Wegen Lied "Tage wie diese"

Nach CDU-Party: Shitstorm auf Tote-Hosen-Seite

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Die CDU und Kanzlerin Angela Merkel haben ihren historischen Wahlsieg in Berlin mit dem Toten-Hosen-Song "Tage wie diese" gefeiert. Auf der Facebook-Seite der Hosen tobt nun dr Shitstorm.

Berlin - Es ist eines der großen Aufreger-Themen im Netz nach der Bundestagswahl: Die CDU hat ihren historischen Wahlsieg in Berlin mit dem Toten-Hosen-Song "Tage wie diese" gefeiert. Deren Fans toben auf der Facebook-Seite der Hosen.

Nein, die Toten Hosen und deren Frontmann Campino fielen bislang nicht unbedingt durch besondere Nähe zur CDU auf. Da verwundert es schon, dass Kanzlerin Angela Merkel und die CDU-Größen am Sonntagabend ihren Wahlsieg im Adenauer-Haus ausgerechnet mit einem Song der Düsseldorfer Punk-Band zelebrierten.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat die Szenen in einem Video dokumentiert.

Zum Video bei Youtube

Fraktionschef Volker Kauder grölt auf der Bühne ins Mikrofon. Die Kanzlerin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe klatschen zum Takt des Songs. Die euphorische Parteibasis brüllt den Refrain mit: "An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit."

Presse: "Merkel, Merkel über alles"

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Am Tag nach der Bundestagswahl sorgt das Video für Wirbel im Netz. Auf dem Kurznachrichtenportal Twitter sammelt sich unter dem Hashtag #Campino vor allem jede Menge Spott.

So schriebt Userin Sophie (@edickesophie): "Merkel und die CDU gröhlen auf der Party "an Tagen wie diesen". Ich würde jetzt zu gern die blöde Fresse von #Campino sehen. :-))"

Kai Landwehr ‏(@kland1) fragt sich: "Was denkt eigentlich #Campino , wenn er die Bilder aus der CDU-Parteizentrale sieht?"

Und Alnus Glutinosa (@alnus_glutinosa) witzelt: ""An Tagen wie diesen" als Hymne bei der CDU-Wahlparty mit #Kauder als #Campino. Kannste Dir nicht ausdenken sowas."

Auf der Facebook-Seite der Toten Hosen tauchen dagegen vor allem Beiträge wütender Fans auf. So tobt Silvia Finger: "Die Schwarzen schunkeln zu "Tagen wie diesen" ich glaub's nicht...würg(am schlimmsten fand ich die erzkonservative von der Leyen, die besonders cool getan hat)"

Jonas Brinkrolf fragt die Düsseldorfer Punk-Band: "Wie fühlt man sich so, wenn man sieht, dass die eigenen Lieder von solchen Tattergreisen zweckentfremdet wird?"

Wer könnte was in einer großen Koalition werden?

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Besonders hart urteilt Karl-Heinz Schlegel: "das wars, tote hosen sind nun endgültig tot."

Auch der User mit dem Pseudonym Paolo Pinkel giftet: "Herzlich willkommen am Tiefpunkt der Bandgeschichte!"

Laurus Nobilis fordert von der Gruppe: "Wenn Die Toten Hosen noch ein kleines Restchen Würde in sich tragen gibt es nur 2 Lösungen:

1. sich das Hirn wegschießen 2. sich für "An Tagen wie diesen" entschuldigen, für immer aus der Setlist und zukünftigen Veröffentlichungen streichen, alle bisherigen und zukünftigen Einnahmen aus diesem Song für arme Punker spenden."

Seinen Unmut tut auch User Norb vom Ork kund: "Ich fass es nicht. Sollte sich rausstellen, dass die Toten Hosen es erlaubt oder geduldet haben, das die CDU/CSU den Song "Tage wie diese" auf ihrer Wahlkampffeier spielen und (ich kotze gleich) singen durften. Muss ich mich nach 17 Jahren Anhängerschaft, endgültig von dieser Band lossagen." Der User fordert von der Gruppe: "Ich hoffe, das die Toten Hosen ihr mögliches tun um klar zustellen, dass dieser Missbrauch gegen ihre Bandethik ist. Lieber Campino es tat schon sehr weh zu sehen wie dieser Song unaufhaltsam in die Kommerzschublade gedrückt wurde und nun die CDU. Wieviel Punk ist hier noch übrig?" 

Und Jens Haase schreibt an Campino & Co.: "ich hoffe, Ihr verklagt die Penner..."

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

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Und was sagen die Toten Hosen selbst dazu? Bislang noch nichts. Man darf aber davon ausgehen, dass noch eine Antwort auf die Verwendung des Liedes auf der CDU-Feier kommt. Ende August erst hatte sich die Band in einem öffentlichen Schreiben unmissverständlich gegen die Verwendung ihrer Musik im Wahlkampf ausgesprochen. Darin hieß es: "Wir haben nie ein Problem damit gehabt, wenn unser Lied vom Punkschuppen bis zum Oktoberfest den unterschiedlichsten Menschen Freude bereitet. Wir empfinden es aber als unanständig und unkorrekt, dass unsere Musik auf politischen Wahlkampfveranstaltungen läuft. Hier wird sie klar missbraucht und von Leuten vereinnahmt, die uns in keiner Weise nahe stehen."

In dem Schreiben betonten die Toten Hosen auch, dass die Parteien die Musiker hätten fragen können, ob sie damit einverstanden sind, dass ihre Lieder bei deren Veranstaltungen gespielt werden.

Rechtlich werden die Toten Hosen aber kaum dagegen vorgehen können. Denn: Solange die CDU und andere Parteien Gema-Gebühren zahlen, können sie Popsongs bei Wahlkampf- und Parteiveranstaltungen mehr oder weniger frei verwenden.

fro

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