Klarheit für Gentests an Embryonen gefordert

Münster - Nach dem Bundesgerichtshof-Urteil, das Ärzten künftig erlaubt, künstlich gezeugte Embryonen auf schwere Gen-Schäden zu untersuchen, haben Mediziner und Biologen klare Vorgaben gefordert.

“Um hier mehr Sicherheit zu bekommen, muss der Staat jetzt definieren, welche Gen-Krankheiten damit genau gemeint sind“, sagte der Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA), Prof. Stefan Schlatt, am Mittwoch in Münster. “Noch gibt es Unklarheiten, was darunter fällt.“ Unklar sei zudem, ob künftig bei jeder künstlichen Befruchtung eine Untersuchung erforderlich ist. “Dieser Punkt muss noch eindeutig geklärt werden“, forderte Frank Tüttelmann, Humangenetiker an der Universität Münster. Kriterien dafür, welche befruchteten Eizellen nach der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) vernichtet werden dürfen, seien bereits vorhanden, sagte Schlatt. “Es gibt schwerwiegende Indikationen, bei denen der Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch rät. Daran kann man sich orientieren.“

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Bundesgerichtshof erlaubt Gentests an Embryonen

Grauzonen könnten dabei jedoch nicht ausgeschlossen werden. “Es gibt klare und weniger klare Fälle.“ Bei der unheilbaren Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose etwa, die zu einer verschleimten Lunge führt, sei der Fall eindeutig. “Hier würde der Arzt der Mutter wohl raten, die geschädigte Eizelle nicht zu nehmen.“ Schwieriger sei es dagegen beim Down-Syndrom. “Da gibt es schwere und leichte Formen. Wie sich das Kind entwickelt, weiß man aber nicht vor der Geburt.“

Die Möglichkeit einer PID wird nach Ansicht von Schlatt dazu führen, dass sich mehr Eltern gegen ein Kind mit einem Down-Syndrom entscheiden werden. “Es ist einfacher, sich gegen das Einsetzen einer Eizelle mit Genschäden zu entscheiden, als für eine Abtreibung.“ Die Gefahr, dass die PID als Methode zur Erzeugung von “Designer-Babys“ missbraucht wird, schließt Schlatt aus. “Der BGH hat eindeutig klargestellt, dass es nur bei schwerwiegenden Krankheiten angewandt werden darf. Verhalten und Haarfarbe eines Kindes spielen keine Rolle.“

dpa

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