Hohe Fehlerquote: Das Aus für Körperscanner

Berlin - Die am Hamburger Flughafen erprobten elektronischen Körperscanner werden in Deutschland zunächst nicht weiter eingesetzt. Bundesinnenminister Friedrich verlangt eine Verbesserung der Software.

Körperscanner an Flughäfen werden in Deutschland zunächst nicht weiter eingesetzt. Aufgrund der hohen Fehlerquote bei den in Hamburg getesteten Geräten sei es sowohl für einen flächendeckenden Einsatz als auch für einen weiteren Feldversuch zu früh, teilte das Bundesinnenministerium am Mittwoch mit. Die Software müsse weiter verbessert werden.

Die Bundespolizei werde die Entwicklung auf diesem Gebiet weiter eng begleiten, “so dass wir hoffentlich bald Geräte zur Verfügung haben, die sowohl unseren hohen Sicherheitsansprüchen genügen als auch dem Passagieraufkommen Rechnung tragen“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

Testphase am Hamburger Flughafen

In Deutschland wurden die Körperscanner vom 27. September 2010 bis 31. Juli 2011 am Hamburger Flughafen auf freiwilliger Basis erprobt. Rund 809.000 Passagiere ließen sich während der Testphase durchleuchten. Ursprünglich war der Versuch nur für sieben Monate geplant, dann wurde er um drei Monate verlängert. Insbesondere am Anfang war die Fehlerquote sehr hoch, zum Ende der Testphase ließen die Mängel etwas nach. Bei 31 Prozent der Passagiere wurde kein Alarm ausgelöst, bei 69 Prozent waren Nachkontrollen erforderlich. Bei 54 Prozent wurde überflüssiger Alarm ausgelöst. Um in den Feldversuch zu gehen sei eine Fehlerquote von “deutlich unter 50 Prozent“ nötig, verlautete aus dem Innenministerium.

So wurde etwa bei Falten in der Kleidung oder einer starken Schweißbildung unter den Achseln Alarm ausgelöst. Passagiere, die bei dieser elektronischen Prüfung aufgefallen waren, mussten danach aufwendig per Hand abermals kontrolliert werden. Damit wurde die Passagierabfertigung verzögert statt beschleunigt und ein wichtiges Ziel der Scanner mithin verfehlt. Grundsätzlich halte man aber an den Scannern fest, wenn die Software in der Lage ist, die Fehler auszusortieren.

Die in Hamburg eingesetzten Geräte vom Typ L-3 ProVision ATD arbeiten mit aktiver Millimeterwellentechnik - etwa wie eine Wärmebildkamera. Der L-3 ProVision ATD produziert keine Körperbilder mit Konturen, sondern zeigt eine Art Strichmännchen an. Sollten verdächtige Gegenstände vorhanden sein, wird an der Stelle ein gelbes Quadrat auf dem Piktogramm angezeigt. Körperscanner mit Röntgenstrahlen werden in Deutschland nicht verwendet.

Nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) können die Körperscanner “ein geschultes polizeiliches Auge nicht ersetzen und lediglich das Instrumentarium der Sicherheit im Flugverkehr ergänzen“.

Auslöser war vereitelte Sprengstoffanschlag in den USA

Auslöser für den bundesweit ersten und bislang einzigen Feldtest war der vereitelte Sprengstoffanschlag eines Nigerianers auf ein US-Passagierflugzeug Ende 2009. Der Mann hatte den Sprengstoff in seiner Unterhose versteckt.

Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte damals entschieden, den Ganzkörperscanner, der beispielsweise in den USA bereits zum Einsatz kommt, zu testen. Seit Mitte 2009 hatte die Bundespolizei verschiedene Geräte im Labor in Lübeck getestet. Aufgrund der Nähe zum Testlabor wurde dann Hamburg als Testflughafen ausgewählt.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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