Putin zu Gast in Shanghai

China und Russland planen gemeinsame Projekte

+
Russlands Präsident Wladimir Putin ist zu einem zweitägigen Staatsbesuch in China und traf am Dienstag seinen Amtskollegen Xi Jinping.

Shanghai - Angesichts der Ukraine-Krise sucht Russland die Nähe zu China: Beim Treffen der Staatschefs in Shanghai scheint man sich demonstrativ in Wirtschaftsfragen schnell einig zu werden.

Unter dem Eindruck der Ukraine-Krise baut Russland seine strategische Partnerschaft mit China aus. Die beiden Großmächte wollen nicht nur militärisch, sondern auch bei der Energieversorgung enger zusammenarbeiten. Ein Durchbruch in den Verhandlungen über ein neues Gasabkommen stand am Dienstag beim Staatsbesuch von Präsident Wladimir Putin in China aber noch aus. Mit den Lieferungen könnte sich Russland, das wegen seiner Ukraine-Politik vom Westen scharf kritisiert wird, unabhängiger von europäischen Gaskunden machen.

Zum Auftakt des zweitägigen Staatsbesuches von Putin vereinbarten Russland und China eine ganze Reihe gemeinsamer Projekte. So wollen beide Staaten ein Langstrecken-Flugzeug in Konkurrenz zu Airbus und Boeing entwickeln, ihre Eisenbahnsysteme besser aufeinander abstimmen und eine Brücke über den Grenzfluss Amur bauen. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Putin: Gasabkommen kurz vor Einigung

Ein Durchbruch in den jahrelangen Verhandlungen über ein neues Gasabkommen ließ aber zunächst noch auf sich warten. Russland zeigte sich jedoch optimistisch, dass eine Einigung kurz bevorsteht: „Der Prozess ist schon erheblich gereift, beim Preis gibt es allerdings noch etwas zu arbeiten“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow laut Itar-Tass. Die Verhandlungen liefen ununterbrochen, sagte der Chef des russischen Staatsunternehmens Gazprom, Alexej Miller. „Der Vertrag kann auf einer für beide Seiten vorteilhaften Grundlage unterzeichnet werden.“

Putin hatte die Erwartungen auf einen Abschluss der Verhandlungen über das Gasabkommen vor seinem zweitägigen Staatsbesuch in China selbst geschürt. Vor seinem Abflug hatte er gesagt, die Diskussionen stünden kurz vor einer Einigung. Da Russland wegen der schweren Krise in der Ukraine unter Druck steht, könne die Vereinbarung Putin neuen Spielraum geben.

Demonstrative Unterzeichnung dutzender Wirtschaftsabkommen

Nach einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping demonstrierten beide Seiten Geschlossenheit. In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich Russland und China besorgt über die Lage in der Ukraine und forderten eine Deeskalation in dem Konflikt. Bei einem landesweiten Dialog solle ein Konzept für die Entwicklung einer Verfassung erarbeitet werden, forderten Peking und Moskau.

Gemeinsam nahmen Putin und Xi an einer Zeremonie zur Unterzeichnung von mehreren Dutzend von Wirtschaftsabkommen aus den Bereichen Energie, Verkehr und Infrastruktur teil, wie Chinas Staatsfernsehen CCTV berichtete. Details wurden jedoch nicht genannt. Zudem eröffneten beide Staatsführer eine siebentägige Militärübung beider Länder im Ostchinesischen Meer.

Die Visite in Shanghai erfolgt vor dem Hintergrund der schweren Krise in der Ukraine. Putins Gespräche mit Xi Jinping in der ostchinesischen Hafenmetropole gelten auch als Zeichen an den Westen, dass Moskau die Suche nach neuen Partnern intensiviert.

dpa

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Grünen-Politiker tot am Rheinufer aufgefunden

Mannheim - Am Montagmorgen wurde am Brühler Rheinufer eine verbrannte Leiche gefunden. Dabei soll es sich um den Landtagsabgeordneten Wolfgang …
Grünen-Politiker tot am Rheinufer aufgefunden

Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“

Wien - Noch immer schlägt der Wahlerfolg Van Der Bellens große Wellen. Verschiedene deutsche Politiker haben sich zu dem Sieg des neuen …
Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“

CDU-Parteitag: Dämpfer für Merkel bei Wiederwahl

Essen - Am Dienstag findet der CDU-Parteitag in Essen statt. Kanzlerin Angela Merkel hat sich erneut zur Bundesvorsitzenden wählen lassen. Wir …
CDU-Parteitag: Dämpfer für Merkel bei Wiederwahl

Kommentare