FDP: Anti-Euro-Kurs sorgt für Umfrage-Plus

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Philipp Rösler hatte mit seinen Äußerungen zum Euro-Rettungskurs für Verwirrung gesorgt.

Berlin - FDP-Chef Rösler hält an seinem Kurswechsel in der Euro-Frage fest. Im Deutschlandtrend klettern die Liberalen von drei auf fünf Prozent. Die “Euro-Rebellen“ machen Druck für ihren Mitgliederentscheid.

Nach der scharfen Kritik von Vizekanzler Philipp Rösler am Euro-Rettungskurs hat die FDP in einer Umfrage zugelegt. Die Liberalen gewannen im bundesweiten ARD-Deutschlandtrend zwei Punkte auf fünf Prozent. Am Sonntag wird in Berlin gewählt. Dort lag die FDP in Umfragen zuletzt unter der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Abgeordnetenhaus. In diesem Jahr flog die FDP bereits aus vier Landtagen.

Nach der deutlichen Kritik der Union an der Euro-Haltung von Parteichef Rösler ging FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zum Gegenangriff über. “Ich halte die Art und Weise, wie vom Koalitionspartner mit dem FDP-Vorsitzenden umgegangen wird, auch nicht für ganz in Ordnung“, sagte Brüderle im Deutschlandfunk.

Rösler hatte eine geordnete Insolvenz Griechenlands ins Spiel gebracht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rügte ihn dafür indirekt. Dabei habe auch Merkel schon ähnliche Gedanken geäußert, meinte Brüderle. Rösler wiederholte am Donnerstagabend im Berliner Wahlkampf, dass er als Wirtschaftsminister dem Volk verpflichtet sei. “Ich bin ausdrücklich nicht den Finanzmärkten verpflichtet, und ich tue das, was ich für richtig halte.“

Mehr Einzelheiten nach der Berlin-Wahl

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die Kanzlerin arbeite mit Rösler “gut und vertrauensvoll“ zusammen. Seibert wiederholte die Vorgabe, dass Aussagen von allen Regierungsmitgliedern immer konstruktiv und Teil der Lösung sein sollten.

Am Montag nach der Berlin-Wahl will Rösler seinen Euro-Kurs präzisieren und neue Vorschläge für die FDP-Strategie vorlegen. Generalsekretär Christian Lindner wies im Sender N24 Berichte zurück, dabei würden Bedingungen für den Fortbestand der Koalition diktiert: “Das ist 'ne Ente. Ein Koalitionspapier mit roten Linien - das ist nicht beabsichtigt, und das wird nicht kommen.“

Für eine Befragung der Mitglieder haben die “Euro-Rebellen“ in der FDP bisher nach eigenen Angaben rund 1800 Unterschriften gesammelt. Das ist mehr als die Hälfte der benötigten rund 3300 Mitglieder.

Die Gruppe um den Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler und den Altliberalen Burkhard Hirsch wollen den künftigen dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM verhindern. Schäffler schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: “Halbzeit! 1800 Mitglieder unterstützen den FDP-Mitgliederentscheid zum Euro.“ Um die Befragung der Basis zu erzwingen, sind laut Satzung Unterschriften von fünf Prozent der Mitglieder, Anträge von fünf Landesverbänden oder einem Drittel der Kreisverbände nötig.

Die Zeit drängt für "Euro-Rebellen"

Nach dpa-Informationen wird sich der wichtige Landesverband Schleswig- Holstein voraussichtlich noch am Freitag als zweiter nach Bremen offiziell für einen Mitgliederentscheid aussprechen. Weitere Verbände prüfen ihre Unterstützung.

Schäffler sagte, unabhängig von den Verbänden setze er darauf, bis Ende des Monats die nötigen Unterschriften der Mitglieder zu haben. Die Jungen Liberalen kritisieren die Schäffler-Linie, die keine Alternativen aufzeige, heißt es nach Angaben von n-tv.de in einem Papier.

Die Zeit drängt, weil die Organisation zur Befragung der rund 65 000 Mitglieder erfahrungsgemäß etwa zehn Wochen dauert. Selbst wenn Bundesvorstand und Geschäftsstelle es beschleunigen, könnte es für die von Schäffler & Co. geforderte Entscheidung bis zum Parteitag am 12. und 13. November in Frankfurt/Main knapp werden.

dpa

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