Wenige Monate vor der Wahl

FDP-Fraktionsvize wird Freier Wähler

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Otto Bertermann.

München - Der Vizechef der FDP-Landtagsfraktion wechselt die Seiten. Otto Bertermann will künftig bei den Freien Wählern mitarbeiten. Er hatte zuletzt Ärger bei den Liberalen mit der Listenaufstellung.

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Mitten im aufziehenden Landtagswahlkampf wechselt FDP-Fraktionsvize Otto Bertermann völlig überraschend zu den Freien Wählern. Er begründete diesen Schritt, von dem die FDP kalt erwischt wurde, am Mittwoch mit rein sachlichen und vor allem bundespolitischen Erwägungen. Er könne als Arzt die FDP-Position im Bund zu Präimplantationsdiagnostik und passiver Sterbehilfe nicht mittragen. „Ich bin Christ und kann das einfach nicht mehr mitmachen“, sagte er. „Da ist der Rubikon für mich überschritten.“ In der FDP wurde dagegen spekuliert, dass der eigentliche Grund in Bertermanns Schlappe bei der Listenaufstellung für die Landtagswahl liegt.

Fraktionschef Thomas Hacker, der von Bertermann nicht vorab informiert wurde, sagte: „Wir haben ja gespürt, dass er nach der Listenaufstellung in Oberbayern mit dem Listenplatz nicht einverstanden war. Er hätte sich einen Listenplatz weiter vorne gewünscht.“ Hacker bedauerte Bertermanns Entscheidung, sagte allerdings auch: „Reisende soll man nicht aufhalten. Wenn er sein Brennen für den Liberalismus so nicht mehr verspürt, muss er dann die Konsequenzen auch ziehen.“ Bertermann (67) soll nun in München als Landtagskandidat für die Freien Wähler ins Rennen gehen.

Freie-Wähler-Fraktionschef Hubert Aiwanger begrüßte Bertermanns Entscheidung. Dieser werde zusätzliche Wählerschichten erschließen und die Freien Wähler nach vorne bringen. „Wir sehen eine personelle und inhaltliche Stärkung, und darauf kommt's an“, sagte Aiwanger.

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Bertermann betonte: „Es ist eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist.“ Seiner Fraktion im Landtag habe er nichts vorzuwerfen. Nachdenklich gemacht hätten ihn zwar beispielsweise die Rolle der FDP bei der Aufweichung des Tanzverbots an den stillen Tagen oder die FDP-Forderung nach Lockerungen beim Ladenschluss - das hätte er aber noch mitgetragen oder toleriert. Es gebe aber eine definitive rote Linie, die er nicht überschreite - eben bei der passiven Sterbehilfe oder der Präimplantationsdiagnostik. Und da sei seitens der FDP keinerlei Kompromissbereitschaft zu erkennen gewesen. „Das sind die zwei wesentlichen Kernpunkte für mich, dass ich mich in der liberalen Familie nicht mehr wohlfühle“, sagte der 67-Jährige.

Bertermann zählte bislang zu den profiliertesten Abgeordneten der FDP. Der Münchner hatte zuletzt aber mit internem Ärger zu kämpfen, weil er bei der Aufstellung der FDP-Landtagskandidaten für München und Oberbayern nur auf einem hinteren Platz - auf Platz 14 - landete.

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Bertermann wies aber Spekulationen zurück, sein Übertritt könne mit dieser Schlappe zu tun haben. Das sei nicht der ausschlaggebende Grund gewesen. Schließlich wäre es für ihn ohne Weiteres möglich gewesen, bei der Landtagswahl deutlich nach vorne gewählt zu werden.

Allerdings hatte Bertermann, wie er bestätigte, am Tag der Listenaufstellung erstmals intern mit einem Austritt gedroht. Dies sei aber eine emotionale Reaktion in der Hitze des Gefechts gewesen.

FDP-Spitzenpolitiker bedauerten Bertermanns Wechsel. Fraktionsvize Andreas Fischer sprach von einem „Verlust für die FDP“. Mit Bertermann verliere die FDP einen profilierten Gesundheitspolitiker. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) sagte aber auch: „Wenn einer die liberale Sache nicht mehr im Herzen trägt, dann ist es logisch und konsequent, dass er diesen Schritt vollzieht.“

Andere FDP-Politiker griffen Bertermann dagegen scharf an. Der Münchner FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Stinner sagte: „Ohne jede plausible inhaltliche Begründung wechselt Bertermann zu einer Partei, bei der er sich eventuell bessere Zukunftschancen erhofft.“ Der einzige Grund sei die persönliche Enttäuschung über eine ihn nicht zufriedenstellende Platzierung auf der FDP-Landtagswahlliste. Zudem sagte Stinner: „Die Mitnahme seiner nur über die FDP errungenen Mandate ist stil- und würdelos.“ Der Münchner FDP-Vorsitzende Daniel Föst forderte Bertermann klar auf, seine Mandate niederzulegen.

dpa

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