Gewalttätige Regierungsgegner

Geiseldrama in Armenien geht weiter: Vier neue Geiseln

Eriwan - Vor zehn Tagen besetzten Regierungsgegner in Armenien ein Polizeigebäude und nahmen Geiseln. Nun haben sie vier Ärzte, die sie behandeln wollten, in ihre Gewalt gebracht.

In Armeniens Hauptstadt Eriwan dauert der Nervenkrieg mit in einem Polizeigebäude verschanzten gewalttätigen Regierungsgegnern an. Am Mittwoch nahmen die Angreifer erneut vier Geiseln, wie die Polizei mitteilte. Zuvor lieferten sie sich einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften, bei dem fünf Menschen verletzt wurden: vier Geiselnehmer und ein Beamter.

Bei den vier Geiseln handelt es sich laut Polizei um Ärzte, die in das Gebäude gingen, um zwei verletzte Besatzer zu behandeln. Als sie das Gebäude betraten, seien sie von den Regierungsgegnern gefangen genommen worden.

Ein verletzter Polizist und zwei verletzte Regierungsgegner seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei weiter mit. Die beiden im Gebäude verbliebenen Geiselnehmer seien ebenfalls verletzt. Die Polizei verhandelte mit ihnen, um die Ärzte wieder zu befreien.

Sie fordern die Freilassung des Oppositionsführers Dschirair Sefiljan

Die Angreifer hatten das Polizeigebäude am 17. Juli gestürmt, einen Polizisten getötet und zunächst acht Menschen als Geiseln genommen, um den Rücktritt von Armeniens prorussischem Staatschef Sersch Sarkissjan sowie die Freilassung des Oppositionsführers Dschirair Sefiljan zu erzwingen. Nach und nach hatten sie ihre ersten Geiseln wieder freigelassen, sich jedoch geweigert, ihre Waffen niederzulegen.

Vor einer Woche waren mehr als 1500 Menschen in Eriwan auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung zu protestieren und ein friedliches Ende der Geiselnahme zu verlangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Menge vor.

Der Oppositionsführer Sefiljan sitzt seit Juni wegen Waffenbesitzes in Haft. Ihm und sechs seiner Anhänger, die ebenfalls festgenommen wurden, wird vorgeworfen, die Besetzung von Regierungsgebäuden und Telekommunikationseinrichtungen geplant zu haben.

Sefiljan war bereits 2006 einmal festgenommen worden, nachdem er zum gewaltsamen Umsturz aufgerufen hatte. Nach anderthalb Jahren kam er wieder frei. 2015 wurde er erneut unter Umsturzverdacht vorübergehend inhaftiert.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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