Experten: Nato-Abzug könnte Regierung zu Fall bringen

Kabul - Der für 2014 geplante Abzug eines Großteils der Nato-Truppen aus Afghanistan und die damit verbundene Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Armee und Polizei birgt Risiken.

So könnten er das Land nach Ansicht von Experten vor massive Probleme stellen. Eine der Konsequenzen des Abzugs könnte der Zusammenbruch der afghanischen Regierung sein, warnte die International Crisis Group in einer am Sonntag veröffentlichten Studie. Solange das Fundament für effektives staatliches Handeln nicht gelegt sei, könne es weder Sicherheit und Stabilität noch Gerechtigkeit am Hindukusch geben.

"Die Ausstiegsstrategie klingt einfach: Versuche die Taliban zu schlagen, schütze Zivilisten und bringe so die Menschen hinter dich, locke Taliban-Mitläufer ins Regierungslager und baue schlagkräftige Streitkräfte auf", so Candace Rondeaux von der nichtstaatlichen Organisation mit Sitz in Brüssel in einer Presseerklärung. "Das Problem dabei ist jedoch, das nichts davon funktioniert." Staatliche Institutionen seien schwach. Zudem gebe es keine geschlossene Sicherheitsstrategie für Afghanistan, wo Militär und Polizei noch immer "gefährlich fragmentiert und politisiert" seien.

Beim Nato-Gipfel vor einer Woche in Lissabon hatte die Allianz beschlossen, den Kampfeinsatz am Hindukusch bis 2014 zu beenden. Ausländische Soldaten sollen danach nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Land zu bleiben, die dann selbst für Sicherheit sorgen sollen. Derzeit sind mehr als 140 000 Soldaten aus den USA und zahlreichen Nato-Staaten in Afghanistan. In der Studie "Afghanistan: Exit vs Engagement" (Afghanistan: Ausstieg kontra Engagement) analysiert die International Crisis Group die Entwicklung seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 und die möglichen Auswirkungen für das Land nach Abzug der Nato-Truppen.

dpa

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