Kanzlerin wird 60.

Geburtstagsfeier: Merkel wünscht Westerwelle Kraft

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Angela Merkel hat ihren 60. Geburtstag gefeiert.

Berlin - Herausragend sei die Kanzlerin, sagt SPD-Chef Gabriel. Ein Geschenk zum runden Geburtstag. Merkel geht in ihrer Rede vor allem auf den an Leukämie erkrankten Guido Westerwelle ein.

Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als eine uneitle, demütige und außergewöhnliche Politikerin gewürdigt. Zur Erheiterung der rund 650 Gäste bei einem Empfang in der CDU-Zentrale zu Merkels 60. Geburtstag am Donnerstagabend in Berlin fügte er hinzu: „Und es ist jedenfalls zeitweise eine große Freude, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“

Auch die SPD erkenne an, was Merkel für Deutschland geleistet habe, sagte Gabriel. „Sie sind absolut klar, ohne dabei jemals schroff zu werden.“ Sie sei keineswegs wankelmütig. Und: „Sie sind im Umgang so normal, wie es sich die Menschen im Land wünschen.“ Es sei beeindruckend, wie wenig prätentiös sie ihr hohes Amt ausübe.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte mit Blick auf Medienberichte, wonach Merkel noch in dieser Wahlperiode zurücktreten könnte, das sei nicht das Thema der Union. Diese sei Merkel einfach nur dankbar für ihre Politik und menschlichen Qualitäten.

Merkel sagte, ihr Mann Joachim Sauer und ihre Familie hätten dafür gesorgt, dass sie es nicht für das Wichtigste halte, was sie gerade mache. Das sei eine große Hilfe.

Außer auf den früheren FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle ging Merkel so gut wie auf keinen Politiker ein. Westerwelle ist an Leukämie erkrankt. Merkel sagte, es gelte zusammenzustehen - in guten und in schlechten Zeiten. "Ich wünsche ihm von Herzen alles, alles Gute", sagte Merkel.

So feierte Angela Merkel ihren Geburtstag - Bilder

So feierte Angela Merkel - Bilder

Sie bekam am Donnerstag Glückwünsche und Botschaften von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) bis Ex-Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann. Um Mitternacht saß sie noch mit den anderen 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel beim Sondergipfel zusammen, bevor sie sich auf den Weg zu dem Empfang nach Berlin machte.

Unter den Gästen im Konrad-Adenauer-Haus waren Merkels Ehemann Sauer und ihre Mutter, Herlind Kasner. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann war ebenso gekommen wie Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und die Unionsminister des schwarz-roten Kabinetts. Auch Altbundespräsident Christian Wulff, die 2013 zurückgetretene Forschungsministerin Annette Schavan (CDU), viele FDP-Politiker wie der frühere Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger waren erschienen, auch der Schauspieler Ulrich Matthes und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Statt großer Reden hatte sich Merkel einen Vortrag des Konstanzer Historikers Jürgen Osterhammel gewünscht. Thema „Vergangenheiten: Über die Zeithorizonte der Geschichte“. Osterhammel sagte, die Vergangenheit sei eine Schatzinsel und Vorbereitung der Gegenwart. Aber die gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte in der Welt seien weder von Historikern noch von sogenannten Denkfabriken rechtzeitig und richtig vorausgesagt worden. Eines der jüngeren Beispiele sei die internationale Finanzkrise.

Es hätten weder die Weltrevolution noch die repräsentative Demokratie gesiegt. Die wichtigste Dimension von Zeit sei das Tempo. Die Grunderfahrung der letzten Jahre sei die Beschleunigung. Politiker müssten Entscheidungen von atemberaubender und langfristiger Konsequenz treffen. Allerdings sei die Politik im Grundtempo nicht schneller geworden - „nur hektischer“.

Statt Geschenken wünschte sich Merkel Spenden für die Leukämie- Stiftung des Tenors José Carreras. Es wurde speziell für ein dreijähriges Mädchen aus dem schwäbischen Herbertingen gesammelt, das bereits sei einem Jahr intensiv medizinisch behandelt wird.

Merkel wurde in Hamburg geboren und wuchs in der DDR auf. Erst nach der Wende ging die promovierte Physikerin in die Politik. Unter Helmut Kohl wurde sie erst Frauenministerin, dann Umweltministerin. 1999 forderte sie die CDU als Generalsekretärin auf, sich von Kohl als Übervater der Partei wegen der Spendenaffäre zu lösen.

Kohl schrieb Merkel via „Bild“-Zeitung: „Wenn Sie heute zurückblicken, können Sie dies in der Gewissheit tun, die Gelegenheiten genutzt zu haben, die sich Ihnen in Ihrem wechselvollen Leben boten. Sie nutzten Ihre Chance und machten sich auf den Weg, der Sie bis an die Spitze unseres Landes brachte.“

dpa/afp

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