Grüne gegen Olympia - Roth verlässt Kuratorium

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Claudia Roth hatte sich für die Olympia-Bewerbung stark gemacht.

Freiburg - Nach dem Nein des Grünen-Parteitags zu Olympia in München verlässt die frisch wiedergewählte Parteichefin Claudia Roth das Kuratorium für die Bewerbung um die Winterspiele 2018.

Ein Antrag gegen die Bewerbung hatte am Samstagabend auf dem Kongress in Freiburg gegen den Willen der Parteiführung eine Mehrheit gefunden. 289 Delegierte stimmten dem Antrag gegen Olympia zu, 244 waren dagegen. Es gab 70 Enthaltungen. Danach habe der Parteivorstand beschlossen, dass sich die Grünen aus dem Gremium zurückzögen, sagte Sprecher Jens Althoff der Nachrichtenagentur dpa.

Die Grünen sind bei dem Thema seit längerem gespalten. Roth hatte sich für Olympia stark gemacht. Im Oktober hatte sich der bayerische Landtag einmütig hinter die Bewerbung gestellt - mit Ausnahme der oppositionellen Grünen. Im Münchner Stadtrat kann sich Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in der Frage hingegen bislang auf seinen grünen Koalitionspartner stützen.

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In einer hitzigen Debatte hatten die Olympia-Gegner kritisiert, die Spiele seien nur vorgeblich ökologisch ausgerichtet. Unberührte Flächen würden unnötig zugebaut, die Spiele müssten im Kunstschnee stattfinden. Roth und weitere Befürworter hatten entgegengehalten, die Grünen könnten nur bessere Bedingungen erreichen, wenn sie die Veranstaltung mitorganisierten. Roth verfolgte die Verkündung der Entscheidung mit versteinerter Miene.

Roth und Özdemir wiedergewählt 

Zuvor waren Roth und der Co-Vorsitzende Cem Özdemir mit insgesamt gutem Ergebnis für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt worden. Der 44-Jährige erzielte mit 88,5 Prozent 9,3 Punkte mehr als bei seiner ersten Wahl 2008. Auf die langjährige Parteichefin Roth entfielen mit 79,3 Prozent 3,4 Punkte weniger als vor zwei Jahren. Bereits vor ihrer Wiederwahl hatte sie sich kritischen Fragen zu Olympia stellen müssen.

Aufsichtsratschef Michael Vesper erklärte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag: “Ich bin natürlich nicht begeistert, aber ihre Entscheidung wird keine negativen Auswirkungen auf die Bewerbung haben - die Substanz der Bewerbung ändert sich dadurch nicht.“ 

Kritik von Westerwelle, Gröhe und Schneider

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Widerstand der Grünen gegen eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 kritisiert. Die Ausrichtung eines internationalen Sportereignisses könne dem Land viel Ansehen bringen, erklärte Westerwelle am Sonntag in Berlin. “Mit dem Ausstieg aus der Olympia-Bewerbung auf solche Chancen für unser Land zu verzichten, halte ich für einen schweren Fehler.“ Er werde sich im In- und Ausland unverändert für die Olympia-Bewerbung einsetzen. Westerwelle ist Mitglied des Olympia-Kuratoriums.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat den Grünen vorgeworfen, mit einer “Anti-Haltung“ Deutschland massiv zu schaden. Ihr Freiburger Parteitag habe “einmal mehr bewiesen: Die Grünen sind eine “Gegen-Alles-Bewegung““, sagte Gröhe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Sie seien gegen Infrastrukturprojekte wie das Bahnprojekt Stuttgart 21, gegen bezahlbare und saubere Energie und gegen Olympia 2018 in München. “Gegen soviel Starrsinn ist kein Kraut gewachsen!“

Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider hat am Sonntag das Nein der Grünen zu Olympia 2018 kritisiert. “Hier hat grüne Ideologie gegen überzeugende Sachargumente für die ökologischste Bewerbung für olympische Winterspiele, die es jemals gab, gesiegt“, sagte Schneider in einer Stellungnahme. “Die Grünen stellen sich ein weiteres Mal ins gesellschaftliche Abseits.“ Ihre Vorsitzende Claudia Roth gebe die Partei damit der Lächerlichkeit preis. “Sie ist aus vollem Herzen für Olympia und muss jetzt dagegen polemisieren. Claudia Roth als Empörungsspezialistin hat jetzt allen Grund zur Empörung ­ über sich und über die Grünen.“

Olympia-Bewerbungsgesellschaft bedauert Roth-Rückzug

Die Münchner Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018 hat mit Bedauern auf die Ablehnung der Bewerbung durch den Bundesparteitag der Grünen und den Rückzug von Parteichefin Claudia Roth aus dem Kuratorium reagiert. Sie verliere dadurch “eine sportaffine, starke Mitstreiterin“, erklärte Katarina Witt, die Vorsitzende des Kuratoriums von München 2018, am Sonntag. “Claudia Roth musste wohl offenbar aufgrund des parteipolitischem Votums ihre Entscheidung in dieser Form treffen.“

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von München 2018, Bernhard Schwank, betonte, dass es keine vollständige Ablehnung der Bewerbung gebe. Das zeige die hohe Zahl derer, die auf dem Parteitag der Grünen anders gestimmt oder sich enthalten hätten. Auch künftig wolle man mit den Grünen auf allen Ebenen sprechen und die “bisher positive und konstruktive Zusammenarbeit“ vor Ort fortführen. Nicht zuletzt wegen dieser Zusammenarbeit habe das Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept “international eine hervorragende Resonanz gefunden und wurde äußerst positiv bewertet“, betonte Schwank. Er versicherte, dass das Umweltkonzept im Falle eines Zuschlags konsequent umgesetzt werde. Dies hätten alle Gesellschafter so beschlossen.

dpa/dapd

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