Gefährlicher Pingpong

Zieht Syrien die Türkei in den Konflikt?

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Das türkische Militär hat seine Präsenz an der Genze zu Syrien verstärkt.

Istanbul - Dicht an der Grenze kämpfen syrische Rebellen gegen Truppen der Regierung. Immer wieder fliegen Granaten auf türkisches Gebiet. Ankara droht; ein Pulverfass. Am Sonntag kehrt Ruhe ein - vorerst.

Nach mehr als zwölfstündigen Gefechten dicht an der türkischen Grenze zogen die syrischen Aktivisten Bilanz: mindestens 40 tote Regierungssoldaten, neun „Märtyrer“ in den eigenen Reihen. Das Gebiet werde wieder von den Rebellen beherrscht, hieß es.

An dem Tag, an dem drei Mörsergranaten auf türkischem Boden aufgeschlagen waren, hatten sich Rebellen und Soldaten des Regimes von Baschar al-Assad in der Ortschaft Chirbet al-Dschoos eine Schlacht geliefert. Rami Abdel Rahman von den syrischen Menschenrechtsbeobachtern schilderte, die Armee habe am Samstagmorgen mehrere Stützpunkte der Rebellen angegriffen. Der Grund: Das Regime will die Kontrolle über die Grenze zurückgewinnen.

Von dort droht nach Ansicht des Regimes viel Ungemach - in Form von Geld, Waffen, feindlichen Kämpfern. Erst am Vortag hatten syrische Staatsmedien gemeldet, dass bewaffnete Gruppen - unter ihnen viele Ausländer - aus der Türkei versucht hätten, in eben diesen Weiler einzudringen. Die „Eindringlinge“ seien aber gestoppt und viele getötet worden.

Mörsergranaten absichtlich in die Türkei gefeuert?

Der umkämpfte Ort liegt keine zwei Kilometer entfernt von dem türkischen Dorf Güveççi. Auf die Felder dieses Ortes waren am Wochenende immer wieder Granaten aus dem Nachbarland eingeschlagen. Verletzt wurde niemand. Doch die Türken schossen zurück. Die internationale Gemeinschaft hielt den Atem an. Der Syrienkonflikt drohte nun endgültig über die Grenze zu schwappen.

Von wem der Granatenbeschuss ausging, der den fragilen Frieden zwischen der Türkei und Syrien bedrohte, ist unklar. Zu unübersichtlich ist die Lage im Grenzgebiet. Da Journalisten von der syrischen Regierung nicht in die Krisenregionen gelassen werden, ist eine unabhängige Überprüfung der Berichte kaum möglich.

Nicht ausgeschlossen wird, dass Mörsergranaten absichtlich in die Türkei gefeuert werden - von Assad-Truppen oder auch von Rebellen, die Ankara in den Krieg hineinziehen wollen. Oder es handelte sich schlicht und einfach um Fehlschüsse in der Hitze des Gefechts. Der Oppositionsaktivist Rami Abdel Rahman wollte dazu nicht Stellung nehmen: „Kein Kommentar“, sagte er nur.

Am Sonntag kehrte auf der türkischen Seite der Grenze zunächst Ruhe ein. Auf syrischer Seite wurde wieder heftig gekämpft. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana zitierte aus dem Verteidigungsministerium, dass die Regierungstruppen alle Terroristen „eliminieren“ und die Sicherheit wieder herstellen würden.

Oppositionsaktivisten berichteten über neue Kämpfe in Damaskus, Aleppo, Homs, Daraa und anderen Landesteilen. Und wieder kostete der Konflikt im Landesinneren den Angaben nach allein am Wochenende mehr als 200 Menschen das Leben.

dpa

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