informationen des israelischen Rundfunks sein, dass Vertreter Israels, Ägyptens und der USA die Waffenruhe überwachen. Wie es unter Berufung auf die Regierung in Jerusalem hieß, soll die Vereinbarung den Menschen im Süden Israels zumindest ein bis zwei Jahre Sicherheit vor Angriffen garantieren.

Bei einer Generaldebatte im Bundestag in Berlin stellte sich Kanzlerin Angela Merkel im Nahost-Konflikt erneut klar auf die Seite Israels. Die Hamas habe mit dem Beschuss begonnen, sagte sie am Mittwoch in der Generaldebatte im Bundestag. „Es gibt das Recht auf Verteidigung. Und dieses Recht hat der israelische Staat“, fügte Merkel hinzu. In Rom rief Papst Benedikt XVI. die Nahost- Konfliktparteien zu einer Waffenruhe und zu Verhandlungen auf. Hass und Gewalt seien keine Lösungen.

Rund 10.000 Bewohner des Gazastreifens haben mittlerewile in Schulen der Vereinten Nationen Zuflucht vor den Luftangriffen Israels gesucht. Nachdem die israelische Luftwaffe am Dienstag Flugzettel abgeworfen hatte, in denen sie Bewohner einiger Gegenden aufrief, ihre Häuser zu verlassen, seien die Palästinenser geflohen, teilte das UN-Hilfswerk UNRWA am Mittwoch mit. Zwölf von den UN betriebene Schulen im Gazastreifen hätten sie aufgenommen, sagte ein Sprecher. Viele Menschen fürchten, dass die Warnung Israels ein Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive ist.

dpa/dapd

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