Kinderhilfe: "Tatort Internet" wichtiger Beitrag

+
Stephanie zu Guttenberg, Frau des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), trat in der ersten Folge von "Tatort Internet" auf. Nun erhält die Sendung auch Unterstützung von der Deustchen Kinderhilfe.

Berlin - Der Streit um das neue RTL-II-Magazin "Tatort Internet" ebbt nicht ab und wird immer mehr auch zur politischen Auseinandersetzung. Die Deutsche Kinderhilfe verteidigte das TV-Format am Wochenende.

"Man sollte die Sendung nicht so sehr verteufeln", sagte ihr Vorstandsvorsitzender Georg Ehrmann am Sonntag in Berlin. Kritiker hielten dagegen, das Format schüre quotenwirksam Ängste, sei für die Opfer aber keine Hilfe.

Ehrmann sagte: "Gerade in der Zielgruppe von RTL II ist es wichtig, über den völlig leichtsinnigen Umgang der Kinder mit dem Internet aufzuklären." Die Debatte kreise derzeit jedoch vor allem um die Frage, wie sinnvoll und zulässig ein Internet-Pranger sei. "Da wird zu sehr von der Täterseite her gedacht und die Seite der Opfer kommt zu kurz." Die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen dagegen bemängelte im "Spiegel", der Sendung fehlten weitestgehend Informationen, wie sich Jugendliche schützen könnten. Auch seien die Berichte von Opfern, die zu erkennen sind, problematisch.

Unterdessen verteidigte Produzentin Danuta Harrich-Zandberg die Sendung. Sie verstehe die Diskussion um die Täter in keiner Weise, schrieb sie in der Wochenendausgabe der "Tageszeitung".

Auf Seiten der Kritiker gab der Sexualtherapeut Christoph Joseph Ahlers zu bedenken, er sehe keine abschreckende Wirkung auf Triebtäter. "Für diese Personen wird ein solches TV-Format dazu führen, dass sie ihre Vorsicht in ihrer Vorgehensweise erhöhen. Sie werden ihre Anstrengungen steigern, um nicht überführt zu werden", sagte Ahlers der "Berliner Zeitung" (Wochenendausgabe).

Superstar Guttenberg: Seine besten Bilder

Superstar Guttenberg: Seine besten Bilder

Die Sendung "Tatort Internet" will zeigen, wie leicht es für mögliche Sexualstraftäter sei, sich über das Internet an Kinder heranzumachen. Dafür provoziert RTL II Anbahnungsversuche mit einem Lockvogel und schickt eine junge Schauspielerin zu einem Treffen mit den Männern. Schließlich konfrontiert das Kamerateam die vermeintlichen Täter. Die Aufmachung ist reißerisch.

Kritiker bemängeln einerseits, dass die Persönlichkeitsrechte der Männer verletzt würden - so sei es fraglich, ob sie trotz verpixelter Bilder nicht doch zu erkennen sind, obwohl der Vorwurf einer angeblichen Tat juristisch noch ungeklärt ist. Andererseits wird auch kritisiert, dass die meisten Kinder im familiären und sozialen Umfeld zum Opfer werden, nicht aber über das Internet.

Für den Kinderhilfe-Chef Ehrmann ist die Sendung dennoch berechtigt. "Über Qualität müssen wir uns nicht unterhalten, aber das Format kommt an und hat positive Effekte bei einer Zielgruppe, die sonst eher schwer zu erreichen ist", sagte er. Zu bedenken sei auch, dass der Streit um das Format längst eine politische Dimension habe.

In der ersten Folge von "Tatort Internet" war Stephanie zu Guttenberg, Frau des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), als prominente Unterstützerin aufgetreten. Sie ist die deutsche Präsidentin des Kinderschutz- Vereins "Innocence in Danger" (Unschuldigkeit in Gefahr) und setzt sich seit Jahren für den Schutz von Kindern vor Missbrauch ein.

"Bei vielen Nichtregierungsorganisationen, wie etwa Vereinen, besteht in Deutschland eine sehr starke politische Abhängigkeit", sagte Ehrmann. Viel Kritik sei daher auch vor dem Hintergrund zu erklären, dass ein Projekt der Frau des Verteidigungsministers in Verruf geraten solle. "Die Debatte ist stark lagerfixiert."

Ehrmann forderte zudem höhere Strafen für sexuellen Missbrauch. So verjährten besonders schwere Taten nach 20 Jahren, minderschwere Fälle schon nach fünf bis zehn Jahren. "Der Staat muss hier ein Signal setzen", sagte Ehrmann. Experten bezweifeln jedoch, dass ein höheres Strafmaß für mehr Abschreckung sorgt. Sie sagen, Prävention sei der bessere Opferschutz.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte im "Spiegel", dass die Anbandelung mit Minderjährigen im Internet in Deutschland bereits seit 2004 unter Strafe stehe. Entsprechende Forderungen seien daher "verfehlt". Ehrmann warf ihr vor, eine Verlängerung der Verjährungsfrist zu blockieren. "Sie denkt da zu sehr von der Seite einer Strafverteidigerin."

dpa

Meistgelesene Artikel

Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Washington - Proteste in aller Welt haben den ersten vollen Amtstag von Donald Trump begleitet. Er selbst ignoriert sie erst einmal - und feuert …
Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Washington - In seiner Antrittsrede am Freitag hat der neue US-Präsident Donald Trump das amerikanische Volk in den Mittelpunkt gestellt. Hier Trumps …
Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Bundestagswahl 2017: An diesem Datum wird gewählt

München - 2017 steht in Deutschland eine Bundestagswahl an. Seit heute steht das Datum fest, an wann die deutschen Bürger den neuen Bundestag wählen.
Bundestagswahl 2017: An diesem Datum wird gewählt

Kommentare