Stecken Deutsche hinter mysteriösem Flucht-Flugblatt?

Idomeni: Mazedonien schickt Flüchtlinge zurück

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Flüchtlinge aus dem Lager Idomeni suchen einen angeblich offenen Weg nach Mazedonien: Ein Flugblatt dazu ist im Umlauf, angeblich stecken deutsche Aktivisten hinter der Aktion.

Athen - Der Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien vom Montag ist anscheinend durch ein Flugblatt in arabischer Sprache ausgelöst worden. Angeblich stecken deutsche Aktivisten hinter der Aktion.

Das Flüchtlingslager in Idomeni wird nun geräumt und wir berichten über die Entwicklungen im News-Blog.

Update:Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm reagierte am Dienstagsvormittag auf die Gerüchte, dass er etwas mit einem Flugblatt oder einer Organisation der flüchtenden Gruppen aus dem griechischen Auffanglager Idomeni zu tun habe. „Ich habe Verständnis für die Verzweiflungstat, die ich jedoch nicht initiiert habe“, sagte Blüm gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Wer ist der Urheber des Flugblatts, das unter Flüchtlingen kursiert?  

Laut einem Bericht der "Bild" gab es Gerüchte, dass deutsche Aktivisten die Verfasser des Flugblatts sind, dass den Flüchtlingen eine Weg aus dem Camp aufzeigen soll. Die Rede war dabei von einem "Kommando Norbert Blüm". Der frühere deutsche Arbeitsminister Blüm (CDU) hatte vor einigen Tagen eine Nacht in einem Zelt in Idomeni verbracht.    

In dem Flugblatt sei den Migranten, die seit Wochen im Camp von Idomeni ausharren, gezeigt worden, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

Zudem wurden mit diesen Flyern falsche Informationen über die Absichten Athens verbreitet, hieß es vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise am Dienstagmorgen in Athen. Wer dahinter steckt, sagte Athen zunächst nicht.

Fluchtversuch gescheitert: Mazedonien schickt Flüchtlinge zurück

Die Balkanroute bleibt dicht: Hunderte Menschen aus dem Flüchtlingslager im griechischen Idomeni sind mit ihrem Versuch gescheitert, über die grüne Grenze nach Mazedonien und weiter nach Mitteleuropa zu kommen. Die meisten mussten am Dienstag zurückkehren.

Betroffene berichteten, sie seien von mazedonischen Sicherheitskräften mit Schlagstöcken traktiert und zur Umkehr gezwungen worden. Ministerpräsident Alexis Tsipras kritisierte, die Migranten seien mit einer Flugblatt-Aktion zu dem gefährlichen Grenzübertritt animiert worden, der über einen reißenden Bach führte. „Dieses Spiel mit Menschenleben muss aufhören.“

Am Vortag war es Schätzungen zufolge bis zu 2000 Migranten aus Idomeni gelungen, den Grenzzaun zu umgehen und illegal nach Mazedonien einzureisen. In dem wilden Camp warten mehr als zehntausend Migranten seit gut zwei Wochen darauf, doch noch über die geschlossene Balkanroute weiter nach Nordwesten in die EU zu gelangen, vor allem nach Deutschland.

In dem Camp war ein Flugblatt mit detaillierten Informationen verteilt worden, wie man über die Grenze nach Mazedonien gelangen könnte - unterschrieben mit „Kommando Norbert Blüm“. Der frühere Bundesminister hatte am Wochenende aus Solidarität eine Nacht in Idomeni verbracht.

Über die Urheberschaft des Flugblattes gab es keine gesicherten Erkenntnisse. Spekuliert wurde über deutsche Linksradikale, die sich als humanitäre Helfer engagieren.

Der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Idomeni, Babar Baloch, hielt es auch für möglich, dass der Flyer das Werk krimineller Schmuggler-Netzwerke war. Blüm hat damit nichts zu tun, wie er in mehreren Interviews versicherte.

Tsipras rief die Migranten auf, seiner Regierung zu vertrauen und von Idomeni aus in bereitstehende Auffanglager im Landesinnern zu gehen. „Es ist ausgeschlossen, dass die Balkanroute sich noch einmal öffnen wird“, stellte er klar.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Dimitris Vitsas sagte dem Sender Skai, inzwischen stauten sich im ganzen Land rund 46 000 Migranten, die meisten davon Kriegsflüchtlinge. Nach Angaben des UNHCR setzten seit Beginn des Jahres bis zum 13. März 143 205 Migranten aus der Türkei nach Griechenland über.

Vor dem EU-Flüchtlingsgipfel am Donnerstag und Freitag kritisierte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban die von Deutschland unterstützten Pläne der EU, künftig Zehntausende Flüchtlinge nach festen Quoten auf alle 28 EU-Staaten zu verteilen. Man lasse sich von den „Rotten unverbesserlicher Kämpfer für die Menschenrechte“ nicht belehren, sagte Orban nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. Migranten bringen aus seiner Sicht „Verbrechen und Terror“ nach Europa. „Wenn wir die Völkerwanderung stoppen wollen, müssen wir vor allem Brüssel bremsen“, sagte Orban. Es gehe darum zu verhindern, dass „Banden Jagd auf unsere Frauen und Mädchen machen“, sagte der Nationalkonservative in Anspielung auf die Kölner Silvesternacht.

Die EU berät über ein Angebot der Türkei, sämtliche Migranten zurückzunehmen, die von der Türkei nach Griechenland übersetzen. Als Gegenleistung sollen ebenso viele Syrer nach Europa ausgeflogen werden. Zudem fordert Ankara sechs Milliarden Euro, Visa-Erleichterungen für seine Bürger sowie rasche Fortschritte in den EU-Beitrittsverhandlungen.

Zypern will die Beitrittsgespräche jedoch solange blockieren, bis die Türkei das EU-Mitglied Zypern anerkennt. Dies sagte Präsident Nikos Anastasiades am Dienstag in Nikosia nach einem Treffen mit EU-Ratschef Donald Tusk.

Tusk pocht darauf, dass die Türkei zurückgeführte Migranten gemäß den EU-Asylregeln und internationale Verpflichtungen behandelt. Das bedeutet: Ankommende Menschen müssen befragt werden, und es muss die Möglichkeit einer Berufung geben. Tusk steht unter Druck, denn nach dem Türkei-Gipfel Anfang März hagelte es Kritik. So meldete UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi Bedenken an.

Idomeni: Das Stand in dem mysteriösen Flugblatt

Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen:

1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben.

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass derjenige, der in Griechenland bleibt, am Ende in die Türkei abgeschoben wird.

4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung:

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen.

Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie für den Weg zum Treffpunkt auf die Karte.

dpa/js

Video: Türkische Küstenwache greift Flüchtlingsboot an

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